Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

"Ehre, Freiheit, Vaterland"*

An der Uni Wien ist ein Symbol für antidemokratische und antisemitische Haltung noch immer präsent und seit Beginn des Semesters wieder stark im Gespräch: Der Siegfriedskopf.

Als „Gefallenendenkmal“ wurde der Siegfriedskopf1923 von der „DeutschenStudentenschaft“ mit Unterstützung der Universitätaufgestellt. Bei der Enthüllungszeremonie inder Aula des Hauptgebäudes durften nur schlagendeBurschenschaften anwesend sein. DerKopf, der den Siegfried aus dem Nibelungenlieddarstellt, soll auf die „Dolchstoßlegende“ verweisen,als Zeichen der „Unbesiegbarkeit des deutschenVolkes“ im ersten Weltkrieg, wenn es nachrechtsextremer Ansicht nicht von SozialdemokratInnenund KommunistInnen verraten wordenwäre. Diese Auffassung spiegelt sich auchin der Aufnahme neuer Mitglieder der deutschenStudentenschaft wider. So wurden aufgrund des„Arierprinzips“ nur Studenten mit „deutscherAbstammung und Muttersprache“ aufgenommen.Systematisch ausgeschlossen wurden weibliche,jüdische, sozialdemokratische und kommunistischeStudentInnen.

von wegen unbesiegbar

In den 80ern stellte auch eine Kommissionder Universität fest, dass der Siegfriedskopf dafürkonzipiert war die Ziele der „Deutschen Studentenschaft“zu propagieren. 1990 fasste derSenat den Beschluss das „Denkmal“ von der Aulain den Arkadenhof zu verlegen und es mit einerTafel zur Entstehung zu versehen. Aufgrund vonWiderstand des Bundesdenkmalamtes scheitertedieser Plan vorerst.Am 8. Mai 2002 (Jahrestag der Befreiungvom Nationalsozialismus) marschierten hunderteBurschenschafter bei einer „Trauerfeier“. In undum die Universität veranstaltete die ÖH Gegenaktionen.In der Aula wurde von linken StudentInnenein Zeichen gegen Burschenschaften unddie „Unbesiegbarkeit des Siegfrieds“ gesetzt. DemKopf wurde die Nase abgeschlagen. Für die Restaurierungwurde das „Denkmal“ in einen Bretterverschlagverhüllt.
Erst 2006 nach der Renovierung des Arkadenhofswird Siegfried dort wieder präsentiert.Allerdings in „entschärfter“ Form: Der Kopf liegtnun vom Sockel getrennt unter einem Glaskubus,der mit Berichten über antisemitische Übergriffean der Universität beschriftet ist.

Bummel

Siegfried ist zurück in der Öffentlichkeit,und mit ihm die sogenannten „Bummel“ der Burschenschaften.Jeden Mittwoch um 12 Uhr marschierenRechtsextreme mit Narben im Gesichtund Deckel auf dem Kopf auf um Siegfried zugrüßen. Allerdings nur dann, wenn sie den Hintereingangbenutzen, denn auf der Rampe zumHaupteingang versperren wir ihnen den Weg.Warum? Es darf für Zusammenschlüssen wiedem „Wiener Korporations-Ring“, der den „Bummel“veranstaltet, nicht möglich sein rechtsextremePropaganda und Mitgliederwerbung ander Uni zu betreiben.

deutschnationale Burschenschaften

Deutschnationale Burschenschaften sind hierarchische,elitäre und rassistische Männerbünde.Sie halten vollkommen an traditionellenGeschlechterrollen fest und praktizieren mit gewaltverherrlichendenRitualen, dem Aushaltenvon Schmerz und Werten wie Ehre, Freiheit, Vaterlandeine Art Männlichkeitswahn. Der burschenschaftliche„Lebensbund“ ist ein Werkzeugmit dem sich die ausschließlich männlichen Mitgliedergegenseitig in einflussreiche Positionenwie zum Beispiel Uni-Räte pushen. Auf dem politischenProgramm steht unter anderem die systematischeVerharmlosung der NS-Verbrechen undeine latente antisemitische Grundhaltung.Die Verbindungen sind untereinander gutvernetzt. (Übrigens auch online: Wer sich von einerBurschenschaft-Seite über Links und Bannerweiterklickt, erlebt oft die ganze Abscheurechtsextremer Online-Präsenz.) Es gibt einekaum zu überblickende Anzahl an Dachverbändenund Zusammenschlüssen. Für Zeitungen wiedie „Aula“ schreiben sowohl NPD- als auch FPÖ-FunktionärInnen. Deutschnationale Burschenschaftenfunktionieren als Bindeglied zwischenNeonazismus und rechtskonservativen Strömungen und haben großen Einfluss in Wirtschaft undPolitik (Bsp.: von 19 männlichen FPÖ-NR-Abgeordnetensind 15 in korporierten Verbänden).

auf die Rampe!

All das können wir nicht einfach tolerierenoder hinnehmen, sondern wir müssen uns dagegenwehren. Wo immer sich rechtsextreme Gruppierungender Öffentlichkeit präsentieren, ob amSiegfriedskopf oder Nowotny-Grab, dürfen Gegenaktionennicht fehlen. Also, der nächste Mittwochkommt bestimmt...

* Inschrift am Sockel des Siegfriedkopfes und(noch immer) Wahlspruch zahlreicher deutschnationalerBurschenschaften

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