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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
"Klar geht es um Nutzerdaten (sic!)"
Ein Gespenst geht um in Europa. Es ist das Gespenst des StudiVZ. Kaum jemand der/die noch nicht davon gehörthat. Eine billige Kopie der amerikanischen social-networking Seite „Facebook“ feiert in Europa einen Erfolg, der nur schwer nachzuvollziehen ist.
Ungefähr drei Millionen Menschenhaben sich bereits „immatrikuliert“und stehen in irgendeiner Verbindung zueinander. Eigentlich ja eine tolle Sache. Eine „internationale“ Plattform für Studierende umsich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Wo beginnen die Probleme? Was passiert mit drei Millionen Daten?
Gründungsväter
Ein Blick auf einen der Gründer des Verzeichnis´ sollte zu denken geben. Ehsan Dariani ließ sich die Internetseite www.völkischer-beobachter.de reservieren und lud mit einer „satirisch“ gestalteten Einladung zu seinem Geburtstag. Eine leicht veränderte Titelseitedes „Völkischen Beobachters“ teilte mit, dass „Europa standhaft und treu zum StudiVZsteht“. Im Original wurde zum 56. Geburtstag Adolf Hitlers ein Gebot zur Pflicht ausgerufen. Auf das Videoportal „YouTube“ stellte Dariani zwei Videos mit eindeutig sexistischen Inhalten. Es zeigte Frauen die Dariani in der UBahn oder auf der Toilette filmte. Im StudiVZgibt es Gruppen, die von UserInnen gegründet werden können und denen mensch beitreten kann. Auch unter diesen Gruppen findensich zahlreiche mit rechtsextremen und sexistischen Inhalten. Und hier kommen wir den Problemen schon näher.
Verkaufte Daten
Auf StudiVZ geben die Mitglieder Informationenüber sich preis. Vom Alter, der Studienrichtungbis zum „Liebesstatus“ ist miteinem Mausklick vieles erfahrbar. Es erstaunt wie viele Informationen viele Menschen preisgeben. Nicht nur persönliche Daten kann mensch leicht erfahren, sondern auch das „sozialeNetzwerk“ in dem sich Menschen bewegen lässt sich bequem per Mausklick überprüfen. Angezeigt wird wer welche Freunde an welcher Hochschule hat und wie diese zum Beispiel politisch ausgerichtet sind. Natürlich sind die persönlichen Seiten mit vielen bunten Fotos ausgestattet. Man kann Menschen auf Fotos „verlinken“ oder selbst ein Album erstellenin das man die letzten privaten Urlaubsfotos der Öffentlichkeit zugänglich macht. Alles kein Problem. Oder doch? Vor einem Jahr übernahm der Holzbrinck Verlag das StudiVZzu einem Kaufpreis, der laut Schätzungenzwischen 50 und 100 Millionen Euro lag. Eine Menge Geld für ein paar Daten. Für wen sind diese Daten so wertvoll?
genützte Daten
In den USA wurden Fälle bekannt in denenArbeitgeberInnen anhand Internetportale wie MySpace und Facebook überprüften ob die Angestellten im Krankenstand z.B. auf Partyfotos auftauchen. Auch bei Vorstellungsgesprächen können vorher bequem sämtliche Informationen, die mensch nicht in die Bewerbungschreibt, abgerufen werden. Das StudiVZ kennt keine Grenzen. Angenommen LisaX. bewirbt sich für einen Job in einer großen Kanzlei. Sie arbeitet gerade an ihrer Diplomarbeit und ist im StudiVZ noch immatrikuliert. Auf ihrer Seite findet mensch ihre politische Richtung. „Sehr Links“ steht da. Außerdem finden sich viele Fotos auf denen Lisa mit Bier zu sehen ist. Was hindert die konservative Personalerin sich Lisas Seite anzusehen? Es gibt auch die Möglichkeit seine Profilseite nur seinen FreundInnen zugänglichzu machen, allerdings wird diese Option nur von sehr wenigen UserInnen genützt. Auch politische Netzwerke können in Sekundenbruchteilen erfasst werden. Was bisher kaum beziehungsweise sehr schwer zu erfassen war ist nun kein Problem mehr. Für die Werbung sind diese Daten ebenfalls sehr interessant.So kann doch anhand des Profils für jedeN die perfekte Werbung erstellt werden.
geschützte Daten?
So „wertvoll“ diese Daten sind, so unzureichend werden sie geschützt. Zahlreichen HackerInnen gelang es geschützte Daten und Zugangsdaten mit einfachen Tricks zugänglich zu machen. Sicherheitslücken wurden offen und das Verzeichnis gelangte ins Kreuzfeuer der Kritik. Ein Fall von „Fast Crawling“ schockierte besonders. Durch automatisches „Durchsuchen“ zahlreicher Profile wurden inkurzer Zeit Millionen Daten gespeichert und weitergegeben. Fälle wie diese zeigen die Lücken des Systems und wie leicht solche Datenzu beschaffen sind. Es empfiehlt sich also vorsichtig mit den Daten, die mensch öffentlichzugänglich macht, umzugehen. Oder denAccount gleich zu löschen – auch wenn es doch irgendwie schwer fällt.

