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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Kinderbetreuungseinrichtungen als Bildungseinrichtungen
Kindergärten sind nicht lediglich ein Ort, um Kinder abzugeben, sondern ein wertvolles und wichtiges Instrument des sozialen Lernens. Eine verbesserte pädagogische und didaktische Ausbildung der BetreuerInnen ist Grundvoraussetzung, um qualitativ hochwertige Betreuung und Ausbildung zu gewährleisten.
Diese ermöglichen Kindern, sich ihren Bedürfnissen entsprechend zu entwickeln und geben ihnen die Möglichkeit mit anderen Kindern Beziehungen aufzubauen. Kindergärten sollen Stätten der Bildung sein, in denen Kinder lernen, angstfrei ihre Erfahrungen zu sammeln.
Wir fordern ausreichende Budgetmittel und die flächendeckende Einführung von ganztägigen Kinderbetreuungseinrichtungen sowie den Ausbau von Betriebskindergärten. Dazu ist ein bundesweites Rahmenbetreuungsgesetz notwendig, um die Länder in ihre Verantwortung nehmen zu können. Wichtig ist, dass sich nicht die Eltern und Kinder den Einrichtungen anpassen, sondern, dass Öffnungszeiten dem Bedarf an Kinderbetreuung bestmöglich entsprechen.
Kinder haben bis zu ihrem 6. Lebensjahr das größte Entwicklungspotential und dieses Vermögen sollte mit möglichst weitgehender Verantwortung genutzt werden. Das Erlernen von sozialen Beziehungen, wie man Konflikte löst, Merkfähigkeit, Feinmotorik, das Kennenlernen von Farben, Formen, Tieren, Pflanzen und Zahlen gehört zu jedem Kindergartenbesuch selbstverständlich dazu. All das hilft, die Persönlichkeit zu entfalten und Individualität und Kreativität auch in der Gruppe leben zu lernen. Eindrücke und Einflüsse werden gemeinsam verarbeitet, Fragen werden zugelassen und beantwortet, Umwelt wird begriffen. Kindergärten müssen als Bildungsstätten verstanden werden und daher wie der Schulbesuch gratis zur Verfügung gestellt werden. Hier darf es nicht weiterhin zu einer sozialen Selektion kommen, sondern der gleiche Zugang zu Bildung beginnt bereits mit der Geburt und nicht erst mit dem Schuleintritt.
Wir brauchen uns nicht der Illusion hingeben, Erwachsene wüssten immer, was das beste für ein Kind ist, daher können Kinder durch ein Betreuungs- und Bildungsangebot über die „Familie“ hinaus nur profitieren. Kindergärten sind für uns wichtige und notwendige Bildungseinrichtungen und können (!) erhebliche Startvorteile beim Schuleintritt bieten. Gerade um einen sanften Beginn der Schulzeit zu ermöglichen und die Unterschiede und Wissensvorsprünge zwischen den Kindern möglichst gering zu halten, ist es notwendig, vorher einen Kindergarten zu besuchen und somit eine vorschulische Bildung in Anspruch zu nehmen.
Gerade auch geschlechterstereotypes Verhalten und Rassismen müssen in diesem Alter bereits aufgegriffen werden. Je früher Vorurteilen entgegengewirkt wird, umso effektiver ist die kritische Auseinandersetzung ein Leben lang. Der Ausbildung von KindergärtnerInnen messen wir in dieser Frage ein große Bedeutung bei.
