Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Weltklasse Management

Wie Universitäten fit für den Standortwettbewerb gemacht werden. Oder wenn freie Forschung und Lehre, sowie demokratische Mitbestimmung zum Klotz am Bein werden.¹

Europas Universitäten „sind auf einen weltweiten Wettbewerb um Talente,
Prestige und Ressourcen schlecht vorbereitet.“ Dieses Urteil fällt die EU- Kommission in einer Mitteilung zum Beitrag der Universitäten zur Erreichung der so genannten Lissabon-Ziele.² Diese wollen Europa bis 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ machen. Der Beitrag der Universitäten zur Verwirklichung dieser hehren Ziele kann dann gewährleistet
werden, wenn es gelingt drei wesentliche Herausforderungen zu bewältigen:
Erstens bei der Qualität Weltklasse zu erreichen, zweitens die Steuerung, sprich das Hochschulmanagement zu verbessern und drittens die Finanzierung zu erhöhen und zu diversifizieren.³ Nun hat die Europäische Kommission doch gar keine Kompetenzen in diesem Bereich mag frau/man sich nun denken. Doch ein Blick auf die Praxis europäischer Universitäten der letzten Jahre zeigt verblüffenderweise die angewandte Form der Mitteilungen der Kommission. Im Folgenden soll am
Beispiel Österreich skizziert werden, wie sich der neoliberale Umbau der Universitäten vollzieht.

Auf dem Weg zur Weltklasse

Die Universitäten sollen sich ein autonomes Profil schaffen, sich Prioritäten setzen und sich darauf konzentrieren. Was keine Priorität hat, jene Bereiche die vermeintlich kein Weltklasse Potential haben, können beruhigt vernachlässigt werden. Auf der Uni Wien findet sich dieses Denken unter anderem in der Abschaffung von Studienrichtungen, wie zum Beispiel der Pflegewissenschaften,
wieder. Die klassische Volluniversität mit einem umfassenden Studienangebot scheint an ihr Ende gekommen zu sein. Was dies für die Studierenden bedeutet, kann ebenfalls am Beispiel der Pfl egewissenschaften illustriert werden. Denn Pflegewissenschaften können nur mehr in Graz studiert werden, dementsprechend ist der Studienwunsch automatisch mit einem Umzug verbunden.
Auch im Falle der Politikwissenschaft ist im Bildungsdiskurs bereits des Öfteren die Frage aufgeworfen worden ob Österreich es sich „leisten“ kann Politikwissenschaft an drei verschiedenen Standorten anzubieten und ob nicht die Konzentration auf einen einzigen Standort zu mehr „Exzellenz“ führen wird.

New Public Management

Das Universitätsmanagement soll durch die Einsetzung eines Führungsteams „professionalisiert“ werden, dieses soll mit genügend Autorität Managementkapazität, langer Funktionsperiode und Internationaler Erfahrung ausgestattet sein. Dieses Führungsteam soll mit dem Staat mehrjährige
Vereinbarungen zwecks Vereinbarung strategischer Ziele und der dafür zur Verfügung gestellten öffentlichen Mittel verhandeln. Demokratische
Mitbestimmung aller universitärer Gruppen ist hierfür ein Klotz am Bein.
Bürokratisch, unflexibel und innovationsfeindlich. Diese Prinzipien klingen wie eine Schablone für das Universitätsgesetz 2002, in dem die damalige schwarz-blaue Regierung mit einem Handstreich die Universitäten in die Vollrechtsfähigkeit
entlassen hat, die demokratische Verwaltung der Universitäten beseitigt und stattdessen neue Management Organe geschaffen hat. Diese
dürfen sich nun mittels Leistungsvereinbarungen das Budget mit dem Ministerium ausschnapsen.

Public Private Partnership

Summa summarum sollen die Universitätsbudgets erhöht werden, aber nicht durch die Bereitstellung von vermehrt öffentlichen Mitteln, sondern durch verstärkte Kooperation mit der Wirtschaft. Drittmittel zu akquirieren ist die Devise, nach der das Universitätsmanagement nun handeln muss. Dies hat auch den „angenehmen“ Nebeneffekt, dass die Universitäten optimal auf die Bedürfnisse, die das Wirtschaftsleben mit sich bringt, eingehen kann und trägt so tolle Blüten wie
die Förderung einer Professur zu Europäischer Sicherheitspolitik durch EADS (!) an der Politikwissenschaft in Innsbruck.4

„Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei.“ (sic!)

Was das alles noch mit freier Lehre und Wissenschaft zu tun hat scheint mehr als fraglich. Wenn ein von staatlicher Seite eingesetztes Management die Entwicklung der Universität bestimmt, anstatt jene Menschen, die davon betroffen sind. Wenn Wissenschaftsdisziplinen eingestellt werden, nur weil sie nicht ins Profil passen und
geglaubt wird vermeintliche Weltklasse sei damit nicht zu erreichen. Wenn Lehr- und Forschungsinhalte nach ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit gemessen werden, ist Bildung vom Elfenbeinturm in den Markt transferiert worden.

Quellen

1: Zum weiterlesen empfehlenswert: Paulo
Freire Zentrum, Österr. HochschülerInnenschaft
(Hg., 2005): Ökonomisierung der Bildung,
Wien
2: Europäische Kommission (2005): Mitteilung
der Kommission. Das intellektuelle Potenzial
Europas wecken: So können Universitäten
ihren Beitrag zur Lissabonner Strategie
leisten. KOM(2005) 152 endgültig. Brüssel
3: vgl. ebd. S. 3
4: vgl. http://tirol.orf.at/stories/167128/

 

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