Seite drucken
Seite als PDF herunterladen
Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Fachhochschulen, Akademien und Privatuniversitäten
Die Fachhochschulen erfreuen sich seit ihrer Gründung in Österreich wachsender Beliebtheit und haben stetige Zuwachsraten. Durch ihre starke Praxisorientierung und relativ strikte und verschulte Didaktik sprechen Fachhochschulen auch und gerade sogenannte bildungsferne Schichten und Menschen, die nicht den traditionellen Bildungsweg eingeschlagen haben, vermehrt an. Dies und die dezentralen Standorte in Österreich tragen dazu bei, die AkademikerInnenquote maßgeblich zu steigern.
Diese Qualitäten haben aber auch ihren Preis: Fachhochschulen betreiben eine Studienplatzbewirtschaftung, die dem freien und offenen Hochschulzugang widerspricht. Damit werden Fachhochschulen automatisch sozial selektiv und erzielen deshalb eine bildungspolitisch kontraproduktive Wirkung.
Wir fordern daher, dass der freie und offene Hochschulzugang auch für die Fachhochschulen uneingeschränkte Geltung erhalten muss – dass bedeutet den vermehrten Ausbau von Fachhochschulstudiengängen mit großer Nachfrage statt deren rigorosere Beschränkung. Wir treten auch vehement gegen indirekte Beschränkungen des Hochschulzuganges durch an Fachhochschulen übliche Kautionen, Unterrichtsbeiträge usw. auf.
Die starke Praxisorientierung hat die Kehrseite, dass an Fachhochschulen keine eigene Forschung betrieben wird - so ist es etwa auch nicht möglich, an einer Fachhochschule ein Doktoratsstudium zu betreiben. Was in der Realität häufig dazu führt, dass sich Fachhochschulen das theoretische Wissen über externe Lehrende aus den Universitäten „einkaufen“, was wiederum zu unbefriedigenden Situationen an den Universitäten führt. Universitätslehrende vernachlässigen ihre Lehrverpflichtungen an den Unis, nutzen aber deren Infrastruktur und beziehen weiterhin das volle Gehalt zusätzlich, während sie an Fachhochschulen unterrichten. Wir schlagen vor, dass sich Universitätslehrende für ein Jahr teilkarenzieren lassen können, um an einer Fachhochschule zu unterrichten. Während dieser Zeit soll ihr Arbeitsplatz an der Universität zwar gesichert, das Gehalt aber auf einen Teil beschränkt sein.
Die Einrichtung von neuen Fachhochschul-Studiengängen wird zumeist ausschließlich von der Wirtschaft diktiert, was zur Folge hat, dass die AbsolventInnen von Fachhochschulen teilweise eine zu spezielle und an die Bedingungen eines zu geringen Berufsfeld angepasste Ausbildung erhalten. Wir fordern die gleichberechtigte Mitsprache von Wirtschaft und Gesellschaft, von Lehrenden und Studierenden, um gesamtgesellschaftlichen Nutzen und Relevanz von Fachhochschulen zu garantieren. Das bedeutet den Einbezug des Staates, der ArbeitnehmerInnenvertretungen und der Studierenden genauso wie der Wirtschaft bei der Erstellung neuer Studienpläne.
Ein weiterer großer Schwachpunkt der Fachhochschulen ist, neben ihrer Funktion als Spielball lokalpolitischer Interessen und des zu starken Wirtschaftseinflusses auf den Lehrbetrieb, dass Demokratisierung nur mangelnd vorhanden ist und Partizipation in allen Entscheidungsebenen fehlt. Die Studierendenvertretung ist allzu häufig vom goodwill der Fachhochschulerhalter abhängig und dadurch alles andere als politisch und finanziell unabhängig. Überdies gibt es keine bundesweite Struktur der Fachhochschulstudierendenvertretung, was deren Stimme bedeutend schwächt. Die Fachhochschulen sollten ab 2000 in die Österreichische HochschülerInnenschaft eingegliedert werden, in letzter Minute verhinderten die Freiheitlichen jedoch diese Änderung. Das bedeutet, dass die Studierendenvertretung weiterhin von den FachhochschulerhalterInnen abhängig sein wird.