Gerade in Regionen, in denen ein flächendeckendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen noch nicht so schnell möglich ist, muss vorübergehend auf Tageseltern zurückgegriffen werden. Es ist unabdingbar, dass nicht die Tagesmutter als Idealbild propagiert wird. Tageseltern haben gut versichert zu sein und eine Pflegeplatzbewilligung (Bescheinigung des Jugendamtes über die Wohnungsqualität und die gesundheitliche Eignung der Betreuungsperson) vorzuweisen. Bisher sind vor allem die Versicherungsverhältnisse in den meisten Fällen prekär und die Ausbildung in weiten Bereichen mangelhaft. Diese Defizite müssen behoben werden, damit Tageseltern vorübergehend Mängel in der flächendeckenden Einrichtung von Kinderkrippen kompensieren können und in strukturschwachen Gebieten auch Möglichkeiten zur Kinderbetreuung bestehen. Langfristig ist der Schaffung der Berufsgruppe Tageseltern nur mit kollektivvertraglicher Regelung zuzustimmen und nur dann, wenn ausreichend viele Männer zur Ausübung dieser Tätigkeit motiviert werden können, damit hier nicht ein traditionelles Rollenbild zementiert wird.
Für eine sozial gerechte, offene und demokratische Schule
Das österreichische Bildungssystem hat durch die sozialdemokratische Bildungsoffensive in den 1970er Jahren einen unglaublichen Reformschub und Ausbau erhalten.
Es ist tatsächlich gelungen, das Bildungssystem für bisher bildungsferne und sozial schwache Schichten zu erschließen. Durch Reformmaßnahmen wie der Einführung des Gratis-Schulbuches und der Freifahrt wurde es erstmals in der Geschichte Österreichs für alle sozialen Schichten möglich, ihre Kinder auf weiterführende Schulen zu schicken. Der freie und offene Hochschulzugang gehörte zu diesen Reformen und sollte diese absichern.
Für den VSStÖ kann es eine sozial gerechte und offene Hochschule nicht geben, wenn es keine sozial gerechte und offene Schule gibt.
Doch genau hier gibt es dringenden Handlungsbedarf: Die Errungenschaften der 1970er, die uns in einer progressiven Gesellschaft selbstverständlich erscheinen, werden wieder in Frage gestellt und sukzessive abgebaut.
Das Bildungssystem muss unserer Ansicht nach als Teil des sozialstaatlichen Modells angesehen werden. Umverteilung des gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtums und eine nachhaltige Schaffung von Chancengleichheit kann nur funktionieren, wenn der Zugang zu Bildung nicht nur gewährleistet, sondern auch gefördert wird.
Doch genau das ist heute nicht mehr gewährleistet.
Das gegliederte Schulsystem oder gibt es das Matura-Gen?!
Das Schulsystem in Österreich spiegelt am deutlichsten die vom wirtschaftlichen System geprägte unnatürliche Trennung von Hand- und Kopfarbeit wieder.
Das konservative Konzept sieht für eine Elite die Gymnasien des AHS-Bereichs, für eine Mittelschicht das stark ausgebaute berufsbildende Schulsystem und die Hauptschule, für all diejenigen, die körperlicher Arbeit nachgehen sollen, vor.
In diesem System wird von Anfang an selektiert und Leistungsdruck ausgeübt, der allen pädagogischen Erkenntnissen freier Entfaltung der Persönlichkeit und der Lernfähigkeit widerspricht.
Die frühe Einteilung der SchülerInnen nach der Volksschule in „matura-fähig“ und „hauptschultauglich“ stellt eine Selektion dar, die Chancen verbaut und früh die Bildungswege determiniert. Hier wäre es nötig, einen Paradigmenwechsel zu einem anderen pädagogische Konzept, weg von einem starr gegliederten System und hin zu einer neuen Schwerpunktsetzung in Richtung interdisziplinärer und teamorientierter Lernarbeit zu schaffen.
Der VSStÖ will eine sozial gerechte Schule, die eine freie Entfaltung der Fähigkeiten der Menschen ermöglicht. Wir wollen eine Schule die fördert anstatt Bildungspotentiale unterdrückt. Wir wollen eine Schule die integriert anstatt selektiert.
Schließlich will der VSStÖ eine Schule die zum Widerspruch anregt. Eine Schule in der die Menschen lernen, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und zu hinterfragen. Eine Schule die zur sozialen Verantwortung erzieht, indem sie die Menschen befähigt, ihr Leben selbst und im Umgang mit anderen zu gestalten.
