Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Zerrbild der Emanzipation: Frauen in der Rechten

In den letzten Jahren ist die Zahl der Frauen sowie ihrer politischen Aktivitäten in der Rechten kontinuierlich gestiegen. Ihre Aufgaben sind meistens in der Basisarbeit, wobei die Gruppierungen ihr Image aufbessern wollen, indem sie Frauen in prominentere Positionen bringen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich in rechten Gruppen und Organisationen (Skinheads bzw. –girls, Burschen- bzw. Mädchenschaften, sowie Fraktionen und Parteien) in Abstufungen und je nach Radikalitätsgrad ein reaktionäres, rassistisches und pseudoemanzipatorisches Frauenbild feststellen lässt. Bei genauerem Hinsehen lässt sich aus den Argumentationslinien in Interviews, Programmen und Schriften ersehen, dass dieses Verständnis der Gleichwertigkeit nur innerhalb der eigenen Nationalität und Ethnie, sowie für heterosexuelle Beziehungsformen gilt. Über den Status der Frau lassen sich zwei Extrempositionen konstatieren, die je nach Organisation unterschiedliche Ausprägungen an Radikalität erfahren: die Ablehnung und die Befürwortung des Eintritts der Frauen in die Erwerbstätigkeit. Während ersteres klischeehafter für rechte und konservative Ideologien ist, tritt vor allem die letztere Position vermehrt in den Vordergrund, wie es beispielweise bei der FPÖ der Fall ist.

Scheinemanzipation ...

Die Ansichten einiger rechter Parteien wie der FPÖ weisen ein zwiespältiges Verhältnis zur Rolle der Frauen auf, welches aber im Kern konservativ ist. So werden Probleme sexueller Diskriminierung (Stichwort gläserne Decke) oder Überrepräsentanz von Frauen in schlechter bezahlten Berufen (u.a. Teilzeitjobs) auf ein sogenanntes „natürliches“ Geschlechterverhältnis zurückgeführt, welches sich – aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten von Frauen am Arbeitsmarkt – von selbst dahingehend wenden würde, dass Frauen immer gleichgestellter würden, wie folgendes Zitat belegt:

„Es herrscht Einigkeit, dass es zwischen Mann und Frau Gleichberechtigung geben muss. Für die gleiche Arbeit der gleiche Lohn!“

Dabei wird das Problem der Doppelbelastung von Frauen durch Familie und Beruf heruntergespielt. Da jedoch keine Lösung für die Doppelbelastung angeboten wird, wird das Problem den Frauen überlassen, wie sie sich gegenüber der männlichen Konkurrenz durchsetzen.

... am Beispiel des Ring Freiheitlicher Studenten [sic!] (RFS)

Wie in der Argumentation der FPÖ (hier weniger explizit) lässt sich auch in der Argumentation von Mitgliedern des RFS die Betonung der Erhaltung der Werte finden, wobei hierunter dezidiert die Mutterrolle verstanden wird, wie folgendes Zitat verdeutlicht:

„Sich radikal für Frauenquoten zugunsten geburtsverweigernder Karriere-Frauen einzusetzen, ist jedenfalls der falsche Weg.“

Der RFS betont dezidiert eine pronatalistische Haltung, um dem „Problem“ der Zuwanderung entgegenzuwirken. Im Sinne dieser Logik stellen Frauen die schwere Artillerie als Gebärmaschinen gegen das Anwachsen der MigrantInnen und Überalterung der Bevölkerung dar. Auch hier zeigt sich die rassistische Konstruktion der/des Fremden, die/der die heimische Kultur in ihrer Reinheit bedroht, sowie die Reduktion der Frau auf ihre biologische Funktionalität. In weiterer Folge wird im Zuge einer geschlechtsspezifischen Rollenzuweisung das Verhältnis Mann-Frau naturalisiert:

„Es gibt Berufsarten, die der männlichen oder weiblichen körperlichen wie geistigen Spezifikation eher entsprechen und deshalb auch mehrheitlich von den jeweiligen Geschlechtern ausgeübt werden.“

In der weiteren Argumentation wird daher den Frauen dezidiert die Rolle der Kindererziehung zugeschrieben, während sogenannte Frauenquoten in diese „natürliche“ Ordnung (eine idealistische Konstruktion) nicht eingreifen sollen. Daher fordert der RFS eine Vereinbarkeit von Beruf bzw. Studium und Mutterschaft. Auch hier zeigt sich der pseudoemanzipatorische Anspruch, insofern zwar Maßnahmen für das Muttersein und Familienförderungen (siehe Steuersplitting) vorgeschlagen, hingegen Hilfestellung für eine gleichberechtigte und antihierarchische Stellung der Frauen in einer nach wie vor patriarchal geprägten Wirtschaft abgelehnt werden.

Literatur

  • Antifaschistisches Frauennetzwerk/Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus (Hg.) (2005): Braune Schwestern? Feministische Analysen zu Frauen in der rechten Szene. Die Deutsche Bibliothek, Münster.
  • RFS (2007): Der Ring. Die Freiheitliche ­Studentenzeitung.Nummer 25, Sommersemester 2007

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