Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Nebenjob gesucht

Wer kennt sie nicht - die Callcenterjobs und Promotionangebote? Langweilige Arbeiten zu unsicherer Vergütung werden von StudentInnen verrichtet, weil sie schlicht und einfach keine andere Wahl haben.

Dass auf StudentInnen-Konten keine Vermögen liegen, ist allgemein bekannt. Für die überwiegende Mehrheit der Studierenden aber reicht die finanzielle Unterstützung durch Eltern und/oder Beihilfen  nicht aus. Um die eigene Existenz zu sichern bleibt in einem kapitalistischen System dann nur der Schritt zur Erwerbsarbeit. Wie sehr es für StudentInnen zur Normalität geworden ist ihre Arbeitskraft zu verkaufen, zeigt die Studierenden Sozialerhebung 2006: Nur 16 % sind in keiner Form erwerbstätig. Dabei verteilt sich der finanzielle Druck, der zum Arbeiten zwingt, entlang den Bruchlinien von sozialer Selektion.

Reiche Eltern?

Das differenzierte österreichische Schulsystem gewährleistet, dass in erster Linie Kinder aus AkademikerInnenfamilien zu studieren beginnen. Für die relativ kleine Zahl an StudentInnen aus sozial schwächeren Schichten gestaltet sich das Studium nicht einfach. Eigentlich soll das Studienförderungssystem die unterschiedlichen ökonomischen Ausgangssituationen der Eltern ausgleichen. Die Realität sieht aber anders aus. Die Studienbeihilfe bekommen bei weitem nicht alle, die sie benötigen würden. Und selbst bei vollem Bezug reicht sie zu einem Studium ohne finanzielle Sorgenfalten nicht aus. Daraus folgt der Umstand, dass Studierende aus schwächeren sozialen Schichten häufiger und in höherem Ausmaß berufstätig sind. Davon sind Frauen in besonderem Maße betroffen.

Erwerbsarbeit hat Nebenwirkungen. Sie frisst Zeit und Energie, die sonst zum Studieren zur Verfügung steht. Über die Hälfte der StudentInnen fühlen sich dadurch am Studium gehindert. Die Studierenden Sozialerhebung belegt diesen Umstand auch durch die Zeitaufteilung. Je mehr Stunden pro Woche gearbeitet werden, desto weniger Zeit bleibt für das Studium. Das kann schließlich zur Folge haben, dass Leistungsnachweise nicht erbracht werden können und Beihilfen verloren gehen, womit sich der finanzielle Druck weiter erhöht und ein Teufelskreis in Gang gesetzt wird, der oft mit dem Studienabbruch sein bitteres Ende findet.

Fixanstellung?

Nebenjob ist nicht gleich Nebenjob. Zwischen der unbefristeten Teilzeitanstellung und dem einmaligen Gelegenheitsjob auf Werkvertragsbasis liegen Welten. Typischerweise aber arbeiten

StudentInnen in sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Was auf den ersten Blick als flexibler und somit studiumsgerechter Job daher kommt, erweist sich oft als soziale Mausefalle, die spätestens dann zuschnappt, wenn arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen wichtig werden. Denn diese kommen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen nicht zu tragen. Damit fehlen die Arbeitszeit- und Überstundenregelungen und der Anspruch auf Mindestlohn und Überstundenzuschlag sowie auf bezahlten Urlaub oder Krankenstand. In der Praxis bedeutet das, dass wer krank ist oder sich „frei nimmt“, die Fehlzeit entweder einarbeiten muss oder nicht bezahlt wird.

Grundstipendium?

Trotz der vielen unterschiedlichen Facetten von Erwerbsarbeit neben dem Studium ist der Grund für diese Misere eindeutig: Das derzeitige System der Studienfinanzierung funktioniert nicht! Deshalb fordert der VSStÖ ein Grundstipendium: Der Kern dieses Konzepts sind 770 Euro monatlich für alle StudentInnen. (Details findest du unter www.grundstipendium.at.) Der Zwang zum Nebenjob wäre damit beseitigt. Erwerbstätigkeit für StudentInnen ist weiterhin möglich, wenn auch in anderem Ausmaß und Qualität. Denn wenn der finanzielle Druck eine untergeordnete Rolle spielt, müssen Studierende keine Callcenterjobs mit einem Verdienst von unsicheren sechs Euro pro Stunde annehmen.

Was bei der Diskussion rund um Arbeit von StudentInnen nur allzu gerne vergessen wird, ist die Tatsache, dass das Studium ein Maß an Zeit und Energie erfordert, das mit einer 40-Stunden-Woche vergleichbar ist. Studieren ist ein Vollzeitjob, dessen uneingeschränkte Ausübung auch möglich sein muss!

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