Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Clean Clothes - Weichspüler für Konsumkritik

Vor einigen Monaten hat in Wien ein American Apparel- Store eröffnet, der von „bewussten KonsumentInnen“ überrannt wird, denn die Kette schmückt sich mit Sweatshop-freien Produktionsbedingungen ihrer Textilien.

Auf der Homepage von American Apparel findet mensch genaueres zur sozialen Unternehmensphilosophie. Den ArbeiterInnen werde ein Lohn von 12 $ pro Stunde bezahlt, was dem doppelten gesetzlichen Mindestlohn entspräche. Die American Apparel Kampagne „Legalize LA“ spricht sich für eine Lockerung der Einwanderungsbedingungen in die USA aus, „Legalize GAY“ stellte sich (erfolglos) gegen die „Proposition 8“, die die Heirat von Homosexuellen in Kalifornien wieder verunmöglichte.

Corporate Social Responsibility

Diese politische Unternehmens-Strategie wird betriebswirtschaftlich „Corporate Social Responsibility“ genannt. Output der „CSR“-Abteilungen vieler Konzerne sind verschiedene Sozialprojekte und einige Änderungen in der Unternehmens-Policy. Nichts desto trotz stehen die neu definierten Ziele immer in Übereinstimmung mit den ökonomischen Zwängen.

American Apparel macht seinen Umsatz in einer jungen und liberalen KonsumentInnengruppe, die ebenso gegen die Proposition 8 kämpft wie das Unternehmen. So verbinden gratis „Legalize GAY“ T-Shirts von American Apparel politische Botschaften mit Zielgruppen-Werbung. Auch die Forderung nach weniger restriktiven Einwanderungsgesetzen muss vor dem Licht gesehen werden, dass American Apparel seine Produktionsbetriebe in „Downtown LA“ ansiedelt und daher zu einem großen Teil von migrantischen Arbeitskräften abhängig ist. „Hard work of immigrants improves our economy“, heißt es in der Broschüre „Legalize LA“.

Textilindustrie

Die Fragen nach den Beweggründen für die soziale Unternehmenspolitik treten jedoch in den Hintergrund, wenn mensch die gängigen Praxen in der Textilindustrie verfolgt. Die in den westlichen Industrienationen verkauften Kleidungsstücke aller Preisklassen werden zum Großteil in den Ländern des Südens produziert.

TextilarbeiterInnen sind zu einem großen Teil (illegale) MigrantInnen – während in den Betrieben von American Apparel Menschen mittel- und südamerikanischer Herkunft arbeiten, sitzen in den Sweatshops in Thailand burmesische ArbeitsmigrantInnen vor den Nähmaschinen. Resultat dieser „Migrantisierung“ sind fehlende arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen, wie Mindestlöhne, oder Schutzbekleidung beim Hantieren mit toxischen Färbemitteln.

Feminisiert und informell

In den letzten Jahren wird in der Textilindustrie mehr und mehr informell gearbeitet. Das heißt, dass viele ArbeiterInnen ihr Tagespensum in Hausarbeit ableisten und oftmals kein formeller Arbeitsvertrag besteht. Die ArbeiterInnen der Textilindustrie sind mehrheitlich weiblich, doch im informellen Textilarbeitssektor finden sich fast ausschließlich Frauen. Durch Betreuungspflichten an das Haus gebunden, verdienen Frauen ihr Einkommen im eigenen Wohnzimmer und haben ohne Arbeitsvertrag dabei keine Chance auf gerechte Bezahlung oder gewerkschaftliche Organisierung.

Clean Clothes

Die internationale Kampagne „Clean Clothes“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Arbeitsbedingungen in der Textilbranche zu verbessern. Hier sollen z.B. Unternehmen durch die Kontrolle ihrer Zulieferbetriebe in die Pflicht genommen werden. Weiters werden Konzerne kritisiert, die der Verletzung von ArbeitnehmerInnenrechten tatenlos zusehen. Mit auf der Liste sind hier neben den altbekannten Größen wie Nike und Adidas auch Aldi, Lidl und kik.

Wessen Schuld?

Clean clothes rät bewussten KonsumentInnen, nur mit internationalen Gütesiegeln versehene Kleidungsstücke zu kaufen. Bequem ist dieses „bewusste Konsumieren“ für jene, die es sich leisten können. Mit dem hübschen Kleid wird auch ein reines Gewissen verkauft. Denjenigen, die immer noch bei Lidl und kik einkaufen, wird hier implizit die Schuld in die Schuhe geschoben, dass schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilbranche eher die Regel als die Ausnahme sind. Die Feststellung, dass dieses Problem wohl nicht individuell und durch Marktmechanismen, sondern eher durch transnationale gewerkschaftliche Zusammenarbeit zu lösen ist, wird tunlichst vermieden.

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