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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Mittwochs auf der Unirampe
Jeden Mittwoch wollen sich schlagende Burschenschafter in der Aula zum
Mittwochsrummel treffen. AntifaschistInnen versuchen dies regelmäßig zu
verhindern. Aber was ist eigentlich so schlimm daran?
Schlagende Burschenschaften sind exklusive Männerbünde, mit Vorliebe für Fechten, Alkohol und lebenslanger Unterstützung in allen Lebenslagen. Was sie weniger gern haben verdeutlicht ein Zitat aus einem Flugblatt der akademischen BurschenschaftOlympia aus den 1990er Jahren: „Es gibt (…) Spaß mit rassistischen oder wenigstens unappetitlichen Männerwitzen (…) Bist Du häßlich, fett, krank oder fremdim Land, bist Du von Sorgenfalten, Weltschmerz oder linksliberaler Gesinnung gepeinigt,trägst Du alternative oder Schicky-Kleidung oder gar ein Flinserl im Ohr, studierst Du Publizistik, Politologie oder Theologie oder gar nicht, hast Du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin, die weder schön noch still ist, kurz: bist Du auf irgend eine Weise abnormal oder unfröhlich, dann bleib lieber zu Hause, Du würdest sowieso von uns nicht eingelassen werden.“ Mittwochs treffen sie sich in der Aula, ursprünglich um den Siegfriedskopf zu huldigen. Dieser so genannte Mittwochsrummel war schon oft Anlass für antisemitische und gewalttätige Ausschreitungen. Mittlerweile wurde der Siegfriedskopf von Seiten der Universitätzwar nicht entfernt, zumindest aber ins rechte Eck des Arkadenhofs verbannt, wo sich auch ein Info Terminal zu seiner Geschichte befindet.
Arierparagraph und Selbstauflösung
Zur Historie der Burschenschaften muss nun gesagt werden, dass die „Urburschenschaft“ bereits bestimmt, dass „nur ein Deutscher und ein Christ“ Mitglied werden dürfe und bereits 1820 der so genannte „Arierparagraph“ Einzug hielt. Das am meisten schockierende Faktum war die Tarnung und die Gewährung eines Unterschlupfes für die Mitglieder der dazumal noch verbotenen NSDAP, sowie die bis heute propagierte Behauptung einer Zwangsauflösung der Burschenschaften
durch die Partei. Es ist längst klar, dass diese sich feierlich selbst auflösten, um geschlossen in den NSDStB (Nationalsozialistischer Studentenbund)
einzutreten. Die rechtsradikale, kriegsbefürwortende, antisemitische Gesinnung so mancher Burschenschaft äußert sich in vielen Punkten. Sei es zum einen der Ausschluss sämtlicher jüdischer Mitglieder noch vor 1900 zur Erreichung der „Judenreinheit“ oder der weiterhin beständigen Proklamation eines Großdeutschen Reiches, so ist diese zum anderen auch durch die ständige Hetze gegen MigrantInnen gekennzeichnet.
FPÖ Kaderschmiede
In diesem Kontext muss nun auch die gegenwärtige politische Lage der Burschenschaften betrachtet werden. Denn die Burschenschaften kooperieren mehr als offensichtlich mit der ehemaligen Regierungspartei, der FPÖ. Auch deren ÖH-Fraktion, der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), wird beinahe vollständig von Mitgliedern der Burschenschaften gestellt. Der RFS - als kleiner Exkurs – wurde 1952 als eine Art „Sammelbecken“ studentischer Nazis gegründet. In Anbetracht all dieser Tatsachen stellt sich die Frage, weshalb die Legitimität der Burschenschaften nicht stärker kritisiert wird. Zwar wurde auch im Österreich des Jahres 1945 das Tragen von Band und Mütze auf dem Universitätsgelände verboten; sehr bald jedoch wurde dieses Verbot wieder aufgehoben. Konsequente Maßnahmen gegen diesen
ehemals wertvollen Teil der NSDAP, der gegenwärtigals Kaderschmiede der FPÖ dient, gibt es jedenfalls nicht.

