Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Der Handel mit der Ware Mensch

Bei Flucht und Vertreibung handelt es sich keineswegs um geschlechtsneutrale Phänomene, vielmehr spielt die Kategorie Geschlecht zunehmend eine zentrale Rolle im Kontext von Gewaltanwendung und Verfolgung vor, nach und während der Flucht.

Während männliche Flüchtlinge meist im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen, werden Frauen oft nur als Mitbetroffene wahrgenommen. Tatsache ist jedoch, dass rund 80% der 40 Millionen Flüchtlinge weltweit Frauen und Kinder sind. Aber warum sind gerade sie stärker von Verfolgung und anderen Fluchtgründen betroffen? Zum einen spielt die gegenwärtige Kriegsführung eine Rolle, welche die Zivilbevölkerung in besonderem Maße trifft und zum anderen ist die Feminisierung der Armut zu nennen, die sich aus der Lohnungleichheit und der noch immer fast ausschließlich von Frauen geleisteten unentgeltlichen Haus- und Familienarbeit erklären lässt.

Hinzu kommen sexualisierte Gewalt, Genitalverstümmelung (FGM) und andere Auswirkungen patrialacher Strukturen, die speziell Frauen zur Flucht bewegen. Auch bei der Planung und Umsetzung einer Flucht tun sich besonders gegenüber Frauen aus ärmeren Verhältnissen  Hindernisse auf. Schätzungen von UNHCR zufolge schaffen es nur 1% der weiblichen Flüchtlinge ihr Ziel zu erreichen, nicht zuletzt deshalb, weil viele der betroffenen Frauen nicht über eigene finanzielle Mittel verfügen. Selbst im Aufnahmeland haben Frauen damit zu rechnen ungleich behandelt zu werden: Die Genfer Flüchtlingskonvention erkennt geschlechtsspezifische Fluchtgründe nicht an und von Seiten der Behörden droht oft erneute Gewalt. Im Austausch für eine positive Entscheidung wird von Amtspersonen, die über den Flüchtlingsstatus der Antragstellerinnen entscheiden, Geschlechtsverkehr gefordert. Beispielsweise ist heute bekannt, dass in den 80ern in Djibouti-Stadt Behörden weibliche Flüchtlinge zu sexuellen Handlungen zwangen, als Bedingung dafür, dass sie ihnen in weiterer Folge Flüchtlingsausweise ausstellen.

Vergewaltigung und andere Formen sexualisierter Gewalt sind keine punktuellen Ereignisse – längst sind diese Verbrechen in ein System gegossen und zu einem lukrativen Geschäft gemacht worden.  Mit der „Ware Frau“ wird inzwischen mehr Geld gemacht als mit Drogen- oder Waffenhandel; bis zu 15 Milliarden weltweit, zwischen 7 und 13 Milliarden Dollar europaweit werden pro Jahr durch Frauenhandel und Zwangsprostitution verdient.

Frauenhandel ist ein immer größer werdendes Problem, allein in Europa werden jährlich 500 000 Frauen in die Prostitution, Zwangsehen oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse gezwungen, weltweit sind es zwischen 700 000 und 2 Millionen Frauen. Die Profite sollen Statistiken internationaler Organisationen zufolge in den letzten 10 Jahren um 400% gestiegen sein. Seit dem Fall des eisernen Vorhanges sind es vorallem junge Frauen aus Osteuropa, die entführt oder durch falsche Versprechungen gelockt und in den Westen, das heißt auch nach Österreich, verkauft werden.

Die betroffenen Frauen leiden nicht nur an den psychischen und physischen Folgen der Ausbeutung und Gewalt, sie werden zudem kriminalisiert. Als Illegale werden sie im Falle einer Entdeckung oft als Kriminelle statt als Opfer behandelt und bestraft oder abgeschoben.

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