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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Who watches the WatchMen?
Der zumindest unter KennerInnen populäre Comic Watchmen ist verfilmt worden – und wir haben einen kritischen Blick darauf geworfen.
Normalerweise würde am Anfang dieser Rezension ein kurzer Abriss über die Rezeption der Vorlage zum Film stehen. Dann eine Zusammenfassung der Handlung, ein Blick auf verschiedene Aspekte der Geschichte, vor allem auch auf die politischen Aussagen, die getätigt werden. Die atomare Bedrohung, die eine große Rolle im Buch wie auch im Film spielt, würde historisch in Zusammenhang gestellt werden. Wir sparen uns das und unterziehen den Film Watchmen stattdessen dem Bechdel-Test.
Zuviel verlangt?
Der Bechdel-Test (unter anderem auch unter den Bezeichnungen Bechdel/Wallace Test oder Mo‘s Movie Measure bekannt) wurde erstmals in einer Folge des Comics „Dykes to Watch Out For“ der Zeichnerin Alison Bechdel. Eine der Protagonistinnen erzählt darin, dass sie nur Filme ansieht, die drei Kriterien erfüllen:
- Es kommen mindestens zwei Frauen vor (in einer späteren Variante kam das Kriterien dazu, dass die Frauen Namen haben müssen), die
- miteinander reden, und zwar
- über etwas anderes als Männer.
Klingt nicht besonders aufregend. Wenn mensch aber darauf achtet, rasseln die eigenen Lieblingsfilme (und die meisten anderen ebenso) einer nach dem anderen durch den Test. Im folgenden einige neuere Beispiel: Oscar-Gewinner Slumdog Millionaire? Hat eigentlich nur eine Frau, die eine wesentliche Rolle spielt. Götz Spielmanns Revanche, die zweite Auslandsoscar-Nominierung aus Österreich in Folge? Es gibt zwei Frauen. Die Eine betritt die Bildfläche allerdings erst, als die Andere bereits gestorben ist. Auch keine gute Basis für ein Gespräch. Ratatouille? Erfüllt kein einziges Kriterium – eine einsame Köchin auf weiter Flur.
Das verblüffende am Bechdel-Test: Die Kriterien klingen selbstverständlich. Niemand würde einen Film, der sie erfüllt, als feministisch bezeichnen. Trotzdem kommt das selten vor. Grund genug, die Watchmen einmal unter diesen Gesichtspunkten zu beobachten.
Wächterinnen
Um es vorweg zu nehmen: Es gibt in Watchmen zwei Frauen, die wesentliche Rollen für die Handlung spielen – Laurie Juspeczyk und ihre Mutter, Saly Jupiter. Sie sprechen miteinander. Allerdings beziehen sie sich dabei immer auf Männer. Auch Watchmen fällt somit glatt durch den Test. Dabei muss gesagt werden: Dieser Test sagt nichts über die inhaltliche Ausrichtung eines Films aus. Wie sollte er auch? Die Kriterien sind bewusst strukturell gewählt.
Watchmen thematisiert durchaus Fragen, die dem Themenfeld Feminismus oder Gleichberechtigung zugeordnet werden können, wie beispielsweise sexuellen Missbauch oder – im Film am Rande, im Comic etwas deutlicher – Homosexualität. Auch die Reduktion von Frauen zu reinen Sexualobjekten ist Thema, wenn auch erneut im Comic stärker als im Film.
Beim Bechdel-Test geht es aber um etwas anderes. Er legt nicht zufällig keine inhaltlichen, sondern strukturelle Kriterien fest. Denn es geht um die strukturelle Position von Frauen. Wenn Frauen miteinander reden, ohne sich auf Männer zu beziehen, bedeutet das: Es geht um Frauen. Es geht um die Wünsche, die Ziele und die Meinung von Frauen. Einen Schritt weiter gedacht: Dialoge in Filmen dienen immer dazu, die Handlung voranzubringen, der Geschichte etwas hinzuzufügen. Wenn Frauen mit Frauen reden, bestimmen sie also die Handlung und die Geschichte. Das Muster, dass Filme – so wie Medien im Allgemeinen – von Männern gestaltet werden und aus einem männlichen Blickwinkel erzählen, wird durchbrochen.
Struktur und Inhalt
Frauen brauchen Raum. Im täglichen Leben genau so wie im Film, im Theater, in der Literatur und in den Medien. Es ist ein erster Schritt, wenn Themen angesprochen werden, die Frauen betreffen – so lange das aber immer noch aus einer männlichen Perspektive passiert, ist nicht viel gewonnen. Der Bechdel-Test ist ein einfaches und nachvollziehbares Mittel, um aufzuzeigen, wie stark männlich dominiert die Filmindustrie immer noch ist. Und er verändert den Blick auf Filme nachhaltig.