Ganztagsschule als erster Schritt zur Gesamtschule
Ein flächendeckendes Betreuungsangebot ist ein wichtiger Schritt, um die Schule zum Lebensraum zu gestalten. Für SchülerInnen bietet sich in einer Ganztagsschule die Möglichkeit, den Nachmittag mit Gleichaltrigen zu verbringen. Vor allem für Schülerinnen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ist die Ganztagsschule mit umfassender pädagogischer Betreuung eine Chance gefördert zu werden.
Langfristig fordern wir die Einführung der Gesamtschule. In der Gesamtschule werden alle Zehn- bis 14-Jährigen gemeinsam unterrichtet. Finnland, das in der „PISA-Studie“ als bestes Schulsystem abschnitt, praktiziert das Modell mit einer sechsjährigen Unterstufe, danach eine dreijährige Oberstufe und zuletzt ein Kurssystem ohne Jahrgänge für zwei bis vier Jahre.
Die verfrühte Selektion durch Hauptschule und höhere Schulen ist einer der grundlegendsten Fehler des österreichischen Schulsystems. Kindern mit zehn Jahren lebenswichtige Entscheidungen über ihre Zukunft aufzubürden, ist unverantwortlich.
Die überholte und unwirtschaftliche Konkurrenz im Mittelstufenbereich hat zu pädagogisch bedenklichen Verzerrungen der Schultypenzuteilung geführt. In Ballungsräumen besucht die überwältigende Mehrheit eine Unterstufe allgemeinbildender höherer Schulen, eine kleine Minderheit verbleibt an Hauptschulen. In ländlichen Regionen ist dieses Verhältnis umgekehrt. Gleiche Bildungschancen in einer gemeinsamen Mittelschule könnten dieses Missverhältnis aufbrechen.
Bereits ein Modulsystem, das schon bei Acht- bis Zwölfjährigen wirksam werden könnte, wäre denkbar. Im Sinne der Förderung der Chancengleichheit ist hier an ein individuelles, ambulantes Fördersystem zu denken. Statt Sonderschulen sollten Integrationskonzepte entwickelt werden. Durch Durchlässigkeit innerhalb der Schulen können Konzepte individueller Schulregionen entstehen, die je nach Schulprofil durch die aktive Beteiligung von SchülerInnen, Eltern(teilen), LehrerInnen und allen Betroffenen wachsen und sich entwickeln sollen. Über jahrgangsübergreifende Klassen könnten neue Lernverbände entwickelt werden. Anzusetzen ist bei einer integrativen Vorschule, die in eine allgemeine Grundschule ohne Brüche übergeht.
Auf dem Weg zur Gesamtschule schlagen wir einige Reformen vor, die Durchlässigkeit des Schulsystem und die Chancengleichheit deutlich verbessern würden:
Wir wollen eine Neugestaltung der Leistungsbeurteilung. Das alte Notenschema ist nicht geeignet Bildungspotentiale und Entwicklung zu fördern, sondern es unterdrückt diese vielmehr. Insofern ist die Einführung einer differenzierten Leistungsbeurteilung, die sowohl Schwächen als auch Stärken berücksichtigt dringend erforderlich. Anstatt des Notensystem schlagen wir eine umfassende verbale Beurteilung vor.
Reform der Oberstufe
Die Oberstufe bedarf einer dringenden Reformierung. Sie ist nicht mehr in der Lage, Wissenschaftspropädeutik, geschweige denn Vorbereitung auf das Berufsleben zu bieten. Auf die immer größer werdende Halbwertzeit der Bildung ist mit einer Überfrachtung der Lehrpläne reagiert worden. Der VSStÖ fordert daher ein Modul- und Kurssystem, ähnlich dem deutschen Leistungskurssystem. Dieses System ist gekennzeichnet durch eigene Schwerpunktbildung wie durch eine weitreichende Wahlfreiheit. Durch frei wählbare Kurse, unter Beibehaltung eines Pflichtcurriculums – auch an unterschiedlichen Standorten – würde sich die Schule mehr an den Interessen der SchülerInnen orientieren. Auch das sinnlose Wiederholen eines gesamten Jahres würde ein Kurssystem beheben. Jemand, der ein Modul nicht abschließt, kann es wiederholen ohne um ein ganzes Jahr zurückgeworfen zu werden.
