Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Straße brennt

Am ersten Tag der Audimax-Besetzung war die gelungene Raumblockade Erfolg und Zeichen genug. Mensch richtete sich ein und feierte. An Tag Zwei steigerte sich die Dynamik und gipfelte in spontanen, oft auch unüberlegten Aktionen. Der Protest wurde aus dem Audimax wieder auf die Straße geführt, in Form einer 1500 Menschen-Demonstration. Mit der ebenso kurzfristig organisierten Pressekonferenz in den frühen Abendstunden fand diese Phase ihren Abschluss.

Gekommen um zu bleiben

Ab Tag Drei wurde längerfristig geplant und so gründete sich eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Organisation einer Großdemo befassen sollte. Schon während der ersten beiden Tage war klar, dass aufgrund der untragbaren Zustände an den Unis die Audimax-Besetzung von dem Großteil der Studierenden sehr positiv aufgenommen wird.  Die Demo sollte diesem Unmut ein Ventil geben. Wie tief die Unzufriedenheit sitzt, überraschte auch im Audimax. Aus erhofften 10.000 wurden plötzlich über 40.000 Teilnehmer*innen, was in etwa einem Drittel aller Wiener Student*innen entspricht.

Die Menschenmenge sammelte sich an der Rampe der Uni Wien und breitete sich schnell aus.  Die Masse setzte sich in Bewegung, um wenig später am Volksgarten auf den Demo-Zug der TU und der Akademie der Bildenden Künste zu treffen. Die Stimmung war euphorisch und von den engen Gassen des ersten Bezirks hallten die Pfiffe und Sprechchöre wieder zu den Student*innen zurück. Ein kurzer Stopp vor dem Wissenschaftsministerium, viele erstaunte Gesichter in der Innenstadt und schon bog die Spitze der Demo vom Schwedenplatz wieder auf den Ring ein. Zu diesem Zeitpunkt erreichte das Ende gerade den Minoritenplatz. Mit einer Schlusskundgebung und anschließendem musikalischen Programm klang der Abend aus.

Wie weiter? Wie toppen?

Der volle Erfolg der Mobilisierung zeigte, dass nicht nur einige Hundert im Audimax die Forderungen nach dem freien und demokratischen Hochschulzugang unterstützen.  Klarerweise wurde dadurch der öffentliche Druck auf die Politik stärker und das Thema Bildungspolitik noch präsenter. Für die Aktivist*innen stellte sich aber die Frage: „Wie können wir das noch toppen?“ Die Antwort lag nahe, die Proteste auszuweiten, auf weitere Gruppen und Städte. Auch an vielen anderen Uni-Standorten gab es zahlreiche Aktivitäten. Die Herausforderung war diese zu koordinieren. So wurde der 5. November zum bundesweiten Bildungsaktionstag ausgerufen.

Aktionen, Aktionen, Aktionen

An diesem Donnerstag fanden dann auch viele kleinere Kundgebungen statt. Schüler*innen hielten eine Kundgebung ab. Die ÖH-Bundesvertretung riss symbolisch die Regierung aus dem Schlaf. Kurzzeitig wurde sogar die Mensa des Wissenschaftsministerium besetzt. All diese Aktivitäten sollten in einem Sternmarsch durch Wien gipfeln, parallel zu Demonstrationen in Graz, Linz und Salzburg. Wieder waren ca. 25.000 auf den Straßen, was in bildungspolitisch durchschnittlichen Zeiten ein Riesenerfolg wäre. Nach zwei Wochen Audimax-Besetzung veränderten sich aber die Massstäbe. Der Ausnahmezustand wurde beinahe zur Normalität, weshalb die ganz große Euphorie an diesem Donnerstag ausblieb.

Und wieder blieb die Frage nicht erspart: „Wie weiter?“ Eine klare Antwort gibt es  noch nicht, auch wenn die Idee eines Volksbegehrens im Raum steht. Klar ist nur, dass aufgeben nicht in Frage kommt. Es geht weiter, in welcher Form auch immer.

David Fließer

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