Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Die Welt ist gegen Frauenhäuser

Die Frauenhäuser in Deutschland und Österreich leisten wichtige Arbeit, sie bieten seit über 30 Jahren Frauen Zuflucht vor Gewalt innerhalb und außerhalb der Familie und des Umfeldes...

Sie haben nicht nur eine kostenlose 24-Stunden Notrufnummer unter 0800/222 555 eingerichtet, sondern bieten Beratung, Betreuung, Notschlafplätze,
Wohnmöglichkeiten, Aufklärung, Workshops und vieles mehr.

Davon profitieren nicht nur Frauen, sondern vor allem auch Kinder, die oft mit ihren Müttern ins Frauenhaus flüchten und zum ersten Mal in ihrem Leben an einem sicheren Ort schlafen.

Dennoch gibt es immer wieder Angriffe gegen diese Institutionen. Damit ist nicht konstruktive Kritik gemeint, sondern zum Beispiel Menschen, die Mitarbeiterinnen bedrohen oder auch versuchen, in die Häuser einzudringen. Aber die Angriffe sind nicht immer so offensichtlich. Frauenhäuser werden auch durch Unterfinanzierung geschädigt - das ist landesübliche Praxis. Der dabei entstandene Schaden ist Alltag für die hilfesuchenden Frauen und Kinder, die erst vor Gewalt flüchten und dann für den längerfristigen Schutz im Frauenhaus Miete zahlen müssen - das erinnert an Schutzgelderpressung der Maffia. Zahl oder du wirst verprügelt! Nur geht dabei die Erpressung nicht von den Frauenhäusern aus, die versuchen so viel Geld wie möglich zu sammeln - nein, der Staat verlangt durch die Unterfinanzierung Schutzgeld von den Frauen, dabei wäre es seine Pflicht, alle Menschen vor Gewalt zu schützen (aber im Gesetzt steht eben nur Bürger und nicht BürgerInnen...). Die Unversehrtheit von Körper und Würde ist ein Menschenrecht und Österreich und Deutschland zählen zu den reichsten Ländern der Welt- wo bleibt also das Geld?

Die Finanzierung der Frauenhäuser ist das Endergebnis der allgemeinen gesellschaftlichen Stimmung im Land. In einem Land, in dem jedem Tierschutzheim mehr Sympathie entgegen gebracht wird als einem Frauenhaus, fehlt einfach der gesellschaftliche Druck der Bevölkerung, der die VolksvertreterInnen dazu bringt, Gelder zu Verfügung zu stellen. Mit dem Thema Gewalt gegen Frauen lassen sich eben keine Wahlen gewinnen. Die wirklich gefährlichen Angriffe auf Frauenhäuser kommen also nicht von Menschen, die sich von hohen Zäunen abweisen lassen, sie kommen von MeinungsmacherInnen, die Gewalt gegen Frauen verherrlichen, verharmlosen oder negieren.

Einer dieser Menschen ist Gerhard Amendt, der in seinem Artikel in „Die Welt“ (16. Juni 2009) die generelle Abschaffung der Frauenhäuser fordert, da ja Frauen genauso gewalttätig seien wie Männer und Frauenhäuser ja nur Stätten des Männerhasses seien.

Nun gibt es viele SchreierInnen, es gibt Nazis, FaschistInnen, AntisemitInnen, SektenführerInnen und viele mehr. Die können denken, was sie wollen, wenn sie ihre Gedanken aussprechen, werden sie  von der Meinungsfreiheit geschützt. Doch es gibt auch vernunftbegabte Menschen, die Extremismus erkennen  und einschätzen sollten, welche Texte das Papier wert sind, auf dem ihre Zeitung gedruckt wird.

So wie „Der Standard“ keine Passagen aus „Mein Kampf“ abdruckt, und der „Kurier“ keine Reden Mussolinis, sollte „Die Welt“ nicht völlig unreflektiert einem extremistischem Sexisten die Autorschaft (sic!) über einen ganzen Artikel überlassen, ohne einen anderen Artikel oder belegte Fakten gegenüber zu stellen. Stattdessen kommt der einzige, sehr kurze, Kommentar dazu von der Redaktion und der untermauert seine Ansichten auch noch, indem betont wird, dass der Autor eine Professur inne hat und Lehrbücher schreibt. Und das zählt im deutschen Sprachraum bekanntlich mehr als die Inhalte, die ein Mensch verbreitet.

Als Beispiel für die Ansichten von Gerhard Amendt eignet sich seine Aussage, dass sich Frauenhäuser nicht darüber legitimieren können, dass jede 4. Frau mindestens einmal im Laufe ihres Lebens das Opfer von Gewalt in der PartnerInnenschaft wird - eine Zahl die er im Übrigen anzweifelt. Er lässt diese Legitimation nicht gelten, weil es keine Vergleichsziffer für Männer gibt. Daraus lasse sich laut ihm Einiges schließen: beispielsweise, dass Frauen kein Recht auf Schutz haben, solange auch Männer Opfer von Gewalt werden.

Wenn er Frauenhäuser erst für legitim hält wenn die Gewalt an Frauen deutlich höher ist als die an Männer, dann fordert er damit, dass alle Menschen ein gewisses Maß an Gewalt ertragen müssen und erst die Gewalt, die stärker ist als das, was die andere Gruppe erträgt, es wert ist, bekämpft zu werden.

Die Vorstellung von Gewalt als grundsätzlich inakzeptabel im Leben eines Menschen ist dem Autor scheinbar fremd. Zu guter Letzt wird eines der ältesten Denkmuster der Heteronormativität und des Androzentismus bedient, nämlich das Männliche als Norm  voraus zu setzten: In diesem Denkmuster können Frauen nicht für sich alleine entscheiden, wann es ihnen reicht, geschlagen zu werden, stattdessen gibt ein Mann vor, wann die Grenze erreicht ist. So bestimmt die Gewalt gegen Männer, ab wann eine Frau schützenswert ist - ein unfassbares Maß an Absurdität.

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