Durch positive Stimulation der Lernmotivation würde das Interesse an Bildung und weiterer Hochschulbildung geweckt und gesteigert sowie auch die – in Hinblick auf die Studienwahl entscheidende – Findung von Interessen und Fähigkeiten gefördert.
Grundsätzlich wollen wir eine Loskoppelung der Oberstufe von den Gymnasien. Nur so kann den Gymnasien der Mythos als Königsweg zur Matura genommen werden. Die Oberstufe soll in sog. Oberstufenzentren ausgelagert werden und gleichzeitig durch stärkere Praxisteile ausgeweitet werden. Vorstellbar sind sowohl verpflichtende Praktika wie teilweise Zusammenlegung mit bestimmten Oberstufen aus dem BHMS-Bereich.
Es ist allerdings nicht einzusehen, warum die Ausbildung an einer BHMS ein Jahr länger dauert als an einer AHS. Wir fordern daher eine Angleichung durch eine Ausweitung auf dreizehn Schuljahre.
Für Ballungszentren bieten Oberstufenzentren auch einen effizienteren Einsatz der Mittel, die zu einem verbesserten Angebot für die SchülerInnen führen.
Die Einführung der Koedukation hat eine deutliche Verbesserung im Miteinander der Geschlechter und Impulse zum Aufbrechen von alten Rollenklischees mit sich gebracht. Nicht unwesentlich hat sie auch die Chancen von Mädchen und jungen Frauen im Bildungswesen erhöht. Trotz der über 25 Jahre an Koedukationspraxis wurden rollentypische Verhaltensweisen und Eigenschaften nicht behoben. Obwohl im Prinzip alle Ausbildungseinrichtungen beiden Geschlechtern offen stehen, besteht nach wie vor eine starke geschlechtsspezifische Segregation, besonders in den berufsbildenden Schulen und in der Lehrlingsausbildung. Mädchen und junge Frauen werden immer noch diskriminiert und auf bestimmte Rollen festgelegt. Studien belegen, dass die Interaktionsverteilung in koedukativen Klassen zu Ungunsten der Mädchen erfolgt: Mädchen erhalten weniger Aufmerksamkeit, Zuwendung und Rückmeldungen seitens der Lehrperson als Buben. Die Interaktionen unterscheiden sich aber auch qualitativ: Lob und Tadel erfolgen z.B. in der Regel nach geschlechtstypischen Merkmalen. Mädchen werden eher für Fleiß und für ordentliche Ausfertigung der Arbeit gelobt, selten jedoch für intellektuelle Leistungen; Buben werden eher für erbrachte Leistungen gelobt, Tadel bezieht sich mehr auf Disziplin und Ordnung.
Hier gilt es anzusetzen und spezifische Förderprogramme zu entwickeln, um geschlechtsbezogene Rollenbilder aufzubrechen und Diskriminierung abzubauen. Die feministische Kritik meint, Koedukation bedeute de facto nicht das gleichberechtigte Nebeneinander von Schülerinnen, sie diene vielmehr der Einübung in die Geschlechterhierarchie und verstärke rollentypische Verhaltensweisen und Eigenschaften. Koedukation zur Gänze abzuschaffen löse allerdings keine Probleme, sondern sei langfristig gesehen ein Rückschritt. Vielmehr wird heute für „reflexive Koedukation“ plädiert: vor allem Lehrende sollten verstärkt darauf achten, nicht in – oft unbewusste – Rollenklischees zu verfallen.
