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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Speed Kills
Bevor noch alle auf Bachelor-Master umgestiegen sind beginnt für manche schon die zweite Runde Studienplanänderungen.
1999 begründeten einige europäische Staaten den Bologna Prozess. Dessen Ziel ist es bis 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen, in dem sich Studierende, Lehrende und WissenschafterInnen freier bewegen können. Im Zuge dieses Plans wurden in den letzten Jahren auch an der Universität Wien die meisten Studienrichtungen auf das Bachelor-Master System umgestellt.
Kuckuckseier
Die wichtigste Vorgabe für diesesn Transformationsprozess war, dass die zehn Semester Bachelor- und Masterstudium nicht mehr kosten dürfen als die bisherigen acht Semester Diplomstudium. Durch diese Vorgabe des Rektorats, der alle anderen Ziele untergeordnet wurden, kam es zu einigen Veränderungen die mit dem eigentlichen Bologna Prozess nichts mehr zu tun hatten. Eine dieser Änderungen die nichts mit der Schaffung des europäischen Hochschulraums zu tun hat ist die Studieneingangsphase, kurz STEP.
Alle guten Dinge sind 2
Wurde anfangs noch beteuert die STEP diene lediglich der orientierung der Studierenen im Fach und dürfe auf keinen Fall selektieren, sieht es momentan eher nach dem Gegenteil aus. Aktuellstes Beispiel ist eine beantragte Änderung des Studienplans Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Diese sieht vor dass die STEP unterteilt wird in die Module A und B. Beide bestehen aus jeweils drei Lehrveranstaltungen und haben ein Gesamtausmaß von je 15 ECTS Punkten. Modul A ist Vorraussetzung für Modul B und vor erfolgreichem Abschluss der STEP dürfen keine Lehrveranstaltungen aus dem restlichen Studienplan besucht werden. Etwas merkwürdig für eine „Orientierungsphase“ im Studium ist, ss alle Studierende die versuchen wollen innerhalb der Mindeststudiendauer zu bleiben in den ersten beiden Semestern jeweils 15 ECTS Punkte als freie Wahlfächer auf anderen Instituten belegen müssen.
Der Grund dafür ist einfach erklärt. Nur jene Studentinnen und Studenten welche auch alle Vorraussetzungen mitbringen das Studium zu beenden sollen über die STEP hinauskommen, alle anderen innerhalb der ersten beiden Semester abbrechen. Denn für jedeN StudentIn die das Studium nach dem zweiten Semester abbricht verliert die Uni bzw. in weiterer Folge auch das Institut, im Rahmen der Leistungsvereinbahrungen mit dem Ministerium, Geld. Der konkrete Fall Publizistik zeigt zusätzlich noch einen SchildbürgerInnenstreich. Da in den ersten beiden Semestern laut Plan noch die meisten Studierenden sind, sollen diese während der Hälfte dieser Zeit in anderen Instituten geparkt werden. Unnötig zu sagen, dass dadurch das Institutsbudget wenig entlastet werden würden wenn alle Studienrichtungen so vorgehen würden.
Wer hat der hat
Wer hat nun aber die entsprechenden Vorraussetzungen um die Studieneingangsphase zu überstehen? Ein Kritierium findet sich bei einem genaueren Blick auf die Aufgabe. Nur wer alle drei LVs im ersten Semesters erfolgreich absolviert darf im zweiten Semester die Lehrveranstaltungen des Moduls B besuchen. Für manche LVs gibt es nur einen Termin und wer an diesem keine Zeit hat muss leider ein Jahr warten und auf Familienbeihilfe und vermutlich bald auf eine allfällige Studienbeihilfe verzichten. Pech also vermutlich für viele berufstätige Studierende oder solche mit Kindern. Ebenfalls problematisch für Studentinnen und Studenten, ohne AkademikerInnen in der Verwandtschaft, die ihr erstes Semester zu einem großen Teil dafür brauchen werden sich erst einmal auf der Universität zurecht zu finden. Auch sie werden ein Studienjahr und somit (bald) ihre Beihilfen verlieren. Als wäre die Nachricht der OECD Studie „Education at a Glance“, im österreichischen Bildungssystem gäbe es eine extreme soziale Selektion, nie in Österreich angekommen wird in Zukunft die maßgebliche Vorraussetzung für einen erfolgreichen Studienabschluss wieder verstärkt genug Geld sein.
Coming soon
Die Publizistik ist allerdings nur eine von vielen Studienrichtungen in der solche Veränderungen demnächst anstehen werden. Konkret bedroht davon ist aktuell beispielsweise auch die Theaterwissenschaft, deren Curriculararbeitsgruppe sich vermutlich Anfang nächsten Jahres mit der Frage STEP auseinandersetzen wird. Auch hier ist der finanzielle Druck des Rektorats groß und die TheWi wird alle Unterstützung der Studierenden brauchen um hier erfolgreich einen anderen Weg einschlagen zu können.

