Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Ein Theater ist keine Fabrik

Theaterstücke werden oft als reine Unterhaltung gesehen, die für kurze Zeit Zerstreuung bietet. Das auch der Kulturbetrieb wie jeder andere Wirtschaftsbereich von neoliberalen Tendenzen und Kommerzialisierung betroffen ist, wird oft außer Acht gelassen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Alles anders

Theater ist anders. Das gilt für die künstlerische Ebene genauso wie für den wirtschaftlichen Aspekt; der Theaterbetrieb wurde immer schon zu einem großen Teil durch staatliche Förderungen finanziert. Kunst im Allgemeinen und Theater im Besonderen ist keine Dienstleistung im klassischen Sinn, sondern eine Kulturleistung, für die sich eine Gesellschaft bewusst entscheidet. Die gesellschaftliche Funktion von Kunst lässt sich nicht durch eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung beschreiben. Die Effekte, die beispielsweise eine lebendige Theaterszene auf die Entwicklung einer Stadt hat, sind so vielfältig und verzweigt, dass sie sich einem direkten Nachweis entziehen. Nichtsdestotrotz sind sie vorhanden. Förderungen für Theaterbühnen von ihrem wirtschaftlichen Erfolg abhängig zu machen, wie in letzter Zeit immer öfter gefordert wird, steht der Intention dieser Förderungen diametral entgegen. Gerade Kulturschaffende, die Stücke und Projekte verwirklichen, die sich abseits des gesellschaftlich akzeptierten und kommerziell erfolgreichen Mainstreams bewegen, sollten durch eine Unterstützung seitens des Staates die Möglichkeit gegeben werden, weiter tätig sein zu können, ohne dabei um ihre Existenz fürchten zu müssen.

Alles gleich

Doch in den letzten Jahren werden immer öfter Stimmen laut, die von Theatern eine höhere Eigenleistung fordern, d.h. eine höhere Finanzierung durch Sponsoring und Einnahmen durch Kartenverkäufe.  Wie in allen Wirtschaftsbereichen werden auch hier Einsparungen und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung gefordert. Wie absurd diese Überlegungen sind, wird deutlich, wenn wir uns den Zweck von Kunst ins Gedächtnis rufen: Das Publikum zu berühren. Es zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken zu bringen. Diese Wirkung kann nicht einfach hergestellt werden wie ein Stuhl oder ein Auto, es gibt kein Patentrezept, keinen erprobten, allgemein gültigen Weg zu einer guten Aufführung. Fehler und Irrtümer während der Erarbeitung eines Stückes lassen sich nicht vermeiden. Mehr noch: Sie gehören zum Prozess und tragen genau so zum Endergebnis bei wie die Erfolge während der Proben.

Das bedeutet nicht, dass den verschiedenen Theatern Unmengen an Geld ohne Kontroll- oder Berichtspflicht anvertraut werden soll. In der Diskussion um Kulturförderungen müssen jedoch unbedingt die Besonderheiten des Theaters berücksichtigt werden, da eine rein wirtschaftliche Betrachtungsweise – wie so oft – dem Thema nicht gerecht werden kann.

Das Ende der Gießkanne

Ein Beispiel für eine Änderung, die insbesondere freie Gruppen (Theatergruppen ohne festen Spielort) massiv benachteiligt, ist die Wiener Theaterreform, die 2003 als Leitbild für die Subventionen der Stadt Wien beschlossen wurde. Die Reform markiert das Abgehen vom sogenannten Gießkannenprinzip: Das Verteilen von Förderungen an möglichst viele EmpfängerInnen, wodurch eine breite Vielfalt an Projekten Unterstützung erhält, deren Höhe allerdings geringer ist als bei der Förderung von einigen wenigen Projekten.

Das neue Modell sieht vor, dass tendenziell weniger Projekte gefördert werden, die dafür größere Summen erhalten. Der Wegfall von Subventionen für kleine Kulturprojekte soll dadurch ausgeglichen werden, dass Theater, die z.B. Konzeptförderung (wird für die Dauer von vier Jahren vergeben und ist nicht an ein bestimmtes Projekt gebunden) erhalten, freien Theatergruppen Auftrittsmöglichkeiten bieten. Ein Konzept, dass sich theoretisch fundiert anhört, in der Praxis jedoch kaum umgesetzt wird. Bekamen kleinere Theaterprojekte bis dahin wenigstens eine geringe Unterstützung, bleibt diese mittlerweile unter Umständen völlig aus. Dadurch werden gerade innovative, experimentelle Projekte benachteiligt – obwohl für deren Realisierung wesentlich weniger Geld von Nöten wäre als für Produktionen an großen Häusern wie dem Volkstheater.

Doch um eine Theaterlandschaft zu ermöglichen, in der auch unkonventionelle, schrille, schräge Töne Platz haben, braucht es eine Vergaberegelung, die freie Theaterschaffende besonders berücksichtigt, anstatt sie auszuhungern; es kommt zudem nicht selten vor, dass gerade solche Projekte wichtige Impulse für die großen, etablierten Theater liefern und damit ermöglichen, dass diese sich weiterentwickeln und nicht im ewig gleichen Trott steckenbleiben.

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