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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Albert Einstein und die Politik
„Liebe Nachwelt! Wenn Ihr nicht gerechter, friedlicher und überhaupt vernünftiger sein werdet, als wir sind, bzw. gewesen sind, so soll euch der Teufel holen.“ In „Albert Einstein-The Human Side“ 1979, Princeton University Press, S. 159
In erster Linie ist Albert Einstein natürlich für seine Leistungen als Physiker bekannt und mit seinem Hauptwert, der Relativitätstheorie (spezielle Relativitätstheorie 1905 und allgemeine 1916), hat er das Verständnis für Raum und Zeit revolutioniert.
Aber er war auch bekennender Linker und trat bedingungslos für Völkerverständigung und Frieden ein. Seine Abscheu vor Militarismus und Autoritätshörigkeit in der deutschen Gesellschaft ging sogar soweit, dass er mit neunzehn Jahren die deutsche StaatsbürgerInnenschaft ablegte.
Vom Humanisten zum „Gefühlssozialisten“
Im ersten Weltkrieg trat er der „Deutschen Liga der Menschenrechte“ bei, die für einen baldigen, gerechten Frieden ohne Gebietsforderungen eintrat. Später näherte er sich immer stärker einem humanistischen, sozialistisch geprägten Gedankengut an. Er selbst bezeichnete sich einmal als Gefühlssozialist. In seinem wenig bekannten Essay „Why Socialism?“ heißt es:
„Die Produktion ist für den Profit da – nicht für den Bedarf. Es gibt keine Vorsorge dafür, dass all jene, die fähig und bereit sind, zu arbeiten immer Arbeit finden können.“
Und zum Bildungssystem:
„Unbegrenzte Konkurrenz führt zu einer riesigen Verschwendung von Arbeit und zu dieser Lähmung des sozialen Bewusstseins von Individuen, die ich zuvor erwähnt habe. Diese Lähmung der Einzelnen halte ich für das größte Übel des Kapitalismus. Unser ganzes Bildungssystem leidet darunter. Dem Studenten (sic!) wird ein übertriebenes Konkurrenzstreben eingetrichtert und er wird dazu ausgebildet, raffgierigen Erfolg als Vorbereitung für seine zukünftige Karriere anzusehen [...] Nach meiner Überzeugung gibt es nur einen Weg zur Beseitigung dieser schweren Übel, nämlich die Etablierung der sozialistischen Wirtschaft, vereint mit einer auf soziale Ziele eingestellten Erziehung: Die Arbeitsmittel werden Eigentum der Gesellschaft und werden von dieser planwirtschaftlich verwendet.“
Allerdings fordert er auch, dass der angestrebte Sozialismus die Rechte des Individuums respektieren muss:
„Eine Planwirtschaft als solche kann mit der totalen Versklavung des Individuums einhergehen. Sozialismus erfordert die Lösung einiger äußerst schwieriger sozio-politischer Probleme: Wie ist es angesichts weitreichender Zentralisierung politischer und ökonomischer Kräfte möglich, eine Bürokratie daran zu hindern, allmächtig und maßlos zu werden? Wie können die Rechte des Einzelnen (sic!) geschützt und dadurch ein demokratisches Gegengewicht zur Bürokratie gesichert werden? [...] Klarheit über die Ziele und Probleme des Sozialismus ist für unsere Zeit des Überganges von größter Bedeutung. Leider ist bei dem jetzigen Zustand der Gesellschaft die freie Diskussion dieser Dinge durch ein mächtiges Tabu erschwert.“
Ideologischer Wandel
Bis zur Machtergreifung der Nazis war Einstein Pazifist, dann wandelte sich seine Einstellung:
„Bis 1933 habe ich mich für die Verweigerung des Militärdienstes eingesetzt. Als aber der Faschismus aufkam, erkannte ich, dass dieser Standpunkt nicht aufrecht zu erhalten war, wenn nicht die Macht der Welt in die Hände der schlimmsten Feinde der Menschheit geraten soll. Gegen organisierte Macht gibt es nur organisierte Macht; ich sehe kein anderes Mittel, so sehr ich es auch bedaure.“
Zur Zeit der Machtergreifung war Einstein gerade in den USA und kehrte nicht nach Deutschland zurück. Einstein verurteilte die gleichgültige Haltung vieler seiner KollegInnen zum politischen Geschehen, dazu sagte er:
„Die Ansicht, dass der wissenschaftliche Mensch in den politischen, d. h. menschlichen Angelegenheiten im weiteren Sinne, schweigen soll, teile ich nicht. Du siehst ja gerade an den Verhältnissen in Deutschland, wohin solche Selbstbeschränkung führt. Es bedeutet, die Führung den Blinden und Verantwortungslosen widerstandslos überlassen. Steckt nicht Mangel an Verantwortungsgefühl dahinter?“

