Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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"An alle Wähler und Wählerinnen!"

90 Jahre Frauenwahlrecht – ein historischer Rückblick, der uns mitten in die Gegenwart führt.

„Die Frauen dürfen so wenig auf die Hilfe der Männer warten, wie die Arbeiter auf die Hilfe der Bourgeoisie“ – besonders im Kampf um politische Mitbestimmung sollte sich diese Warnung von August Bebel bewahrheiten. Im Jänner 1907 wurde in Österreich das allgemeine Wahlrecht für Männer eingeführt. Die Frauen blieben unberücksichtigt. Erst die politischen Umwälzungen mit dem Ende der Monarchie und des Ersten Weltkriegs schufen neue Voraussetzungen für die Einführung des Frauenwahlrechts. Am 12. November 1918 wurde dann das passive und aktive Wahlrecht für alle StaatsbürgerInnen „ohne Unterschied des Geschlechts“ durchgebracht.

Frauen wählen?

Die Parteien standen nun einer neuen, unbekannten WählerInnenmasse gegenüber, die mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten stellte. Sie befürchteten einen Wahlsieg der jeweiligen GegnerInnen als Folge. Daher wurde auch die Forderung nach einer Wahlpflicht laut, um „unpolitische Frauen“ zur Wahl zu zwingen. Kritik kam von sozialdemokratischer Seite. Schließlich wurde die Wahlpflicht in Kärnten, Tirol und Vorarlberg durchgesetzt - und erst 1993 ganz abgeschafft.
Während in diesem Wahlkampf klassenkämpferische Themen im Vordergrund standen, reduzierten sich die Wahlkampfthemen für Frauen fast zur Gänze auf die Familie und die Zukunft der Kinder. Die Christlichsoziale Partei propagierte die „leuchtende Stellung als Gattin, Hausfrau und Mutter“ – ein Bild, das bis in die Siebziger existierte. So wurden Frauen in der Privatheit festgehalten – geworben wurde um die Stimme, nicht darum, dass die Wählerin ihre Stimme erhebt.

Heute wie damals

Die Sozialdemokratische Partei erreichte 1919 die relative Mehrheit, dennoch stimmte ein großer Anteil der Frauen für die Christlichsoziale Partei und für bürgerliche Parteien. 90 Jahre später hat sich das Wahlverhalten kaum verändert: Laut Befragungen des Instituts SORA zur Wahl 2008 liegt die ÖVP mit 32% bei Frauen unter 30 an der Spitze, gefolgt von der FPÖ. Ein überraschendes Ergebnis, da die SPÖ in den letzten Jahren bei den jungen Frauen vorne lag. Bei Frauen über 30 liegt die SPÖ an der Spitze, gefolgt von der ÖVP. Auffällig ist in allen Altersgruppen das sehr gute Abschneiden der FPÖ.

Frauenpolitik

Das Plus an Wählerinnenstimmen stand in der ÖVP immer einem Minus an politischen Vertreterinnen gegenüber. 1985 wurde von der SPÖ erstmals eine Quotenregelung einer politischen Partei eingeführt. Kritik kam und kommt nach wie vor von der FPÖ – Leistung solle vor Quote kommen.
Bis zuletzt betrug der Frauenanteil im Nationalrat 31,69%. Somit sind wir auch 90 Jahre nach der Einführung des passiven Wahlrechts für Frauen nicht am Ziel angelangt – dem Ziel der politischen Gleichberechtigung.

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