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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Bildungsökonomisierung; nicht mit uns
In vielen Lebensbereichen ist es zur allgemein anerkannten Tatsache geworden, dass weniger Staat und mehr Privat hauptsächlich Vorteile bringt.
Nun mag mensch vielleicht behaupten, dass im Bereich Bildung der Staat noch immer die (fast) ausschließliche Instanz ist. Doch die steigenden Ausgaben für private Nachhilfe, der größer werdende Einfluss privater Unternehmen auf die Wirtschaft (Universitätsrat) und die wachsende Anzahl privater Fachhochschulen sprechen eine eindeutige Sprache.
Bildung ist eine Chance zum Aufbrechen von sozialen Barrieren, aber gleichzeitig die beste Möglichkeit derartige Barrieren zu errichten und zu festigen. Die grundsätzliche Frage lautet: Bildung für die breite Masse oder Konzentration auf eine kleine Elite? Die Entwicklung in Österreich zeigt leider in die falsche Richtung.
Das österreichische Universitätssystem ist dabei, still und heimlich privatisiert zu werden. Das Universitätsgesetz 2002 hat der Bildungsökonomisierung institutionell den Weg bereitet. Mit der Hochschulautonomie sind die einzelnen Unis nun selbst für die Verwendung der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel verantwortlich. Sie agieren, als ob sie privatwirtschaftliche Unternehmen wären. Die RektorInnen gebärden sich als ManagerInnen, die ein Produkt auf den Markt bringen: Das Produkt StudentIn.
Die Studiengebühren sollen dafür sorgen, dass die Studierenden ihr Studium unter größtmöglichem Druck in kürzest möglicher Zeit abschließen. Schon wird darüber diskutiert die Höhe der Studiengebühren (für ausländische Studierende) in die Entscheidungshoheit der Rektorate zu entlassen. Damit wären amerikanischen Verhältnissen Tür und Tor geöffnet.
Das Ziel dieses politischen Programms ist es, dass die Bildung auf den Universitäten und den Fachhochschulen bestmöglich den Ansprüchen der Privatwirtschaft genügt. Der/die Studierende wird damit vom jungen Menschen der in verschiedenen Wissenschaften gebildet werden soll, zum Produkt für die Wirtschaft.
Die neue dreigliedrige Studienarchitektur (Bachelor/Master/PhD) ist ein weiterer, wesentlicher Schritt in diese Richtung. Ganz explizit wird der Bachelor (der ja in 6 statt 8 Semestern abgeschlossen werden soll) als Ausbildungsprogramm für in der Wirtschaft benötigte Fachkräfte betrachtet. Mensch braucht sich nur die Studienpläne anzusehen. Die „Freien Wahlfächer“ wurden praktisch abgeschafft. Im besten Fall werden wir zu produktiven FachiditiotInnen erzogen.
Beim Master sieht es nicht viel besser aus. Ganz explizit wird von Seiten der RektorInnenkonferenz, der Industriellenvereinigung und anderen „Playern“ in der bildungspolitischen Debatte von offenen Zugangsbeschränkungen für das Masterstudium gesprochen. Die weiterführende Ausbildung soll nicht allen Studierenden offen stehen.
Das Masterstudium Wirtschaftsrecht (das schon im Wintersemester 2007/08 begonnen hat) bietet einen ersten Vorgeschmack. Um das Studium beginnen zu können, muss zuerst die LV „Einführung in das Masterstudium Wirtschaftsrecht“ erfolgreich absolviert werden. Solange die Nachfrage gering ist (und das ist sie derzeit, weil das Bachelorstudium noch so jung ist), ist auch diese LV kein Problem. Sollte der Andrang der Studierenden aber steigen, kann diese LV ganz einfach in eine „waschechte“ Zugangsbeschränkung verwandelt werden!
Jede/r weiß, dass die Mehrzahl der Studierenden den Master machen will, weil die „Performance“ des Bachelors auf dem Arbeitsmarkt noch völlig offen ist. Ab 2009/10 (wo die meisten Masterstudien auf der WU beginnen) wird sich zeigen wie drängend sich dieses Problem darstellt. Möglicherweise löst es sich in Luft auf, doch das erscheint doch mehr als unwahrscheinlich.
Politische Entscheidungen, die über die Köpfe der Studierenden hinweg getroffen werden, entwickeln sich zu Faktoren, die das Leben aller beeinflussen und völlig verändern können. Wir finden es daher wichtig sich kritisch mit bildungspolitischen Vorgängen auseinander zu setzen. Wir sprechen uns gegen die zunehmende Bildungsökonomisierung und damit gegen das Universitätsgesetz 2002 aus. Zudem sehen wir einige Veränderungen infolge der Umstellung auf die neue dreigliedrige Studienarchitektur (Bachelor/Master/PhD) äußerst kritisch und wehren uns gegen das Zurückdrängen sozialwissenschaftlicher Fächer in wirtschaftswissenschaftlichen Studien.
Was wir wollen ist ein Studium, das allen Menschen die gleichen Chancen bietet und eine umfassende Bildung ermöglicht. Und wir setzen uns für mehr Mitbestimmung der Studierenden auf der Uni und in der Bildungspolitik überhaupt ein. Es kann nicht sein, dass die Studierenden als Hauptbetroffene vieler Veränderung nichts mitzureden haben.
Das Problem der aktuellen Veränderungen in der österreichischen Hochschullandschaft ist nicht, dass es mehr und mehr Menschen daran hindert auf die Uni zu gehen. Ganz im Gegenteil, die StudentInnenzahlen steigen. Das Problem ist, dass gewisse gesellschaftliche Gruppen, wie sozial Schwächere, ausländische oder nebenbei arbeitende Studierende benachteiligt werden. Wer nicht mit Haut und Haar studiert hat es zunehmend schwer an gefragte Kurse oder Professoren zu kommen. Also jene Chancen erhalten, zu denen Studierende aus vermögendem Elternhaus kommen. Auch Studierende die an einer kritischen Wissenschaft mit Weitblick orientiert sind werden an der WU vielfach enttäuscht. Unserer Meinung nach herrscht hier Handlungsbedarf.
Es kann nicht sein, dass die WU in Eliteprogramme (wie den „Center of Excellence“ oder die „WU Top League“) Geld investiert, die Masse der Studierenden aber mit überfüllten Hörsälen und Massenprüfungen zu kämpfen haben.
Nicht alles ist schlecht an der österreichischen Hochschullandschaft und der WU im Speziellen. Es gibt aber viele Probleme, die es zu lösen gilt. Und dazu wollen wir, als Sprachrohr der Studierenden, konstruktiv unseren Beitrag leisten.