Als eine Förderungsmaßnahme schlagen wir vor, in jenen Bereichen (z.B. Informatik, naturwissenschaftliche und technische Fächer) in denen tradierte Geschlechterrollen für Mädchen und junge Frauen „Desinteresse“ suggerieren, einzelne monoedukative Lehr- und Lerneinheiten vor allem in der Unterstufe einzuführen, beim gleichzeitigen Festhalten am Prinzip der Koedukation. Die Realität hat gezeigt, dass im Unterricht in diesen Fächern männliche Jugendliche aufgrund ihres Sozialisationsprozesses dominanter sind und das Lernverhalten von Mädchen und jungen Frauen dadurch häufig negativ beeinflusst wird. Diese Maßnahme würde daher die geschlechtsspezifischen Interessen aufbrechen und einen Zulauf von Frauen in männerdominierte Berufsfelder unterstützen.
Das staatliche Bildungssystem ist genau wie andere staatliche Einrichtungen an die Grundsätze eines demokratischen Gemeinwesen gebunden. Insofern ist es nicht vereinbar, dass eine Republik die Freiheit der Religionsausübung und der Wahl der Konfession postuliert, aber an ihren Schulen nach wie vor christlichen Religionsunterricht privilegiert. Der VSStÖ fordert daher die ersatzlose Streichung des Religionsunterrichts.
Dringende kurzfristige Reformen für die Berufsbildung
Das berufsbildende System in Österreich ist vergleichsweise gut ausgebaut, bedarf jedoch dringender Reformen. Der VSStÖ fordert eine Abschaffung der Aufnahmsprüfung an den BHMS. Es ist eine nicht zu begründende Selektion, die Leistung unterdrückt anstatt sie zu fördern. Die relativ hohe Dropout-Rate in den ersten Jahren der BHMS-Schulen, zeigt, dass es derzeit gravierende Mängel in der Eingangsphase gibt. Hier ist eine bessere Betreuung und Förderung notwendig.
Triale Ausbildung
Zusätzlich zu Berufsschule und Lehrbetrieb soll eine „Lehrwerkstätte“ einen Teil der Berufsausbildung von Lehrlingen übernehmen. In diesen Werkstätten sollen vorrangig diejenigen Lehrlinge unterkommen, die vorerst keine Lehrstelle in dem von ihnen bevorzugten Berufsfeld zugewiesen bekommen haben. Aber auch alle anderen sollen einen Teil ihrer Ausbildungszeit in einer Lehrwerkstätte verbringen, so soll ein gewisser Standard im Erlernen von wichtigen Fertigkeiten, die für die Ausübung des jeweiligen Berufs unabdingbar sind, gewährleistet werden. Jede Person die als LehrerIn in einem Betrieb oder einer Lehrwerkstätte tätig ist muss zusätzlich zu fachlicher Kompetenz genügend pädagogisches und didaktisches Wissen vorweisen können.
Junge Menschen sollen während ihrer Berufsausbildung nicht nur optimale Lern- und Arbeitsbedingungen vorfinden, sondern auch für ihre Arbeit entsprechend entlohnt werden. Ein gerechteres Gehaltsschema könnte so aussehen:
Im ersten Lehrjahr sollen Lehrlinge 40% des FacharbeiterInnenlohns erhalten, im zweiten 60%, im dritten 80% und im vierten 90%.
Außerdem soll die Probezeit von Lehrlingen auf ein Monat verkürzt werden, bei gleichzeitiger Verlängerung der Behaltezeit nach Beendigung der Lehre auf sechs Monate.
Weiters fordert der VSStÖ die Reformierung der Finanzierung von Lehrlingsausbildung:
Jeder Betrieb, in dem auf Grund seiner Größe und finanziellen Situation Ausbildung möglich ist, muss in einem vertretbaren Maß Lehrlinge aufnehmen. Zusätzlich sollen alle Betriebe – egal ob sie Lehrlinge beschäftigen (müssen) oder nicht – in einen Ausbildungsfond einzahlen, aus dem die Lehrwerkstätten finanziert werden sollen.
