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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Wie Männermedien Frauen "produzieren"
Von Kindheit an gibt es eine Sozialisation durch Medien, sie prägen unsere Vorstellung von der Welt und somit unsere Meinung zu vielen Dingen. Als Spiegel von gesellschaftlichen Rollenbildern tragen sie zu ihrer Reproduktion bei. Durch konstantes Wiederholen dieser stereotypen Geschlechtsvorstellungen werden sie von den Medien als Norm präsentiert und entsprechend wahrgenommen sowie übernommen. Das macht es so schwer, diese tradierten Klischees und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft als Problem zu identifizieren und Strategien dagegen zu finden.
Frauen gesucht!
Vielleicht ist es dir schon aufgefallen: In den Nachrichten beherrschen männliche Experten das Bild. Männer kommentieren das Geschehen und stehen selbst meist in dessen Mittelpunkt. Es kommen viel zu wenige Frauen in den Berichten vor, von namentlicher Nennung ganz zu schweigen. Meist ist ihre Rolle auf Betroffene oder Opfer reduziert.
Dies wird durch das Global Media Monitoring Project (GMMP) belegt: Die weltweite Studie untersucht alle fünf Jahre, zuletzt 2005, in über 100 Ländern der Welt die Nachrichten in den Bereichen Fernsehen, Zeitungen und Radio auf ihr Geschlechterverhältnis hin. Dabei wurde die dramatische Unterrepräsentanz von Frauen in den Nachrichten erneut bestätigt:
„Only 21% of the news subjects – the people who are interviewed, or whom the news is about – are female.
Though there has been an increase since 1995, when 17% of those heard and seen in the news were women, the situation in 2005 remains abysmal. For every woman who appears in the news, there are
five men.“
Das Media Monitoring ist ein notwendiges Instrument um die bestehenden Diskriminierungen systematisch festzuhalten und damit angreifbar zu machen. Mit dem gelieferten Datenmaterial kann fundiert gegen Diskriminierungen argumentiert werden und Kritik an Medien unter diesem Aspekt kann nicht mehr als bloße subjektive Wahrnehmung abgetan werden.
Sexistisches Paradebeispiel: Werbung
Frauen und ihre Körper waren für die Medien schon immer ein Mittel zum Zweck, bekannt ist der Spruch „sex sells“. Die Werbeindustrie hat dieses Gebot kultiviert und benutzt ganz offen Sexismus als Kommunikationsmittel.
Daher braucht es eine bundesgesetzliche und auf lange Sicht auch eine europarechtliche Regelung zum Verbot sexistischer Werbung mit entsprechenden Sanktionen. Da es bis dahin allerdings ein weiter Weg sein wird, gäbe es bereits jetzt auf kommunalpolitischer Ebene verschiedene Möglichkeiten, sofort zu handeln.
Beispiele aus anderen Ländern können dabei eine Grundlage für die Arbeit in Österreich bieten: Den Frauenbüros könnte die Kompetenz zugesprochen werden, die Plakate schon vor dem Aufhängen zu begutachten oder zumindest ein Abhängen eines sexistischen Plakats innerhalb von 48 Stunden zu erwirken. Basis für alle Maßnahmen ist jedenfalls ein Kriterienkatalog, der gemeinsam mit ExpertInnen erarbeitet wird.
Die MeinungsmachER?
Das Problem ist auch bei der Geschlechterrepräsentation auf der Produktionsseite zu suchen. Dort sind die Machtverhältnisse klar verteilt: Zwar sind Frauen in wachsender Zahl als Journalistinnen, Moderatorinnen und Redakteurinnen vertreten, die Chefetage ist jedoch weiterhin den Männern vorbehalten.
Schon allein eine kurze Analyse der einzelnen Ressorts in Tageszeitungen im Hinblick auf die Frage „Wer schreibt was?“ lässt eine recht klare Machtverteilung erkennen: Männliche Journalisten dominieren eindeutig bei Wirtschaft und Politik, den Zentralbereichen der medialen Berichterstattung. Journalistinnen werden hingegen vermehrt in die Themenbereiche gedrängt, die Frauen ohnehin klischeemäßig zu interessieren haben: Lifestyle, Mode, Schönheit und Promiklatsch.
Abseits des sogenannten Medienmainstreams gibt es jedoch immer wieder engagierte Projekte um feministische Medien zu machen, diese konnten und können sich jedoch meist nicht etablieren. Hier braucht es ausreichende staatliche Förderungen, um in allen Bereichen einen ernstzunehmenden Gegenpart zu den Massenmedien zu gewährleisten. Denn dort fehlt es an der Darstellung vielfältiger Lebensentwürfe von Frauen und ihren Leistungen.
Magdalena Schrott

