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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Wie wär's mit...
Ein Theater-Tipp, ein CD-Tipp, ein Buch-Tipp und ein Film-Tipp. - Für die eher regnerischen Tage des Sommers!
... Theater?
Am Volkstheater läuft derzeit eine Inszenierung von Friedrich Dürrenmatts Klassiker „Der Besuch der alten Dame“.
Die Handlung: In der heruntergekommenen, vor dem Ruin stehenden Kleinstadt Güllen herrscht Arbeitslosigkeit und Depression, als sich Claire Zachanassian, eine Milliardärin und ehemalige Bewohnerin der Stadt, zum Besuch ankündigt. Die BürgerInnen erhoffen sich von ihr eine Finanzspritze, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln – und sie erklärt sich tatsächlich bereit eine Milliarde zu spenden. Geknüpft an eine Bedingung: Ihr ehemaliger Geliebter Alfred Ill, der sie verlassen hat, als sie hochschwanger war, soll umgebracht werden. Weist der Bürgermeister das Angebot anfangs noch zurück, machen die EinwohnerInnen immer mehr Schulden. Die Stimmung kippt immer mehr, bis die Ermordung Ills die einzig logische Konsequenz zu sein scheint...
Die Inszenierung unter der Regie von Alexander Kubelka bleibt nahe am Originaltext, das monumentale Bühnenbild aus weißen Wänden (Paul Lerchbaumer) unterstützt die Handlung. Die SchauspielerInnen liefern zum Großteil handwerklich solide, aber nicht besonders aufregende Leistungen ab - herausragende Ausnahme ist Vera Borek als Claire Zachanassian, die die Eiseskälte und Unnahbarkeit der Figur exakt auf den Punkt bringt.
...Musik?
„Bis einer heult!!!“ heißt das neue Album von Grossstadtgeflüster.
Bekannt sind die drei BerlinerInnen vor allem durch tanzbare Verweigerung („Ich muss gar nix, außer schlafen, trinken, atmen und ficken...“). Die Musik von Grossstadtgeflüster ist ziemlich Pop, ziemlich elektronisch und auf jeden Fall laut und tanzbar. Die Steigerungsstufe kann mensch bei Live-Auftritten erleben, wo der Funke von der Bühne das Publikum zum Kochen bringt.
Grossstadtgeflüster besteht aus der Sängerin Jen Bender, dem Bassmonster Raphael Schalz und dem Schlagzeuger Chriz Falk. Das neue Album knüpft dort an wo die erste LP „Muss laut sein“ aufgehört hat - und ist doch volkommen anders - eine nicht ganz so lineare Weiterentwicklung.
Die insgesamt 16 Titel bieten eine recht breite Bandbreite, sodass einige Lieder hervorstechen und andere vielleicht nicht bei jeder/jedem Anklang findet. Trotzdem freuen sich Ohren über interessante Wortspiele und eingängige Melodien, dazu lassen mitreißende Beats Füße tanzen. Und falls sie musikalisch nicht so erfolgreich werden sollten wie sie es verdient haben, können sie immer noch in die T-Shirt-Branche einsteigen (siehe Homepage: www.gsgf.de)
... einem Film?
„Close to Home – Karov la bayit“ zeigt zwei Frauen während ihres Militärdienstes in Israel, im Spannungsfeld zwischen Teenager sein und die Welt retten.
Filme über Krieg, Militär und Terror werden so gut wie immer von Männern über Männer gedreht. In Israel besteht allerdings seit je her auch eine Wehrpflicht für Frauen. Vidi Bilu und Dalia Hager leisten mit „Karov la bayit“ einen Beitrag zu diesem neuen Blickwinkel. Zu sehen ist die Geschichte von Smadar und Mirit, zweier junger Soldatinnen während ihres Dienstes bei den Patrouille-Kräften in Jerusalem, wo auch Vidi Bilu selbst gedient hat.
Es ist kein Kriegsfilm im klassischen Sinn. Im Zentrum steht das Erwachsenwerden zweier Jugendlicher mitten im Israel-Palestina Konflikt. Ein Konflikt der für uns ein globalpolitisches Problem darstellt, für die Beiden ist es jedoch eine Lebensrealität mit der sie tagtäglich auf einer höchst persönlichen Ebene konfrontiert werden. Der kritische Blick auf den Mythos der Israelischen Armee scheint geglückt, vielleicht auch gerade weil der Film es schafft nicht bereits Antworten vorzugeben.
... einem Buch?
A hard fight for we. Oder wie eine Studie einen über 300 Seiten mitreißen kann.
Leslie Schwalms Buch, A Hard Fight For We: Women‘s Transition from Slavery to Freedom in South Carolina (1997), ist eine Studie Afro-Amerikanischer Frauen auf Reisplantagen in dem South Carolina Low Country. Schwalm untersucht das Leben von Frauen während der Sklaverei, in der Zeit der Dekonstruktion der Sklaverei, dem Civil War und in der Zeit der neu gewonnen „Freiheit“.
Sie legt besonderen Augenmerk auf die unterschiedlichen Wertungen und Erfahrungen, die durch die Kategorien race und gender gemacht wurden und zeigt die Verbindung von Rassismus und Sexismus sowie die gegenseitige Bedingung der beiden. Leslie Schwalm arbeitet vor allem mit Oral History (Interviews), die in den USA in den 1930er Jahren als Teil eines Sozialprojekts mit „former slaves“ geführt wurden. Außerdem verwendet sie statistische Angaben sowohl von staatlicher Seite als auch Zählungen oder Auflistungen der SklavinnenhalterInnen. Diese betrachtet sie mit der nötigen Distanz und skizziert ein mögliches Bild der Arbeit und Erfahrung von Sklavinnen, sowie deren Kampf um die Gewinnung selbstdefinierter Freiheit und deren Erhaltung nach der Abschaffung der Sklaverei.

