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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Studieren heißt...
...Faulheit, Chaos und Nichtstun? Oder doch Leistung, Erfolg und Kaufkraft?
Ein Studium erfordert, in den meisten Fällen, einen eigenen Tages- und Lebensrhythmus. Die Abfolge von intensivem Lernen und weniger anstrengenden Zwischenphasen passt nicht in ein Nine-to-five-Arbeitsschema. Dazu kommt ein eigener Arbeitsprozess und die Beschäftigung mit Fragestellungen, die nicht immer marktwirtschaftlich verwertbar sind und somit gern Gedankenspielerei abgetan werden. Trotzdem oder gerade deshalb finden sich StudentInnen als gesellschaftliche Gruppe nicht selten in medialen Debatten wieder. Wie aber werden sie dargestellt? In welche Klischees und Schubladen werden sie gezwängt?
Schublade BummelstudentIn
„BummelstudentIn ist die umgangsprachliche Bezeichnung für eine Studentin/einen Studenten, die/der die Freiheiten des StudentInnenlebens nicht dazu verwendet, ihr/sein Studium selbstverantwortlich individuell zu optimieren, sondern den Verlockungen der Möglichkeiten einer intensiven Freizeitgestaltung nachgibt und ihre/seine Studien vernachlässigt.“* Diese Definition findet sich auf Wikipedia und lässt bereits Rückschlüsse auf Attribute zu, die an diesem Klischee haften. Eine Bummelstudentin zieht offensichtlich das Vergnügen der Arbeit vor. Sie nutzt die Chancen nicht, die sich ihr bieten, und schadet damit ihrer beruflichen Laufbahn. Die Möglichkeit ist da, der Wille aber nicht. Kurz gesagt: BummelstudentInnen sind faul. Weil ihnen jegliche Arbeit fremd ist, liegen sie der restlichen Gemeinschaft auf der Tasche. Doch im Gegensatz zu anderen harmlosen Ärgernissen wie Arme oder Kranke, haben BummelstudentInnen etwas Gefährliches an sich. Die Ablehnung, das Studium zu „optimieren“ ist eine Verweigerung des gesellschaftlichen Aufstiegs und somit auch der Bereitschaft zu Leistung und individuellem Erfolg. BummelstudentInnen stehen damit abseits dieser neoliberalen Prinzipien.
Die ultimative Zielgruppe
Das gegensätzliches Bild von StudentInnen vermittelt die Werbewirtschaft. Sie gelten demzufolge als offen, jung und konsumfreudig. Sie setzen sich mit vielen Themen auseinander und haben überdurchschnittliche Gehaltsaussichten. Sie sind die TrendsetterInnen der Gegenwart, die Elite der Zukunft, dementsprechend ambitioniert und leistungsfähig. Zusätzlich treffen StudentInnen in vielen Bereichen ihre ersten eigenständigen Kaufentscheidungen. Wer es schafft sich in dieser Phase als bevorzugte Marke zu profilieren, profitiert davon Jahrzehnte lang. So ist es kein Zufall, dass zu Semesterbeginn vor allem Banken, Handytarife und Zeitungen den Weg zur Uni zum Hindernislauf machen.
Also wie jetzt?
Zwei Idealtypen, die auf den ersten Blick als völlig unvereinbar wirken, sind doch vielmehr zwei Seiten der gleichen Medaille. Während auf Plakaten das positive Vorbild als Elite der neoliberalen Zukunft propagiert wird, fallen andererseits abfällige Bemerkungen über LangzeitstudentInnen, die bloß Geld kosten und Plätze wegnehmen würden. Es scheint so, als wäre der Unterschied zwischen den beiden Bildern der Wille zum Erfolg. Die Voraussetzungen sind die gleichen: Sowohl BummelstudentInnen als auch ambitionierte Leistungsfähige können sich voll und ganz auf das Leben als StudentIn konzentrieren, abseits von zum Beispiel finanziellen Zwängen.
Dabei bleibt im Allgemeinen die soziale Selektion unberücksichtigt. Denn die Leistung allein ist keineswegs dafür ausschlaggebend was mensch erreichen kann, wenn die Startpositionen unterschiedlich sind. Gerade für Frauen, MigrantInnen und ArbeiterInnenkinder ist es schwerer Spitzenpositionen zu erreichen. Wer neben dem Studium arbeiten gehen muss, um die eigene Existenz zu sichern, wird wohl kaum in Mindeststudienzeit fertig werden.
Wie so vieles ist auch dieses Thema komplexer als es scheint: Die Lebensrealität von StudentInnen passt offensichtlich nicht in dieses vorgezeichnete Schwarz-Weiß-Schema, sondern wird durch Graustufen viel besser beschrieben.
* Im Original nicht geschlechtergerecht formuliert.

