Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

"schade um die Zeit..."

Dieses Semester ist die Publizistik dran und als nächstes? Zugangsbeschränkungen
sind traurige Realität geworden. Nun werden diese endgültig der Willkür des Ministeriums übergeben.

Doch beginnen wir am Anfang der Geschichte: Es gibt in Österreich
ein Gesetz, das Zugangsbeschränkungen in sieben Studienrichtungen erlaubt. Die Fächer sind jene, die in Deutschland ebenfalls beschränkt werden. Nun werden die Studienrichtungen Pharmazie und Biologie aus diesem Gesetz wieder herausgenommen, da kein übergroßer Andrang aus dem Ausland zu bemerken ist. Jedoch wurde der zuständige Minister ermächtigt, per Verordnung Beschränkungen
für „weitere Studien“ festzulegen, wenn „durch die erhöhte Nachfrage ausländischer Staatsangehöriger die Studienbedingungen in diesen Studien unvertretbar
sind“. Der Clou an der Sache: nun ist nicht mehr nur von Biologie und Pharmazie
die Rede sondern von „weiteren Studienrichtungen.“
Somit kann der Minister schalten und walten, wo er will.

Nun sollen hier zwei besonders traurige Details der oben genannten Regelung näher
betrachtet werden:
Die Begründung für die Beschränkung - „unvertretbare Studienbedingungen, herbeigeführt durch ausländische Staatsangehörige“ – klingt vor allem heuchlerisch. Heuchlerisch, weil vorgegaukelt wird, dass „ausländische Staatsangehörige“ an der jahrzehntealten Misere schuld sind; solche Begründungen kennen
wir auch in anderen Bereichen zur Genüge.
Heuchlerisch, weil vorgeblich Probleme der StudentInnen – „unvertretbare Studienbedingungen“ – beseitigt werden sollen, indem Menschen einfach dass Studium verboten wird.

Doch wir dadurch nur ein Problem unserer Unis gelöst? Nein, Probleme kann
mensch nicht beseitigen, mensch kann sie nur lösen: Beispielsweise durch mehr Lehrangebote, mehr Personal, bessere Infrastruktur, etc.

Diese Probleme wurden durch die Zugangsbeschränkungen nicht „beseitigt“: Es ist
auch für keineN der 962 StudentInnen, welche auch im zweiten Semester ihr Publizistikstudium gnädigerweise weiter studieren dürfen, gesichert das Lehrveranstaltungsangebot ihrer/seiner Wahl zu besuchen; nicht einmal ein
Sitzplatz im Hörsaal ist sicher…

Doch was wurde nun wirklich beseitigt, wenn nicht Probleme? Die Antwort ist traurig: Perspektiven. Über tausend junge Menschen werden – im Fall der Publizistik und Kommunikationswissenschaften – mittels vierstufiger Prüfung
über einen Kamm geschoren und hunderte von ihnen daran gehindert,
das Studium ihrer Wahl anzutreten; und dies wird nur der Anfang sein,
wenn die geltende Rechtslage und das ausführende politische Personal dasselbe
bleiben.

Politikwissenschaft, Soziologie, Pädagogik, Kultur- und Sozialathropologie, Philosophie… die Liste der von rechten Recken als „Massenstudien“ oder
„Orchideenfächer“ verunglimpften Studienrichtungen ist lange – mensch darf gespannt sein, welches Institut auf ministerielle Weisung
hin als nächstes in die Fußstapfen der Publizistik zu treten hat.

Zugangsbeschränkungen, Konkurrenzdenken der angehenden StudentInnen, die um
eine willkürlich festgelegte Zahl an Studienplätzen (es sei denn, mir ist entgangen, wie die Anzahl von genau 962 Plätze sinnvoll begründet wurde) kämpfen müssen, eine seltsame Kombination aus Wissen, Leistung und Glück die bei einer „multiple-choice“-Prüfung (die eigentlich nur zwei Möglichkeiten bietet:
alles oder nichts) über einen Teil des weiteren Lebensweges entscheidet – das ist Uni-Politik á la SPÖVP.

Wie Uni-Politik anders aussehen könnte, wurde bereits kurz erwähnt. Doch muss sich für eine Realisierung solcher Ziele Widerstand gegen die „normative Kraft des Sachzwangs“ regen. Denn seit dem 29.10. kenen wir ja die
Einstellung der Regierung, als Minister Hahn über drängende Fragen der österreichischen Bildungspolitik sagte: „Es ist schade um die
Zeit […]“ (Kurier-Interview).

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