Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Unbeschränkt studieren!

Wissenschaftsminister Hahn hat bereits im Jahr 2008 unter dem Deckmantel der „qualitativen Zugangsbedingungen“ Zugangsbeschränkungen für Masterstudien angekündigt. Der VSStÖ bekämpft diesen neuen Anlauf zur Elitenbildung entschieden.

Zugangsbeschränkungen sind radikal sozial selektiv. Das ist eine national wie international vielfach belegte und untersuchte Tatsache. Jede zusätzliche Ebene und jede zusätzliche Hürde vor und im Studium sorgt bei allen strukturell benachteiligten Gruppen für einen überproportional starken Drop-Out. Dies sind insbesondere einkommensschwache Schichten, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund.

Zahlen, Daten, Fakten

So lag der Frauenanteil bei Erstzulassungen zu Bachelorstudien an öffentlichen Universitäten im Wintersemester 2008/09 bei 57,1 Prozent, bei Masterstudien dagegen waren es nur noch 55 und bei den Erstzulassungen zu Doktoratsstudien lag der Frauenanteil nur noch bei 40,4 Prozent. Oder: auf 1 000 Väter mit Lehrabschluss kommen pro Jahr 7,9 erstmals an einer Uni zugelassene Kinder, auf jene mit Matura 26,9 und auf jene mit akademischem Abschluss 42,9.

Wie kommt das?

Es könnte angenommen werden, dass das staatliche Bildungssystem doch weitgehend alle gleich behandelt. Genau da liegt aber der Hund begraben: Denn strukturell benachteiligte Gruppen wurden auf diese Anforderungen von der Gesellschaft viel schlechter vorbereit. Sei es durch traditionelle Rollenbilder im Schulsystem, unzureichende Förderungen im Sprachbereich oder diverse ökonomische Benachteiligungen (z.B. ist Nachhilfe für viele Familien nicht leistbar).

Hinzu kommt noch das unterschiedliche Bildungsverständnis in verschiedenen sozialen Schichten. Und ein ArbeiterInnenkind kann weder  akademische Umgangsformen, Sprechweisen, Gesprächsinhalte noch ein entsprechendes Vokabular vorweisen. Dieser Selektion kann nur durch den Abbau von Bildungshürden und durch gezielte Förderung entgegengewirkt werden. Dass hier nur eine flächendeckende ganztägige Gesamtschule strukturell Abhilfe schaffen kann, ist klar.

Der Hochschulzugang muss frei sein!

Ein gerechtes staatliches Bildungswesen darf daher im Hochschulbereich keine Beschränkungen erlauben. Aber die von Wissenschaftsminister Hahn geplanten „Orientierungsphasen“ für Bachelorstudien werden nichts anderes sein als ein Studienbeginn voller Knock-Out Prüfungen, wie es z.B. an der Wirtschaftsuniversität schon längst zu beobachten ist. Orientierung gibt so eine Eingangsphase sicher nicht, vielmehr wird versucht Studierende aus der Uni zu hinauszudrängen. Eine gute Orientierungsphase sollte unserer Meinung nach junge Menschen motivieren, ein Studium zu beginnen. Keinesfalls darf sie zum universitären Spießrutenlauf werden, der dann auch noch Voraussetzung für das weitere Studium sein soll.

In den Master-Studien plant Hahn „qualitative Zugangsbedingungen“. In Anbetracht der niedrigen AkademikerInnenquote Österreichs im OECD-Vergleich und der Barriere, die jede zusätzliche Beschränkung für die wissenschaftliche Karriere von Frauen bedeutet, wohl ein Schuss ins Knie. Zweck dieser „Zugangsbedingung“ ist klar: Während der Bachelor als Bildungstitel der breiten Bevölkerung eingeführt wird, soll der Master doch nur jenen vorbehalten sein, die auch wirklich „gut genug“ sind – der Elite. Wir, der VSStÖ, machen dabei nicht mit und werden uns gegen jegliche Form der Zugangsbeschränkungen wehren.

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