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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Lieber gleichberechtigt!
Mit den Bildungsreformen der 1970er Jahre wurde der Grundstein für einen höheren Frauenanteil an Österreichs Universitäten gelegt. Der Frauenanteil unter den StudienanfängerInnen ist mittlerweile auf mehr als 50% angestiegen. Diese Tatsache kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Frauen im Bildungsbereich noch immer oder wieder vermehrt durch die Auswirkungen der schwarz-blauen Regierungspolitik starken Benachteiligungen ausgesetzt sind. Bei der Einführung der Studiengebühren 2000 wurde systematisch die massive Erhöhung des Frauenanteils bei Studierenden seit den 70er Jahren (1970: 25%, 2002: 52,1% weibliche Studierende) verschwiegen. Die Einführung der Studiengebühren wird mittelfristig immer mehr Frauen aus der Uni drängen, sobald die Entscheidung, wer studieren darf, wieder verstärkt zu einer Frage nach finanziellen Möglichkeiten der Eltern wird.
Frauen in die Technik!
Starke geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich bei der Studienwahl. Frauen drängen überwiegend in geistes- und kulturwissenschaftliche Studien, während ihre männlichen Kollegen vor allem finanziell gewinnträchtigeren technischen Studienrichtungen wählen. Diese Geschlechterdifferenzen sind auf die Geschlechterselektion in Berufsbildenden Höheren Schulen, auf tradierte Rollenbilder, aber auch auf ungenügende Studien- und Berufsberatung zurückzuführen. Wir fordern daher einen starken Ausbau des Studien- und Berufsinformationsangebot im Hinblick auf eine Beratung von Frauen, die an traditionell männlich dominierten Studienrichtungen interessiert sind.
Um Frauen für Studienrichtungen zu gewinnen, die nicht den gängigen Rollenbildern entsprechen, ist eine gezielte Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit über Anforderungen und Chancen eines Studiums von Nöten. So hat beispielsweise das FIT (Frauen in die Technik) – Programm der TU Graz innerhalb kurzer Zeit große Erfolge erzielen können. Um Anreize für solche Programme zu bieten, schlagen wir vor, Studienrichtungen mit sehr niedrigem Frauenanteil besonders finanziell zu fördern, wenn sie es schaffen, den Anteil der Studentinnen zu erhöhen.
Wir treten dafür ein, dass von den einzelnen Instituten und Fachhochschulstudiengängen Ansprechpartnerinnen für interessierte Frauen genannt werden.
In den Berufsbildenden Höheren Schulen ist darauf zu achten, dass Schülerinnen vermehrt die Möglichkeit erhalten, fachspezifische Praktika zu absolvieren. Wir fordern daher die Einrichtung von Praktikumsvermittlungsbörsen an allen BHSen und die besondere Berücksichtigung von Frauen bei der Vergabe dieser Praktika.
An Fachhochschulstudiengängen ist der Frauenanteil mit ca. 25 Prozent besonders niedrig. Vor allem in diesem Segment sind geeignete Maßnahmen zur Frauenförderung zu entwickeln.
Auch im Bereich der Studien- und Lehrinhalte ist auf feministische Wissenschaftstheorien einzugehen. Wenn allerdings drastisch an Budgetmitteln gekürzt wird und Universitäten AbsolventInnen primär für den Arbeitsmarkt „ausbilden“, leiden darunter in erster Linie gendergerechte Lehrinhalte und feministische Forschung. Gender Studies müssen anderen Wissenschaftszweigen gleichgestellt werden und als verpflichtender Lehrinhalt in allen Studienrichtungen verankert werden. Außerdem treten wir für die Einrichtung einer eigenen Studienrichtung „Geschlechterforschung“ ein. Feministische Frauenforschung/Gender Studies muss budgetär abgesichert und in sämtlichen Studienplänen verankert werden.
Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei – von Frauen...
Seit Einführung der Studiengebühren haben viele StudentInnen ihr Studium abgebrochen. Der Gros der Abbrüche liegt im Bereich der bildungsfernen Schichten, wobei vor allem Frauen aus unteren Bildungs- und Erwerbsschichten stärker vom Studienabbruch betroffen sind. Zudem ist insbesondere der Frauenanteil bei den Doktoratsstudierenden zurückgegangen, das sich nahtlos in die bekannte Tatsache einreiht, dass der Frauenanteil mit jeder universitären Karrierestufe sinkt.
Die patriarchalen Strukturen an Österreichs Universitäten machen es für Frauen besonders schwierig, eine universitäre Laufbahn einzuschlagen. Etablierte Männerseilschaften funktionieren immer noch prächtig und sind allgegenwärtig. Während der Frauenanteil unter den StudienanfängerInnen auf über 52% angestiegen ist, liegt die Zahl der Absolventinnen nur mehr bei 50% Immerhin, denn der Anteil der Frauen beim wissenschaftlichen Nachwuchs steht dazu in keinem Verhältnis: 31,4% bei den AssistentInnen, ganze 6,8% bei den ProfessorInnen. Die starke Dominanz von Professoren zeigt sich auch im Universitätsgesetz 2002. Gerade in der Autonomie der Universitäten verlieren Frauen Gestaltungs- und Mitsprachemöglichkeiten, da sie auch auf der Ebene der Hochschulgremien sowie bei leitenden Verwaltungspersonal quantitativ unterrepräsentiert sind. Daher muss Gleichstellung der Geschlechter als Querschnittsaufgabe und als Gemeinschaftsaufgabe in den Hochschulablauf und in die Hochschulentwicklung integriert werden, Gleichstellung ist Strukturpolitik, die die gesamte Organisationsentwicklung an Hochschulen erfassen muss.
Die gläserne Decke in der Männerdomäne Universität muss durch positive Diskriminierung von Frauen und durch die Förderung von Frauen von Beginn an ihrer wissenschaftlichen Karriere durchbrochen werden. Wir fordern die Quotierung von universitären Gremien, die Personalentscheidungen treffen und bessere Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten für die Gleichbehandlungsbeauftragten.
Wir treten überdies für eine sofortige Abschaffung der Habilitation ein. Diese Voraussetzung für eine Professur ist international nur mehr in wenigen Ländern üblich und stellt eine weitere Zäsur in der wissenschaftlichen Karriere von Frauen dar.
Publikationen und Lehrtätigkeiten junger Wissenschafterinnen sollen außerdem aus eigenen Budgettöpfen gefördert werden, weil sie nach wie vor mit besonderen Hürden konfrontiert sind.
Wir müssen daher vehement für eine Feminisierung der Bildungspolitik eintreten und für diese kämpfen. Daher ist es wichtig, die tatsächliche Ungleichbehandlung aufzudecken und zu bekämpfen. Das kann jedoch nur gelingen, wenn Frauen eine starke Lobby haben.
Gegen Willkür und Diskriminierung
Auch sexuelle Diskriminierung und Belästigung sind an Österreichs Universitäten keine Seltenheit. Deshalb müssen die bestehenden Anlaufstellen ausgebaut und schon in den Orientierungslehrveranstaltungen vorgestellt werden.
Die Willkür von Professoren ist oft gegenüber Frauen besonders drastisch. Gerade auch deswegen fordern wir ein wirksames Einspruchsrecht bei der Beurteilung von Prüfungen.
- Neoliberalismus in der Bildung
- Studentische Mitbestimmung
- Universitätsgesetz 02
- Studiengebühren
- Strukturreform
- Forschung
- Angebote und Infrastruktur der Universitäten
- Studiensystem, Europäischer Hochschulraum und Bakkalaureat
- Fachhochschulen, Akademien und Privatuniversitäten
- Soziale Absicherung

