Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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von großen Brüdern und Reality TV

Dreizehn Menschen. Ein Container. Unzählige Kameras. Wie „Big Brother“ das Fernsehen und unsere Sehgewohnheitenbeeinflusst und sich dadurch unsere Sicht auf Überwachung ändert.

Als „Big Brother“ 2000 erstmals inDeutschland ausgestrahlt wurde, tratdie Sendung einige Kontroversen los: FreundInnenkreiseteilten sich in SeherInnen und GegnerInnen,Diskussionen über die Relevanz („Wer willdas überhaupt sehen?“) wurden geführt. Interessantdabei die Namensgebung: Mit einer Selbstironie,die von einem Großteil des Publikums unbemerktblieb, bedienten sich die MacherInnen beiGeorge Orwells Roman „1984“, in dem eine totalitäreGesellschaft mit lückenloser Überwachungbeschrieben wird. „Big Brother“ ist in Orwells Romandie Entität, die BürgerInnen ständig beobachtet.Keine besonders positive Assoziation für einniederschwelliges TV-Format, das ausschließlichunterhalten soll – was der Popularität der Sendungkeinen Abbruch tat.

...und die Folgen

„Big Brother“ und die Folgestaffeln trugenwesentlich zur Akzeptanz von Reality TV bei. DasVersprechen, das solche Sendungen geben, nämlichdie Wirklichkeit zu zeigen, können sie selbstverständlichnicht einlösen. Jedes Medium verfremdetdie Informationen, die es wiedergibt – obFernsehen, Internet oder Bücher, um nur ein paarBeispiele zu nennen. Das eigentlich problematischeist der Eindruck, der entsteht: Während bei Spielfilmenoder Serien klar ist, dass es sich um Fiktionhandelt, wird dieser Eindruck bei Formaten wie„Big Brother“ oder „Taxi Orange“ verwischt. Dadurchfällt ein Großteil der Distanz weg, die ZuschauerInnennormalerweise zu gezeigten Inhaltenhaben, was dazu führt, dass das Gezeigte kaum kritisch hinterfragt wird – aber auch Reality TV hat eine bestimmte Dramaturgie, einen grob festgelegten Ablauf und einen Zweck. Ein weiterer Effekt: Überwachung an sich wird gesellschaftsfähig. Damit ist nicht gemeint, dass „Big Brother“ den Überwachungsstaat propagiert – das wäre zu hoch gegriffen. Allerdings zeigt allein die Tatsache, dass es durch die Sendung und sämtliche Nachfolgeformate normal geworden ist, in solchen Formaten die eigene Privatsphäre komplett aufzugeben und das von den ZuseherInnen unhinterfragt akzeptiert wird, dass „Big Brother“ und Konsorten kritisch betrachtet und mit Vorsicht genossen werden müssen.

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