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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Freie Bildung - Selbstbestimmung
Von 19.-21. Mai fanden an der Uni Wien Studierenden-Aktionstage statt. In Workshops und Diskussionen setzten sich die StudentInnen mit dem Thema Bildung auseinander. Offensiv unterhielt sich mit Stefan Tacha, einem der TeilnehmerInnen.
Offensiv: Ihr habt für die Aktionstage den Slogan „Freie Bildung – Selbstbestimmung. Eine andere Uni ist möglich“ gewählt. Was sollen sich die Menschen darunter vorstellen?
Der begriffliche Rahmen wurde von uns bewusst so weit gefasst und passt damit auch zum restlichen Konzept der Aktionstage. Ziel war und ist es, dass alle ihre unterschiedlichen Zugänge einbringen und sich am Prozess beteiligen können. Wir wollten einerseits nicht nur die Vermarktwirtschaftlichung und Managementisierung der Universitären kritisieren, sondern dem einen emanzipatorischen Bildungsbegriff entgegensetzen. Andererseits wollten wir mit dem Begriff „Selbstbestimmung“ auch aufzeigen, dass wir nicht vor haben solange zu warten bis die offiziellen EntscheidungsträgerInnen ihre Politik in diese Richtung zu ändern. Wir wollen Alternativen praktisch umsetzen, hier und jetzt.
Offensiv: Du engagierst dich ja bereits seit mehreren Jahren in der ÖH und im VSStÖ. Warum ist diese Veranstaltung gerade jetzt entstanden?
Wir beschäftigen uns zwar, neben vielen anderen Themen, tagtäglich auch mit Bildungspolitik, aber das konkrete Projekt Aktionstage kommt nicht aus der ÖH selbst, sondern aus dem Widerstandscafé. Das Widerstandscafé ist eine Gruppe Studentinnen und Studenten von denen nur ein Teil in Organisationen wie zum Beispiel der ÖH oder dem VSStÖ aktiv ist. Der Kern besteht aus Studierenden der Internationalen Entwicklung, die sich organisiert haben, um für ein eigenes Institut zu kämpfen. Nach und nach sind auch immer mehr Menschen aus anderen Studienrichtungen dazu gestoßen.
Im letzten Jahr gab es außerdem rund um die ÖH bereits einige inhaltliche Veranstaltungen wie beispielsweise das Gramsci Symposium letzten Dezember oder den 1968er Kongress Anfang Mai in Berlin. Die dort entstandenen Diskussionen haben gezeigt, dass es wichtig ist, die Probleme an den einzelnen Instituten in einem größeren Kontext zu betrachten. Aus dieser Bewegung heraus ist die Motivation der Gruppe entstanden, sich an unserer Universität Raum zu nehmen und mit anderen gemeinsam alternative Bildungskonzepte zu verwirklichen.
Offensiv: Kam es dabei zu Konflikten mit der Universitätsleitung?
Der Plan war, den Campus drei Tage lang für unser Vorhaben zu beanspruchen. Es gab die Idee Hörsäle zu besetzen, aber wir haben uns dazu entschlossen die Workshops, Diskussionen, Filmvorführungen, etc. in den Höfen zu machen, um den anderen Studentinnen und Studenten ein positives Bild unserer Idee zu vermitteln. Obwohl wir uns vorgenommen haben keine Lehrveranstaltungen zu stören, waren wir im Vorfeld doch etwas nervös. Nach der gewaltsamen Räumung des besetzten Hauses in der Spitalgasse durch die Polizei nur wenige Wochen zuvor, hatten wir Angst es könnte uns ähnlich ergehen. Aus diesem Grund haben wir das Rektorat noch am Morgen des ersten Tages in einem Brief über unser Vorhaben informiert. Wir haben gehofft, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung von Studierenden mit dem Thema Bildung zumindest toleriert werden würde und so kam es dann zum Glück auch. Selbst als wir aufgrund des schlechten Wetters ins Hörsaalzentrum ausweichen mussten, wurde das von der Universitätsleitung akzeptiert.
Offensiv: Das Wetter hat euch ja schlussendlich ziemlichen im Stich gelassen? Es hat die ganzen drei Tage durch geregnet.
Ja, das war wirklich schade. Viele StudentInnen dachten zuerst das Projekt würde wegen dem Wetter sprichwörtlich ins Wasser fallen. Aber wir haben es geschafft für alle Veranstaltungen Ersatzorte zu finden. So konnten wir einen Großteil der über 40 Workshops trotz des schlechten Wetters durchführen. Und nachdem sich bei den Studierenden herumgesprochen hatte, haben sie sich auch zahlreich daran beteiligt. Am letzten Tag waren in jedem Workshop bereits mehr als 20 TeilnehmerInnen, beim Abschlussfest war alles gesteckt voll.
Was würdest du sagen war der konkrete Erfolg der Aktionstage, was habt ihr damit erreicht?
Uns ist völlig klar, dass wir mit den drei Tagen nicht die Welt revolutioniert haben. Aber wir haben aufgezeigt, dass es für Bildung andere Möglichkeiten als die momentan vorherrschenden gibt und dass es möglich ist Bildung selbst zu gestalten. Diese Perspektive hat wieder neue Menschen dazu gebracht ihr Umfeld aktiver und kritischer mit zu gestalten anstatt immer nur zu konsumieren. Einige von ihnen wollen sich in Zukunft sogar am Widerstandscafé beteiligen. Alle diese Erlebnisse haben vor allem auch uns motiviert in den kommenden Wochen bis zu den Ferien und danach weitere Aktionen und Veranstaltungen zu organisieren.
Falls du dich selbst beteiligen möchtest oder Infos zu aktuellen Veranstaltungen suchst:www.freiebildung.atwww.oeh-univie.ac.at

