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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Weil Service und Politik kein Widerspruch sind
Warum nicht beides? Eine ÖH muss sowohl Informationen bereitstellen, als auch eine kämpferische und politische Vertretung gewährleisten.
In den letzten Wochen vor den ÖH-Wahlen wird StudentInnen vor allem von konservativen Gruppen eine Frage gestellt: „Wollt ihr Service oder Politik?“ Geschickt als Entweder-Oder-Möglichkeit getarnt, verschleiert diese Entscheidungsfrage das eigentliche Verhältnis zwischen diesen beiden Schlagwörtern. Service braucht Politik. Im Falle von engagierter und ehrlicher Studierendenvertretung führt Service sogar zu Politik. Warum das so ist, soll dieser Artikel beantworten.
Service...
Unter dem Begriff Service werden im Allgemeinen Beratungsmöglichkeiten für StudentInnen verstanden. Darunter fallen beispielsweise auch Broschüren, die über die aktuelle rechtliche Situation Auskunft geben. Was auf den ersten Blick als unpolitische Ansammlung von Informationen daherkommt, ist das Ergebnis von Grundsätzen und Überzeugungen. Es stellt sich die Frage, wer welche Informationen benötigt. So ist Kindern von AkademikerInnen meistens schon lange vor der Inskription klar, worin der Unterschied zwischen einem Proseminar und einer Vorlesung liegt. Ältere Geschwister oder FreundInnen, die bereits studieren, helfen bei der Entzifferung von Studienplänen oder der Anmeldung für Lehrveranstaltungen. Wenn diese sozialen Netzwerke fehlen, wird einiges beschwerlicher. Was manchen selbstverständlich erscheint, kann für Angehörige bildungsfernerer Schichten ein Felsbrocken am Weg zum Uni-Zugang sein. Ein anschaulicheres Beispiel ist das Stipendiensystem. Wer von den Eltern ausreichend finanziell unterstützt wird, muss sich nicht mit Beihilfen auseinandersetzen. Grob gesagt trägt Service als konkrete Hilfe dazu bei, soziale Unterschiede auszugleichen und die universitäre Welt ein wenig gerechter zu machen, was eindeutig als politisches Ziel zu verstehen ist.
Welche politischen Ansichten vertreten werden, sind an der Auswahl von Serviceangeboten erkennbar. Denn unterschiedliche politische Überzeugungen führen zu unterschiedlichen Auffassungen darüber, welche Materialien notwendig sind. Aus antisexistischem Bewusstsein können Leitfäden zu geschlechtergerechter Sprache resultieren. Engagement für sozial Schwache muss Ausfüllhilfen für Beihilfenformulare oder Sozialbroschüren zum Ergebnis haben, in denen das Stipendiensystem verständlich erklärt wird. Antirassismus hingegen führt zur Forderung nach fremdsprachigen Informationsangeboten.
Im Allgemeinen fängt Service also beim Erkennen eines Problems an und endet bei einer konkreten Hilfestellung. Da Konservative sich vor allem dadurch auszeichnen, Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten zu ignorieren, kann davon ausgegangen werden, dass die Bandbreite von Servicematerialien bei linken Gruppierungen größer ist. So erarbeitete beispielsweise eine linke Exekutive, bestehend aus VSStÖ und GRAS, auf der ÖH-Bundesvertretung eine Vielzahl von Broschüren zu sozial- und bildungspolitischen Themen. Nachdem im Sommer 2008 diese beiden Fraktionen in die Opposition gedrängt wurden und die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft deren Aufgaben übernahm, dauerte es Monate bis eine dieser Broschüren aktualisiert wurde. Um diese Lücke zu schließen und Studierenden Antworten zu geben, startete der VSStÖ im vergangenen Semester eine Beratungsoffensive. Die bereits bestehende Sozialbroschüre wurde ausgebaut und eine Service-Hotline eingerichtet.
...führt zu Politik!
Service ist wichtig und hilfreich, muss sich aber darauf beschränken die aktuelle Situation zu erklären und bleibt damit Symptombekämpfung. Die Ursachen liegen im politischen Bereich. Beratung vergegenwärtigt Gespräch für Gespräch, dass die eigenen Probleme keine Einzelschicksale sind. So ist ein Minus am Konto, wenn es vielen so geht, wohl auf die Lücken in der sozialen Absicherung von StudentInnen zurückzuführen. Konsequente Studierendenvertretung muss schließlich dazu führen, selbst Forderungen zu formulieren und Lösungen zu finden. Aus diesem Grund entwickelte der VSStÖ das Konzept des Grundstipendiums oder einen frauenpolitischen Aktionsplan. Diese Vorgehensweise stellt den Kern von Politik dar: Vorschläge ausarbeiten und sich dafür einsetzen, damit die aktuelle Situation verbessert wird.
Dabei steht die Universität nicht außerhalb der Gesellschaft. Bildungspolitische Maßnahmen verändern die politische Gesamtsituation. Ebenso haben gesellschaftliche Prozesse Auswirkungen auf Lehre und Forschung. Aus diesem Grund spricht sich der VSStÖ dafür aus, das allgemeinpolitische Mandat wahrzunehmen. Das heißt, dass die ÖH das politische Geschehen kommentiert und kritisiert, weil wir Teil der Gesellschaft sind und mündig genug, unsere Vorstellungen von der Welt, in der wir leben, zu vertreten.

