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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Universitäten und Faschismus
In Österreich gab es bereits lange vor dem Austrofaschismus und dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich faschistische und antisemitische Tendenzen.
Bereits in den 1920er und- 30er-Jahren war die Universität ein Ort, an dem Ausgrenzung und Diskriminierung zum Alltag gehörten. Ausgehend vor allem von deutschnationalen Studentenverbindungen richtete sich die Repression gegen jüdische und linke StudentInnen und ProfessorInnen. Lehrende mit jüdischem Hintergrund wurden angefeindet und deren Lehrveranstaltungen boykottiert. Wie gefährlich und brutal das universitäre Leben sein konnte, zeigt der Tod des Philosophen Moritz Schlick, der 1936 an einem der zentralsten Punkte der Universität Wien von einem Studenten erschossen wurde. Vor allem die öffentlichen Reaktionen auf diesen Vorfall offenbarten den tief in der Gesellschaft verankerten Antisemitismus. Faschistisches Gedankengut musste also nicht in die Universitäten getragen werden, es war dort schon vorhanden!
Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 kam es an den Universitäten zu einer großen Welle von Entlassungen, die sowohl DemokratInnen, als auch AustrofaschistInnen betrafen.
An den Fakultäten für Jus und Medizin der Uni Wien wurde der Lehrkörper sogar mehr als halbiert. Die Vertreibungen machten auch vor den außeruniversitären Forschungseinrichtungen nicht halt: Der „Wiener Kreis“ und einige sozialwissenschaftliche Gruppierungen wurden zerschlagen. Die Wiener Universitätsleitung kooperierte mit den Nazis und bereits am 22. März 1938 wurden alle ProfesorInnen auf den „Führer“ vereidigt. Einige profi tierten massiv von der neuen Situation, wie zum Beispiel der Professor der Anatomie Eduard Pernopf. Er bekam Leichen von politischen Gefangenen und fertigte damit sehr genaue Bilder des menschlichen Körpers an, was ihm weltweite Bekanntheit brachte.
Ebenso der Tierpsychologe Konrad Lorenz, der die These vertrat, dass Tiere durch Domestizierung entartet werden, genauso wie Menschen durch Zivilisierung. Ein Ansatz, welcher der nationalsozialistischen Ideologie gut ins Konzept passte, weshalb Lorenz mit einem Lehrstuhl in Deutschland belohnt wurde.
Zudem sollte Wien zur „Reichstheaterhauptstadt“ werden, weshalb nach jahrelangen internen Machtkämpfen das Institut für Theaterwissenschaft entstand. Die Biographie des Theaterforschers Heinz Kindermann spiegelt die fehlende Aufarbeitung der österreichischen NS-Vergangenheit wider. Schon vor 1938 zeichnete er sich durch NS-konforme Arbeiten aus, 1943 wurde er Leiter des Instituts. Kindermann wurde 1945 entlassen, doch schon 1954 konnte er seine alte Position wieder einnehmen, die er bis zu seiner Emeritierung 1966 behielt. Erst im Mai 2008 hob sich der Mantel des Schweigens und die ersten Schritte zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit am Institut für Theaterwissenschaften wurden eingeleitet.
Der deutsche Faschismus und die damit verbundene Vertreibung von WissenschafterInnen hatten große Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Wissenschaft. Im Jahr 1938 wurden über 300 Lehrende von österreichischen Universitäten entlassen und durch Nazis ersetzt. Viele davon mussten auch nach der Befreiung Österreichs ihre Lehrstühle nicht verlassen oder sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen.
- Einleitung
- Burschenschaften
- Universität und die Freiheit der Lehre
- Frauenpolitiken
- Medien - Sprache
- Faschismustheorien