Der VSStÖ setzt sich für eine gesetzliche Vertretung für die FH-Studierenden und die Unabhängigkeit der Vertretung der Fachhochschulstudierenden vor Ort ein. Auch aus demokratiepolitischen Gründen ist es dringend notwendig, die politische Interessensvertretung der Fachhochschulstudierenden zu sichern. Wir schlagen dafür ein der Vertretungsstruktur an den ebenfalls berufsbildenden Pädagogischen Akademien analoges System vor. Die lokalen Vertretungen sollten analog den Pädagogischen Akademien in die Österreichische HochschülerInnenschaft eingebunden werden. Die ÖH würde dann die Interessen aller Studierenden Österreichs integrieren und betreuen, sie bündeln und vertreten.
Während der Anteil aus sozial schwächeren Schichten bei Fachhochschulen weit höher liegt als bei Universitäten, liegt der Frauenanteil lediglich bei ca. 36%. Wir treten daher dafür ein, besondere Maßnahmen zur Hebung des Frauenanteils zu setzen. Dazu gehören eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für Frauen, die Interesse an Fachhochschulen zeigen und der Einbezug frauenspezifischer Lehrinhalte in die Studienpläne.
Da es durch den verschulten Charakter von Fachhochschulen unmöglich ist, neben dem Studium einer Berufstätigkeit nachzugehen, fordern wir den Ausbau von Lehrgängen für Berufstätige.
Gemeinsame Zukunft für Unis und Fachhochschulen.
Die Erfolge der Fachhochschulen führten in den letzten Jahren oft zu einem ungleichen Konkurrenzkampf zwischen Universitäten und Fachhochschulen. Die Folge davon waren Verschulungsbestrebungen der Universitäten und Vorstöße hin zu einer stärkeren Wirtschaftsanbindung. Bisheriger Höhepunkt dürfte die Einführung des ebenfalls stark praxisorientierten Bakkalaureats an den Universitäten gewesen sein. Diese Konkurrenz treibt die Universitäten in eine klassische „no-win-situation“: Aufgrund ihrer Organisation und ihres Anspruches können die Universitäten nicht mit dem Angebot der Fachhochschulen konkurrieren.
Vielmehr bedarf es stärkerer Bestrebungen zur Zusammenarbeit und gemeinsamen Konzeption, um eine gegenseitige inhaltliche Befruchtung in beiderseitigem Interesse zu gewährleisten. Dazu gehört ein gemeinsames bildungspolitisches Gesamtkonzept für den postsekundären Bildungssektor, in dem die Bildungsziele, angestrebte Studierendenanteile und die konkreten Aufgaben von Universität, Fachhochschule und Akademie festgeschrieben werden sollen, um eine Entwicklung aller Institutionen im gesamtgesellschaftlichen Interesse, und nicht als Folge eines ungleichen Konkurrenzkampfes zu garantieren. Ein Konkurrenzkampf ist ressourcenvergeudend, da Fachhochschulen per definitionem berufsbildend und Universitäten berufsvorbildend und auf eine wissenschaftliche Laufbahn vorbereitend sein sollten. Gemeisnam ist ihnen die Bildung der Studierenden – daher liegt es auch hin staatlicher Verantwortung, für die Rahmenbedingungen im gesamten tertiären Bildungsbereich zu sorgen.
Wir schlagen außerdem vor, die Möglichkeit des Studierendenaustausches anzubieten. In diesem Rahmen könnten Studierende einer Fachhochschule eine Prüfung an einer Universität ablegen, genauso wie die Möglichkeit für Universitätsstudierende bestehen soll, mit FachhochschülerInnen gemeinsame Projekte zu erarbeiten.
