Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Datenstriptease bei StudiVZ

Die allseits beliebte Social-Networking-Plattform hat neue Geschäftsbedingungen,
welchen man/frau beim Einloggen ungelesen zustimmt. Im Falle von StudiVZ heißt
das personalisierter Werbung zuzustimmen.

„Nicht weiter tragisch“ werden sich einige denken. „Was soll’s?“ die anderen. GMX macht dies schließlich auch. Den Wenigsten ist bewusst, dass dies bei StudiVZ heißt,
dass sämtliche Daten erfasst und zum Zwecke der Werbung verwendet werden. Angefangen vom Wohnort über die politische Einstellung, bis zu Gruppenzugehörigkeiten. Das Ich auf virtueller Ebene, welches in den meisten Fällen mit dem physischen Ich übereinstimmt, wird völlig durchleuchtet und zum Zwecke des Marketings missbraucht. Das StudiVZ-Profi l ist Marktforschungstool,
Meinungsumfrage und Trendsetter in einem. Generator und Adressat von Werbung
ohne unökonomischen Zwischenschritt. Auf die reale Welt umgelegt, wäre das so, als würden wir unsere Lebensgewohnheiten aufschreiben und jeden Tag an Werbefirmen schicken. StudiVZ ist wie ein Feinkostladen für solche Firmen.

Reproduktion des eigenen Ichs

4 Millionen NutzerInnen und der überwiegende Teil stellt sich und sein ganzes Leben in die virtuelle Auslage. Von Sauf- und Sexgewohnheiten, über intime Bekenntnisse zu Konsumvorlieben aller Art. Das physische Ich reproduziert sich in all seinen Facetten virtuell. Ein StudiVZ-Profil enthält mitunter mehr Informationen über die dahinter stehende Person, als selbst die/der beste FreundIn weiß. Erklärungen, warum Menschen so ungezwungen und
in einer beängstigend gierigen Freiwilligkeit auf ihre Intimsphäre verzichten, sind mannigfaltig. Die berühmten 15 Minuten StudiVZ - Ruhm gehören genauso dazu, wie das Betonen einer pubertären Distinguiertheit vom normalen Rest und auch eine simple Naivität gepaart mit einem kindlichen Aufmerksamkeitsdrang sind Ingredienzien für eine selbst angelegt und verwaltete Datenbank fast aller deutschsprachigen Studis. Doch ist StudiVZ bei weitem nicht die einzige Plattform.

Facebook & Orwell

Der Ursprung heißt Facebook und kommt aus den USA. Auch dort wurde personalisierte Werbung zugelassen. Über 60 Konzerne haben Interesse angemeldet.
Kein Wunder, schließlich zählt Facebook über 50 Millionen NutzerInnen und hat einen geschätzten Marktwert von 15 Milliarden Dollar. (Microsoft hat sich auch schon Anteile gesichert.) Ein Szenario wäre, dass eine Person bei Amazon ein Buch kauft und diese gleich im Facebook-Profil des/der UserIn einen ähnliche Artikel bewerben kann. George Orwell hätte sich dies in seinen wildesten Träumen nicht ausmalen können.

Neben diesem unaufhaltsamen Datenstriptease, kommen bei StudiVZ natürlich auch all die Implikationen die das virtuelle Leben in einer Gemeinschaft hinzu.
Die beunruhigenden Tiefpunkte sind etwa Gruppen in denen nach „heißen“ Photos gesucht werden und die abgebildeten Personen (zumeist weiblich) mit vollem Namen, Uni, Studienrichtung und auch Wohnheimadresse veröffentlicht werden. (die entsprechenden Kommentare natürlich inklusive). Ein besonders ungustiöser Fall ist bei Blogbar (www.blogbar.de) unter dem Titel „700 Stalker und der Datenschutz“ nachzulesen. (sowie weitere spannende StudiVZ- Begebenheiten)
Das physische und das virtuelle Ich sind letztlich nicht zu trennen. Die wenigsten scheinen dies allerdings begriffen zu haben.

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