Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Gegen soziale Selektion im Bildungssystem

Unser Bildungssystem ist alles andere als fair. Wo der Haken an der Sache  ist, bleibt allerdings oft unbemerkt, hat aber einen wesentlichen Einfluss auf uns alle.

Hartnäckiges Gerücht

Das Gerücht, unser Bildungssystem wäre fair hält sich hartnäckig. Kein Wunder. Schließlich sind politische MeinungsmacherInnen auch sehr erpicht darauf, uns das glauben zu machen. Auf den ersten Blick mag das auch gar nicht so unglaubwürdig erscheinen. Schließlich: Wer sich anstrengt bekommt gute Noten. Wer gute Noten hat kann an die Uni und später viel Geld verdienen. So, oder so ähnlich, lautet die vereinfachte bildungspolitische Milchmädchenrechnung.

Wer aber einen Blick auf die tatsächlichen Fakten wirft, dem/der fällt es wie Schuppen von den Augen, dass irgendwo ein Haken an der Sache sein muss. Denn Kinder sind im Durchschnitt gleich schlau, egal wo sie geboren sind, wie viel Geld ihre Familie hat oder welchen Beruf ihre Eltern ausüben. Das ist eine Tatsache.

Das heißt aber nciht dass sie gleiche Chancen haben. Ein Blick auf das Ende der Bildungsleiter zeigt allerdings ein erschreckendes Bild. Von 100 Kindern deren Eltern eine akademische Ausbildung haben, beginnen 72 zu studieren. Von 100 Kindern, deren Eltern nur einen Pflichtschulabschluss haben, schaffen es gerade einmal 8 Kinder an die Uni. Vereinfacht gesagt: Wer das Pech hat, dass seine/ihre Eltern weniger Bildung und weniger Geld haben, wird mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit ein Studium in Angriff nehmen. Das ist auch eine Tatsache.

Phänomen: Soziale Selektion

Wie aber kommt es dazu? Schließlich gibt es kein Gesetz, dass Menschen aus unteren sozialen Schichten verbietet zu studieren. Womit wir es hier zu tun haben ist allgemein unter dem Begriff „soziale Selektion“ bekannt. Anders ausgedrückt die Bevorzugung Kindern aus höheren sozialen Schichten. Wie es dazu kommt ist manchmal offensichtlich, meistens aber auf den ersten Blick unsichtbar.

Offensichtlich ist, dass Studieren Geld kostet. Für Menschen aus reichen Elternhäusern ist das Studium leichter zu finanzieren, das ist klar. Menschen mit weniger Geld, müssen dagegen neben dem Studium mehr arbeiten, haben so weniger Zeit zum Studieren, die Studiendauer verlängert sich und sie laufen Gefahr Beihilfen oder Stipendien zu verlieren.

Viel weniger offensichtlich erfolgt aber die Entscheidung überhaupt zu Studieren zu beginnen. Bereits mit 10 Jahren steht der weitere Bildungsweg im Groben fest, nämlich dann wenn entschieden wird, ob ein Kind eine Hauptschule besuchen wird, oder eine AHS. In der Realität entscheiden das allerdings meist nicht die Kinder sondern die Eltern. Jene, die selbst eine AHS besucht haben, schicken ihre Kinder in der Regel ebenfalls in ein Gymnasium. Mit den „Fähigkeiten“ der Kinder hat diese Entscheidung in der Praxis oft wenig zu tun. In ihrer Konsequenz ist sie meist endgültig. Die Chance, dass Kinder die eine Hauptschule besuchen später zu studieren beginnen, ist quasi gleich null. Das ist wieder eine erwiesene Tatsache.

Wir halten also fest, dass die Bildung der Eltern entscheidend dafür ist, welche Schule ein Kind besuchen wird. Und dann? Es liegt eigentlich auf der Hand. Wer gebildete Eltern hat, wird zu Hause mehr Förderung erfahren. Vieles, was in der Schule – und später an der Uni – verlangt wird, bekommen diese Kinder ganz selbstverständlich vermittelt.

Ein weiterer Aspekt in der Schullaufbahn der Kinder ist auch die Frage ob sich Eltern Nachhilfestunden leisten können oder nicht, ob zu Hause gelesen und diskutiert wird, ob Kinder von klein auf das vermittelt wird was später als Allgemeinbildung attestiert wird, aws ihnen also den Weg in der „gebildeten“ Uni erleichtert.

Fortsetzung folgt

Und nach der Uni? Wie Einflussreich das Elternhaus auch dann noch ist, zeigt eine deutsche Studie, welche die Karrierewege von ca. 6500 Ingenieurinnen, JuristInnen und WirtschaftswissenschaftlerInnen verfolgt.

Es sollte anzunehmen sein, dass für Kinder aus sozial schwächeren oder bildungsferneren Schichten, die es geschafft haben sich bis zur Uni durch zu boxen, der Rest ein Kinderspiel ist und sich ihnen dieselben Möglichkeiten eröffnen wie Studierenden aus AkademikerInnenfamilien. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil, die Selektion wird ungebrochen fortgesetzt.

Gerade 0,5 % der Studierenden deren Eltern keine besonderen Abschlüsse aufweisen können schaffen es in die oberste Führungsebene. Von den Vorstandsvorsitzenden der 100 größten deutschen Konzerne stammen 4 Fünftel aus den „oberen“ 3,5 Prozent der Bevölkerung. Fast jedeR zweite kommt sogar aus den „oberen“ 0,5 Prozent.

Der Wissenschaftler M. Hartmann führt diese Zahlen darauf zurück, dass für leitende Positionen vor allem „Souveränität“ ausschlaggebend sei. Diese „weist in der Regel nur derjenige aus, dem das Milieu von Kindesbeinen anvertraut ist, der sich in Chefetagen nicht fremd, sondern zu Hause fühlt.“

Was bleibt uns da noch zu sagen, außer trocken festzustellen: Die Behauptung unser Bildungssystem wäre fair, ist bestenfalls ein Irrtum oder aber eine unverschämte Lüge.

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