Momentan zählt an Fachhochschulen erbrachte Leistung an den Universitäten überhaupt nicht und umgekehrt. Grundsätzlich muss die gegensätzliche Anrechenbarkeit gesetzlich gewährleistet werden.
Darüber hinaus soll an den Fachhochschulen alternativ zu verpflichtenden Praktika die Möglichkeit angeboten werden, Forschungspraktika an den Universitäten zu besuchen.
Zusammenarbeit mit Akademien
Auch bei den Akademien sind Bestrebungen zu forcieren, die Zusammenarbeit mit den Universitäten auszubauen und dort, wo Ausbildungen parallel laufen, eine einheitliche universitäre Ausbildung zu garantieren.
Das gilt vor allem für die LehrerInnenausbildung. Ziel ist eine einheitliche Ausbildung aller LehrerInnen unter der Prämisse einer optimalen pädagogischen und wissenschaftlichen Ausbildung, die die LehrerInnen jederzeit befähigt, neuere Entwicklungen nachzuvollziehen und zu vermitteln. Während an den Pädagogischen Akademien die didaktische Ausbildung gut ist, mangelt es bei der theoretischen Fundierung grundlegend. Bei den Universitäten ist es umgekehrt. Lehramtsstudierende haben eine gute theoretische Bildung, aber wenig didaktische Ausbildung. Deshalb fordern wir die universitäre Verankerung der gesamten LehrerInnenausbildung, um Didaktik und Theorie wieder zu vereinen.
Der gesellschaftspolitische Anspruch des VSStÖ beinhaltet auch die Forderung nach der Zulassung körper- und sinnesbehinderter Menschen zum Studium an einer Pädak. Wenn in der Pflichtschule Integration passiert, muss es auch in der LehrerInnenausbildung so sein.
Wir werden auch auf die Verwaltung der Akademien Druck machen, um – wie gesetzlich vorgesehen – sinnvolle Anwesenheitsregelungen zu schaffen. Oft wird an Pädaks mangelnder Inhalt in den Lehrveranstaltungen durch hohe Anwesenheitsforderungen kompensiert. Das erschwert den Studierenden, an anderen Dingen in ihrem Leben außerhalb des Studiums nachzugehen, egal ob es sich um die Pflege von Kindern oder einen Job geht. Ein PA- Studium muss auch berufsbegleitend möglich sein.
„Weltklasse“- Bildungswesen: Die Privatuniversität
Die Möglichkeit in Österreich Privatuniversitäten einzurichten, wurde 1999 mit dem Universitäts-Akkreditierungsgesetz geschaffen. Eine Privatuni darf zwar keine Bundesförderungen beziehen, allerdings kann die öffentliche Hand Verträge mit einer akkreditierten Universität über die Erbringung bestimmter Leistungen in Lehre und Forschung abschließen. Einzelne Privatuniversitäten werden auch massiv von Land oder Gemeinde gefördert.
Für uns sind Privatuniversitäten mit ihren teils horrenden Studiengebühren Teil eines neoliberalen Bildungskonzepts, das Bildung und Wissenschaft nicht als gesellschaftliche Aufgabe, sondern als durch möglichst viel Konkurrenz zu gestaltenden Markt definiert. Privatuniversitäten erfüllen keinen gesellschaftlichen Auftrag zur Förderung von sozialer Gerechtigkeit im Bildungszugang. Sie bieten auch keine kritische Forschung und dienen allein zur Ökonomisierung des Bildungssektors.
Wir lehnen deshalb Privatuniversitäten als Beitrag zur Elitenförderung ab. Privatunis wirken sozial und finanziell selektiv.
- Neoliberalismus in der Bildung
- Studentische Mitbestimmung
- Universitätsgesetz 02
- Studiengebühren
- Strukturreform
- Forschung
- Angebote und Infrastruktur der Universitäten
- Lieber gleichberechtigt!
- Studiensystem, Europäischer Hochschulraum und Bakkalaureat
- Soziale Absicherung