Außerdem sollen weder staatliche Förderungen an ausbildende Betriebe vergeben werden, noch darf es möglich sein sich aus dieser Verantwortung freizukaufen. All jenen UnternehmerInnen, die sich weigern entweder Lehrlinge aufzunehmen, oder in den Ausbildungsfond einzuzahlen, soll sofort der Gewerbeschein entzogen werden.
Die Interessensvertretung von Lehrlingen soll zukünftig bei der ArbeiterInnenkammer untergebracht sein, daher sollen junge Menschen in Berufsausbildung nicht nur berechtigt sein bei den AK-Wahlen ihre Stimmen abzugeben, sondern auch direkt im Zuge dieser Wahlen ihre direkten InteressensvertreterInnen wählen.
Uns ist bewusst, dass der derzeitige Mangel an Ausbildungsplätzen mit einer Negativentwicklung der Ausbildung einhergeht. Um diesen Mangel zu überwinden und eine Qualitätssteigerung der Ausbildung zu erreichen, bedarf es einiger Anstrengungen und Reformen:
Der VSStÖ schlägt daher eine Umlagefinanzierung vor. Betriebe, die trotz vorhandener Kapazitäten nicht ausbilden, müssen in einen Ausbildungsfonds einzahlen. Die Mittel dieses Fonds kommen sowohl der überbetrieblichen Ausbildung als auch Betrieben zugute, die bereits ausbilden oder ausbilden wollen, die finanziellen und betrieblichen Kapazitäten jedoch nicht besitzen.
Soziale Absicherung
Der VSStÖ fordert das Recht auf einen Schul- oder Ausbildungsabschluss nach dem Hauptschulabschluss für alle SchülerInnen.
Dazu bedarf es jedoch einer sozialen Absicherung der SchülerInnen, die dies ermöglicht.
Die Wiedereinführung des Gratis-Schulbuches und der Freifahrt ist daher genauso erforderlich wie die Ausweitung der SchülerInnenbeihilfe zu einer echten sozialen Absicherung.
Nur so ist es möglich, SchülerInnen aus bildungsfernen und sozial schwachen Schichten, den Weg zur Matura zu ebnen.
Dazu ist eine Ausweitung der Mindestbezüge genauso wie eine Ausweitung des BezieherInnenkreises notwendig.
Demokratisierung
Um eine Schule zu schaffen, die ihre SchülerInnen zu sozial verantwortlichen und mündigen Bürgerinnen erzieht, brauchen wir eine radikale Demokratisierung.
Wir wollen eine Stärkung der SchülerInnenvertretungen. Ihnen ist auf allen Ebenen eine stärkere Selbstverwaltung zu gewähren.
Auch muss die innerschulische Demokratisierung vorangebracht werden. Derzeit gibt es für SchülerInnen keine Grundrechte, auf die sie sich grundlegend berufen können. Das heißt, SchülerInnen haben keine Basis auf die sie sich bei alltäglichen Problemen stützen könnten. Vorgehensweisen, wie z.B. die Notengebung oder die Mitarbeit im Unterricht sind zwar gesetzlich festgehalten, sie dienen allerdings mehr dazu Abläufe in der Schule zu regeln. SchülerInnen brauchen aber ein Grundgerüst, in dem sie sich bewegen können. Deshalb fordert der VSStÖ eine schülerInnenfreundliche Schule, in der SchülerInnen aktiv mitgestalten können. Außerdem wollen wir eine Schwächung der DirektorInnen zugunsten von Kollegialorganen. So wollen wir ein Kollegialdirektorat in dem alle an der Schule vertretenen Gruppen gleichberechtigt beteiligt sind. Seit 2002 gibt es im Rahmen der Hausordnung die Möglichkeit, Verhaltensvereinbarungen zu beschließen. Der VSStÖ fordert die Abschaffung dieses Erziehungsmittels und schlägt den Klassenrat als Koordinationsgremium zwischen LehrerInnen und SchülerInnen vor. Dort sollen SchülerInnen einer Klasse mit der jeweiligen Lehrperson Unterrichtsmethoden und Schwerpunkte im Lehrplan besprechen.
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