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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Hinsehen und helfen statt weggehen und warten
Am 25. November 1960 wurden drei Frauen, Patria, Minerva und Maria, Mitglieder der Familie Mirabel, in der Dominikanischen Republik nach monatelanger Folter ermordet...
Zusammen mit ihren Ehemännern kämpften sie in der Gruppe Agrupación política 14 de junio (Bewegung des 14. Junis) gegen den Diktator Rafael Trujillo und planten dessen Sturz. Durch ihr Scheitern wurden viele Mitglieder der Familie inhaftiert. Die drei Frauen wurden am 25. November bei ihrer Heimreise nach einem Gefängnisbesuch ihrer Männer samt Chauffeur brutal erdrosselt. Sie wurden durch das, was ihnen angetan wurde, zum Symbol für die Gewalt gegen Frauen.
1981 wurde der Tag der Ermordung der Schwestern von lateinamerikanischen und karibischen Feministinnen zum Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen ausgerufen. Ganze 18 Jahre später, im Jahr 1999, wurde der 25 November von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen ins Leben gerufen.
In der Gegenwartsgesellschaft, in der wir aufwachsen, arbeiten, leben und die uns durch ihre Institutionen, Strukturen und AkteurInnen beeinflusst, herrscht ein Grundkonsens, dass Gewalt gegen Frauen kein Thema mehr ist - doch die Realität sieht anders aus. Gewalt an Frauen findet statt. Jeden Tag - in den verschiedensten Formen, manchmal offensichtlicher, manchmal sind die Wunden aber nicht mit dem bloßen Auge erkennbar. Dabei wird Gewalt gegen Frauen nicht nur in Ländern verübt, die so weit weg sind, dass wir unsere Augen vor der dort vorkommenden Ungerechtigkeiten schließen könnten und uns nicht mit dem Leid anderer beschäftigen müssten. Nein. Gewalt an Frauen hatunmittelbar um uns herum ihren Entfaltungsraum und - führt man sich publizierte Zahlen vor Augen - vergeht kein Tag, an dem keine Frau in Österreich Opfer der Aggressionen ihres Umfeldes wird.
Nach wie vor werden Mädchen beschnitten - ein Zugriff auf den weiblichen Körper, bei dem viele sterben, weil ihnen Teile des Geschlechtsorgans (unter ästhetischen, machtpolitischen, religiösen oder hygienischen Vorwänden) weggeschnitten/-gebrannt/-geätzt werden. Auch sogenannte „Ehrenmorde“ werden verübt, aufgrund von ausbleibender „Keuschheit“ der zukünftigen Braut oder einer Familienangehörigen.
Doch nicht immer sind die Spuren augenscheinlich erkennbar: Die Ohrfeige des Partners, das Festhalten eines Oberarms, ein Stoß gegen die Wand, Drohungen, Stalking... all jene Taten sind Taten, die sich gegen Frauen richten und die jedoch oft verheimlicht und deren Wunden verborgen werden.
Vor diesen Geschehnissen dürfen wir die Augen nicht verschließen. Dass Frauen leiden, gedemütigt, sexuell missbraucht und ermordet werden darf einfach kein Teil unseres Alltags sein! Es ist 2009 und wir Frauen müssen immer noch für unsere Rechte, für Menschenrechte kämpfen, die doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Verharmlosung und Gleichgültigkeit legitimieren dabei jene Gewaltakte und dagegen müssen wir kämpfen.
Gewalt gegen Frauen findet überall statt. Jeden Tag und jede Stunde, auch in Österreich. Jede fünfte Frau in Österreich ist laut Schätzungen einmal im Leben von Gewalt durch einen nahen Angehörigen betroffen, Tendenz steigend. Jedes Jahr werden 30 bis 40 Frauen in unserem Land ermordet, die meisten in Folge einer Trennung oder Scheidung, von ihren Ehemännern oder Expartnern. Oftmals sind auch Geldprobleme Anlass der häuslichen Gewalt.
Gewalt gegen Frauen ist eine Verletzung der Menschenrechte und findet viele Ausformungen: dazu zählen unter anderem sexuelle Belästigung und Einschüchterung am Arbeitsplatz, sexueller Missbrauch, Frauen- und Mädchenhandel, Zwangsprostitution, Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane, erzwungener Schwangerschaftsabbruch oder erzwungene Schwangerschaft, vorgeburtliche Geschlechtsselektion und Zwangssterilisation u.v.m.
Um für eben jene Taten Aufmerksamkeit zu erregen und somit gegen Wegsehen und Ignoranz anzukämpfen, finden jedes Jahr zum 25. 11. Aktionen der Frauen des VSStÖ Wien statt. In diesem Jahr wird an der Universität Wien eine Fotoaktion unter dem Titel „Gewalt an Frauen ist nicht immer sichtbar“ gestartet, an denen du dich in der Woche vom 23. bis 27. November beteiligen kannst.
Wenn du dich näher informieren möchtest, stehen wir dir mit Broschüren zum Thema und mit Infomaterialien von den Autonomen Frauenhäusern zur Verfügung. Unterstütze auch du den Kampf gegen die Gewalt und Demütigung an Frauen und verschließe nicht die Augen vor der harten Realität!
weitere Infos:
www.aoef.at

