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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Von der Natürlichkeit der Ehe
Die Diskussion um ein "Homo-Ehe-Gesetz" hat nicht nur die Gemüter von ÖVP und SPÖ beschäftigt, sie bringt auch oft vergessene Fragen nach der Natürlichkeit sexueller Orientierung ins Spiel.
Seit dem Minister_innenrat am 16. November ist eines sicher: Ab 1. Jänner können sich Lesben und Schwule in einem Behördengang zwischen Reisepassverlängerung und Verluststelle als Lebenspartner_innen eintragen lassen. Streitpunkt war vor allem die Frage des Ortes, an dem diese Eintragung stattfinden soll: Die logische Variante, eine Eintragung am Standesamt, welches – wie der Name schon erahnen lässt – für den Personenstand zuständig ist, war der Mehrheit innerhalb der ÖVP zu radikal. Ähnlich verlief es mit den Forderungen nach Adoptionsrechten oder künstlicher Befruchtung – einzig auf der Ebene von pensionsrechtlichen Ansprüchen, Beistands- oder Unterhaltspflichten wurde über eine Regelung diskutiert.
Ein Gesetz zu beschließen, von dem im Vorhinein klar ist, dass damit Menschen benachteiligt werden, ist für eine Regierung mehr als peinlich und lässt Zernigs Ausspruch, es handle sich hier um ein "Homo-Demütigungsgesetz", wahr werden.
Wie wichtig ist Ehe?
Eine neuerliche gesamtgesellschaftliche Diskussion zur Wichtigkeit von Ehe oder der strukturellen Diskriminierung von nicht-heterosexuellen Menschen wird in den kommenden Jahrzehnten mit dem Argument einer "bereits existierenden Regelung“ im Keim erstickt werden.
Das krampfhafte Festhalten an der Einzigartigkeit und dem "Schutz der ehelichen Bindung zwischen Mann und Frau" ist für viele Menschen vollkommen unverständlich. Dabei liegt es in der Institution Ehe selbst. Ehe stellt die vertragliche Bindung einer heterosexuellen monogamen Zweier-Beziehung dar und wertet diese Form der Beziehung im Gegensatz zu offenen, polyamorösen, homosexuellen, pansexuellen, asexuellen, (...) Beziehungen innerhalb der Gesellschaft auf und bestimmt damit die zu lebende Norm. Verhalten abseits dieser Norm wird, ähnlich wie dem in Frage stellen tradierter Rollenbilder Unverständnis, Hass, Gewalt, Ekel aber vor allem der Vorwurf der "Unnatürlichkeit" entgegen gebracht.
Natürlich veränderbar
Das Argument der Natürlichkeit lässt Dinge als unveränderbar und jederzeit gültig erscheinen und entzieht sich damit einer ernsthaften Diskussion. Während einzementierte Geschlechterrollen in reflektierteren Umfeldern, aber auch der Universität, mittlerweile einer kritischen Analyse unterzogen werden, scheint eine auf Treue und Monogamie bauende Zweierbeziehung selten Thema emanzipatorischer Kritik zu sein. Im Fall der momentan am Tapet liegenden Gesetzesnovelle bleibt nur zu hoffen, dass Lesben und Schwule sich nicht beirren lassen und weder die Forderungen nach gesetzlicher Gleichstellung noch queere Kritik an heteronormativer Lebensweise gegen ein halbherziges und ziemlich missglücktes Regierungsprojekt tauschen.
Elena Barta

