Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Sven Regener Lesung

Das dritte Buch der Herr-Lehmann-Trilogie „Der kleine Bruder“ begeisterte und erheiterte mit einem jungen Frank Lehmann die BesucherInnen des Rabenhoftheaters ordentlich!

„Nach der Vorstellung werde ich keine Bücher signieren – ich sag das gleich. Wer das jetzt blöd findet, soll doch laut buhh rufen!“
Ein Schall lauter buhh’s hallte durch den Saal.
„Nunja, ich hab ja schon immer gewusst, dass die WienerInnen ein aggressives Publikum sind.“
Diesmal erklang herzhaftes Lachen im Rabenhoftheater. Damit hatte Sven Regener das Publikum auf seiner Seite!

Langweilig. Zum Einschlafen. Alte Typen vor, die aus noch älteren Büchern vorlesen. – Das sind vielleicht die üblichen Assoziationen zu dem Wort Lesung. Dass diese aber auch von charmanter Art sein können, bewies Sven Regener.
Der Autor schaffte es, alle seine Figuren herrlich vorzutragen. Als BesucherIn fühlte mensch sich richtiggehend in das Lehmann`sche Berlin versetzt und der mittelgroße Saal im Rabenhoftheater lebte auf. Bei den scharfsinnigen und witzigen Episoden, die der Autor von sich gab, wurde gelacht und getobt!
Mitreißend und mit gewaltigen Gestikulationen ließ er im letzten Buch der Trilogie Herrn Lehmann zu Wort kommen. „Der kleine Bruder“ ist der zweite Teil nach „Neue Vahr Süd“, in dem Frank Lehmann sich auf die Suche nach seinem Bruder begibt. Frank kommt in Berlin an und baut sich eine Existenz auf, die er neun Jahre später dann als Herr Lehmann lebt. Frank ist anders, als wir ihn von „Herr Lehmann“ kennen, der 21-Jährige ist jedoch genauso herrlich sympathisch und eigenwillig.

Packend steigerte sich der durch seine Band „Element of Crime“ bekannt gewordene Autor ins Kapitel, in dem Herr Lehmann während eines Punkkonzerts Bier verkauft. Mensch muss wissen, dass dies durchaus keine leichte Aufgabe ist. Doch der sympathische Titelheld fühlt sich dabei pudelwohl und würde diese Beschäftigung am liebsten immer tun.
„Eine Dose Bier für zwei Mark, das kann nicht schwer sein, das kann jeder Depp, dachte Frank zunächst, aber noch bevor er das richtig zu Ende gedacht hatte, drängelten sich ganz schnell ganz viele Leute vor seinem Tisch und wollten Bier, gerade hatten sie noch etwas Abstand gehalten und Frank und Karl und Klaus und sein blutiges Drama begafft, doch kaum hatte sich die Menge hinter dem klausschleppenden Karl wieder geschlossen, brandete sie, so schien es Frank jedenfalls in seiner überreizten Wahrnehmung, auch schon bierverlangend gegen seinen Tisch an, und Wechselgeld, fiel ihm in dem Moment ein, in dem die ersten Leute ihm Zehnmarkscheine entgegenhielten, hatte er auch nicht, und an der angebrochenen Palette auf dem Tisch begannen die ersten Leute herumzuzerren, man versuchte, ganz wie Karl es vorhergesehen hatte, ihn bzw. Klaus oder wen auch immer zu beklauen, also ging Frank erst einmal daran, sich Respekt zu verschaffen, das geht nicht ohne Gewalt, dachte er und haute mit einer Bierdose einem Kerl, der an der Plastikhülle seiner Dosenbierpalette herumzupfte, ordentlich was auf die Finger.“

Sven Regeners lange Sätze haben es in sich, doch machen sie beim selbstlesen, wie auch bei der Lesung von Regener Lust auf mehr.
Auch die Szene, bei der Karl, Herr Lehmann und Chrissie in einem griechischen Lokal speisen, entzückte das Publikum.
„Können wir schon mal den Ouzo haben“? sagte Karl. „Welchen Ouzo?“ sagte der Mann. „Den Ouzo, den es immer am Ende gibt, den Umsonst-Ouzo, können wir den jetzt schon mal haben?“. „Ouzo umsonst gibt es nur am Ende“, sagte der Mann. „Sonst ergibt das keinen Sinn, das hatten wir doch schon mal.“ „Aber und ob das Sinn macht. Wie soll man so was essen, wenn man vorher keinen Ouzo trinkt?“ „Willst du Ouzo? Kein Problem.“ „Klar, drei Ouzos. Aber die Umsonst-Ouzos.“ „Bist du Student oder was?“ „Nein, okay, dann einfach drei Ouzos!“
Nach der Vorstellung pilgerte sicher die Hälfte der anwesenden Menschen zu einem griechischen Lokal auf einen Ouzo und Mussaka.

Die Lehmann-Trilogie ist mit dem dritten Teil „Der kleine Bruder“ abgeschlossen. Der erste Teil wurde von Leander Haußmann bereits verfilmt, was auch dem aktuellen Buch bevorstehen könnte, denn Regener meinte in einem Interview bei der Frankfurter Buchmesse: „Bei der Kleine Bruder bin ich mir ziemlich sicher das es wieder zu einer Verfilmung kommt. Das ist ein Buch, das man gut verfilmen kann, Neue Vahr Süd ist zu komplex, zu umfangreich. Doch der kleine Bruder wäre ideal.“
Vorerst bleibt uns nichts anderes übrig als Herrn Lehmann Adieu zu sagen. Wir hoffen aber auf ein Wiedersehen - wenn nicht in Buchform, dann zumindest auf der Leinwand.

Herr Lehmann, 2001 (2003 Verfilmung von Leander Haußmann)
Neue Vahr Süd, 2004
Der kleine Bruder, 2008

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