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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Super Praktikum
Der Häuptling der Volkspartei sucht für sich einen Superpraktikanten. Oder eine Superpraktikantin. Das steht noch nicht so fest. Fest steht allerdings, wie das Transferkonto dieser Person nach dem Praktikum aussehen wird: Leer.
Mal abgesehen davon, dass das mit PraktikantInnen in der Politik so eine Sache ist (siehe Elisabeth Gehrer, Johannes Hahn und einige andere), bringt die schwarze Parteijugend ein brisantes Thema aufs Tapet. Nur mit den beträchtlichen Schönheitsfehlern, dass sie einerseits das Problem zum Idealzustand umdeuten und andererseits bei der nicht gendergerechten Ausschreibung (des „Superpraktikanten“) das Gleichbehandlungsgesetz verletzen.
Praktikum
Im wahrsten Sinne des Wortes bedeutet der Begriff „Praktikum“ ja nichts anderes als die Vertiefung der erlernten Theorie in der praktischen Anwendung – ein durchaus begrüßenswertes Prinzip. Doch was wurde daraus gemacht? Unternehmen, die PraktikantInnen einstellen, tun dies mehrheitlich nicht mehr, um jungen Menschen die Möglichkeit der Wissensvertiefung zu bieten, sondern um reguläre Arbeitsverhältnisse zu umgehen – das bedeutet, keine Sozialversicherung, keinen Kündigungsschutz, keinen Kollektivvertrag und meistens auch keine Bezahlung.
Die Folgen dieser Haltung sind fatal: Eine „Generation Praktikum“ – vor allem im akademischen Bereich – wächst heran. Jahrgänge von jungen AkademikerInnen werden um ihre Arbeitsleistung und ihre Perspektiven betrogen; sie hanteln sich von einem Praktikum zum nächsten, immer in der Erwartung, dass den Praktika eine fixe Anstellung und anständige Bezahlung folgen werden – doch nur sehr wenige ArbeitgeberInnen erfüllen diese Erwartung.
Paradebeispiel
Als hätten sie alle Ungehörigkeiten, die mit dem geschilderten System der Praktika verbunden sind bündeln wollen, konzipierte die „Junge ÖVP“ (JVP) die Kampagne „Bist du Österreichs Superpraktikant?“ (www.superpraktikant.at, ohne Werbung dafür machen zu wollen). Einem harten Konkurrenzkampf um die Praktikums-Stelle (Internet-Voting und Jury-Entscheid) folgt dann eben dieses Praktikum (eine Woche an der Seite von Josef Pröll) und anschließend gibt’s eine Belohnung (Schi-Urlaub). Außerdem wird während des Praktikums für Kost und Logis gesorgt. Was hier ganz nett klingt, gab es schon in bäuerlichen Strukturen bis nahezu Mitte des vorigen Jahrhunderts, nur waren die Begrifflichkeiten treffender: Statt „PraktikantIn“ sagte mensch „Magd“ oder „Knecht“.
Nun nähern wir uns des Pudels Kern: Das ÖVP-Praktikum bietet während der Dauer des Praktikums Basisversorgung in Naturalien. Entfaltungsmöglichkeiten abseits des Praktikums: Fehlanzeige. Chancen nach dem Praktikum: Nicht besser als vorher. Lohn: Ätsch!
Abhilfe
All jene, die diese Perspektive reizt, mögen die Zeitung nun beiseite legen und sich bewerben. Die anderen werden daran interessiert sein, welche Auswege aus dieser Situation möglich wären. Die Antwort ist einfach: Es müssen für Praktika jene Mechanismen greifen, mit denen versucht wird eben diese zu umgehen. Will heißen, PraktikantInnen muss der gleiche Schutz zuteil werden, wie anderen ArbeitnehmerInnen auch. Das bedeutet Kündigungsschutz, Sozialversicherung und Entlohnung auf Basis von Kollektivverträgen. Dass dies möglich sein kann, wurde in Österreich in den letzten Jahren unter Beweis gestellt, als atypische Beschäftigungsverhältnisse in die Sozialversicherung aufgenommen wurden. Dass muss endlich auch bei Praktika so sein.
Schlussfolgerung
Praktika bedeuten in vielen oder gar den meisten Fällen die ungenierte Ausbeutung des Elans und der Arbeitskraft junger Menschen. Diesem Phänomen muss seriös und fundiert begegnet werden – erfolgreich umgesetzte Lösungsansätze in ähnlichen Belangen gibt es bereits. Und den FunktionärInnen der schwarzen Jugendorganisationen sei ins Stammbuch geschrieben: Hört auf, eure Phantasielosigkeit hinter zynischen Dummheiten zu verstecken – sonst endet ihr noch an der Spitze der Volkspartei!
Christian Rechberger

