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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Widerstand darf kein Ablaufdatum haben
Selbst wenn Nazis heute unter anderen Namen auftreten, sich “national” oder “patriotisch” nennen, so ist eines klar: Der heutige Rechtsextremismus ist Neofaschismus und damit Fortschreibung derselben menschenverachtenden Ideologie von vor 70 Jahren.
So müssen abwechselnd verschiedene ethnische und religiöse Gruppierungen als „Ersatzobjekt Jude“ herhalten, und selbst wenn diese Nazis noch so offensichtlich in dieselbe Kerbe wie vor 70 Jahre schlagen, sind sie doch akzeptiert und toleriert. Gerade das macht deutlich: Der Widerstand gegen Faschismus ist 70 Jahre nach 1938 immer noch notwendig. Er darf kein Ablaufdatum haben.
Doch von Widerstand gegen die Rechten ist im Moment wenig zu spüren: Anbiederung hier, Verharmlosung dort. Der rechte Rand ist schon längst in der Mitte angelangt und Rassismus kann absolut als Massenphänomen bezeichnet werden. Die Feindbilder des Neofaschismus werden ebenso unrefl ektiert übernommen wie dessen Ideale. Und die Bevölkerung scheint in einem Zustand der völligen Gleichgültigkeit zu verharren - sonst könnte doch ein FPÖ-Plakat mit der Aufschrift „Daham statt Islam“ nirgends länger als zwei Tage hängen. Versteckter, aber genauso vorhanden, ist die ständige Verbreitung des Nazi-Ideals Mutter - es mehren sich in letzter Zeit die Stimmen gegen die unabhängige, starke und feministisch geprägte Frau. Die rechtskonservative Politik der letzten Jahre hat ihren Teil dazu beigetragen und Frauen sukzessive zurück gedrängt. Wir wollen aber nicht dem Ideal einer blonden, mütterlichen und braven Frauen entsprechen müssen - der nationalsozialistische Gehalt solcher Ideale darf nicht unter den Tisch gekehrt werden. Anstatt gezielt den nationalsozialistischen Idealen, dem Fremdenhass und Nationalismus ihren Nährboden zu entziehen, Integrations- statt Ausgrenzungspolitik zu betreiben, ziehen fast alle Parteien los, um auf rechten Stimmenfang zu gehen und neue Ängste und neuen Hass zu schüren.
Die Aufgabe, Faschismus in seinen vielen Facetten zu bekämp fen, ist eine wichtige staatliche Verantwortung und kann nicht nur an Schulen, Jugendzentren und NGOs delegiert werden. Klar, Jugendarbeit ist gerade dann entscheidend, wenn es darum geht, gegen Faschismus zu „immunisieren“. Hand in Hand damit geht aber auch ein striktes Bekenntnis, neonazistische Verbindungen von sämtlichen Strukturen fern zu halten, in denen sich junge Menschen versammeln. Nationalsozialistisches Gedankengut soll erst gar keinen Platz fi nden oder gestreut werden. Wichtig ist natürlich auch ein Umdenken in der Schule. Ausfl üge nach Mauthausen sind nicht genug; kulturelles und gemeinsames Lernen muss gelebt werden, um dem Hass auf Dauer den Boden zu entziehen.
Faschismus ankreiden
Wer aktiv gegen Faschismus auftritt, für die/den muss eines möglich sein: Dinge beim Namen zu nennen, Nazis auch Nazis zu nennen - doch in einer verharmlosenden Gesellschaft wie der unseren werden die schlimmsten Rechten plötzlich zu Lausbuben heruntergespielt. Heribert Schiedel warnt in seinem neuen Buch „Der rechte Rand“ aber vor zu lauten Verbotsforderungen: „Je dämonischer die Neonazis gezeichnet werden, desto leichter können sie auch im Alltag den Beweis antreten, nicht die menschenfressenden Bestien zu sein. Besser ist es, sie so zu zeichnen, wie sie in ihrer ganzen Banalität sind: Angstbeißer und ewige Spießer.“[1]
Eher als solche Spießer und nicht als Springerstiefel-tragende Skins erleben wir sie auch all zu oft in der Universität, oft genug in rauen Mengen. In den Jahren unter Schwarz-Blau/Orange erlebten die Burschenschaften ein neues Hoch: Schließlich saßen plötzlich wieder die Rechten in wichtigen Positionen und konnten den Burschenschaftern damit auch in der Karriere unter die Arme greifen. An manchen Universitäten mehr, an anderen weniger - präsent sind sie immer, und sei es auch „nur“ bei Sponsionsfeiern. Dass Nazis einfach so an den Universitäten ihren fremdenfeindlichen und faschistischen Mist abladen können, muss ein Ende haben, die Universitäten dürfen diesen Studenten keine Aktionsfl äche bieten.
Aber nicht nur unter Studierenden finden sich braune Spuren: Auch die ProfessorInnen und damit die universitäre Lehre sind nicht frei von faschistischem Gedankengut. Dass die Universitäten FaschistInnen in der Lehre akzeptieren, kann kein Dauerzustand bleiben, die Entrüstung darüber muss wieder neu aufl eben. Jeder Student und jede Studentin ist gefragt, sich hier lauthals zu Wort zu melden, Faschismus in der Lehre anzuprangern und dagegen aufzutreten.
Und genau dafür wollen wir mit dieser Zusammenstellung von Texten einen kleinen Beitrag leisten. Die folgenden Artikel geben einen Einblick, wo einem/ einer Faschismus, allen voran an der Universität selbst, begegnet. Ausgangspunkt dafür waren zahlreiche Erfahrungsberichte, die dem VSStÖ in den letzten Monaten im Zuge einer antifaschistischen Initiative zugekommen sind: Studierende berichteten von Zusammenstößen mit Burschenschaftern, von offenem Rassismus in Lehrveranstaltungen, von latentem Faschismus. Und diese Studierenden haben beschlossen, nicht länger still zu sein, sondern Faschismus aufzuzeigen, anzukreiden. Natürlich, Faschismus anzukreiden kann niemals genug sein: Es bedarf eines aktiven Kampfes – unter der Beteiligung möglichst aller.
In diesem Sinne: Wehret den Anfängen.
Dein VSStÖ
- Einleitung
- Burschenschaften
- Universität und die Freiheit der Lehre
- Frauenpolitiken
- Medien - Sprache
- Faschismustheorien
- Universitäten und Faschismus
- Der Fall Borodajkewycz
- Der Ring Freiheitlicher Jugend
- Die Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus
- Die Naturwissenschaften im Nationalsozialismus
[1] Heribert Schiedel: Der Rechte Rand, Edition Steinbauer 2007

