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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
unique Schreibwerkstatt
„Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache wir bräuchten die Waffen nicht.“ Sprache ist Macht, das erkannte nicht nur Ingeborg Bachmann, von der dieses Zitat stammt. Wer die Möglichkeit hat in den Medien seine oder ihre Meinung zu vertreten, spielt eine entscheidende Rolle bei demokratischen Prozessen. Wir wollen wichtige bildungs- und gesellschaftspolitische Fragen nicht dem öffentlichen Mainstream überlassen, sondern selbst zur Feder greifen.
Medium.Macht.Meinung.
Ob Kronen Zeitung oder Presse – bis auf wenige Ausnahmen stellen die etablierten Medien keineswegs einen progressiven Faktor dar. Sie reproduzieren unhinterfragte Vorurteile und drängen gesellschaftlich benachteiligte Gruppen noch weiter ins Abseits. So werden zum Beispiel Geschlechterstereotypen festgeschrieben, wenn Männer mit staatstragenden Gesten dargestellt, Frauen währenddessen auf Seite 7 zu Sexobjekten gemacht werden. Dazu kommt oft eine geschlechterspezifische Aufteilung in den Redaktionen. Frauen finden sich vor allem auf den unteren Ebenen der Hierarchie, sowie in Ressorts, die als seicht und unwichtig gelten, wie beispielsweise Kultur. Das Bild wird vervollständigt durch Kommentare und Kolumnen, die feministisches Engagement lächerlich machen. Die mediale Diskriminierung endet jedoch nicht bei der Unterdrückung von Frauen.
Die Art wie Medien Migration thematisieren, trägt dazu bei, ein rassistisches Wir-und-die-Anderen-Bild zu verstärken. Dem guten, österreichischen, anständigen, ehrlichen, steuerzahlenden „Wir“ wird ein konträres und negatives „die Anderen“ gegenübergestellt. Diese willkürlich konstruierte Dichotomie wird verwendet, wenn es heißt, dass „die“ kriminell sind oder sich nicht integrieren wollen. Der Großteil der Medien übernimmt diese Kategorien, wodurch zum Beispiel die Berichterstattung über Kriminalität einen rassistischen
Unterton erhält.
Auch der mediale Diskurs über Bildungspolitik wird verzerrt dargestellt: Neoliberale Vorstellungen ziehen sich wie ein roter Faden vom Titelblatt bis zur Rückseite. Das führt unter anderem dazu, dass Kostenaspekte im Mittelpunkt der Diskussion stehen, wie etwa bei der teilweisen Abschaffung der Studiengebühren. Die Frage ob soziale Selektion im Bildungssystem durch die Befreiung von Gebühren vermindert werden kann, wird von den meisten Medien nicht gestellt.
Viele gesellschaftliche Gruppen haben nicht die Möglichkeit, dass ihre Sicht der Dinge gehört wird. Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten durch die öffentliche Meinung bleiben nicht ohne Folgen: Sie prägen entscheidend politischen Entscheidungen und damit den Rahmen
des Zusammenlebens.
Gegenöffentlichkeit?
Es braucht also einen Platz in der Öffentlichkeit, in dem die gesellschaftlichen Machtverhältnisse nicht zum Tragen kommen. Die unique, die Zeitung der ÖH Uni Wien, soll eine solche Funktion erfüllen. Alternativen müssen aufgezeigt und Ungerechtigkeiten thematisiert werden. Eine Zeitung ist aber mehr als gefaltenes Papier – zu einer Zeitung gehören auch Menschen, die sie mit Inhalten befüllen.
Journalistisches Schreiben kann erlernt werden. Sich Wörter aus dem Ärmel zu schütteln erfordert Übung. Trotzdem gibt es keinen Studienplan an der Uni Wien, der das beinhaltet. Das ist einer der Gründe, weshalb wir eine Schreibwerkstatt als Projekt für die Universitätsvertretung umsetzen wollen. So soll interessierten Studierenden an mehreren Tagen die Möglichkeit geboten werden, die Theorie rund ums Schreiben von Artikeln auch selbst in die Praxis umzusetzen. Begleitet soll die Schreibwerkstatt von TrainerInnen werden, die einerseits Grundlagen von journalistischem Schreiben vermitteln, andererseits auch Feedback geben und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen können. Das gemeinsame Erarbeiten von Inhalten und deren Wiedergabe in Form von Artikeln soll auch eine leichte Überwindung von Schreibblockaden ermöglichen. Die unique soll als Plattform dieses Projekts dienen. Eingebunden in den Entstehungsprozess einer Ausgabe, sollen die Ergebnisse des Wochenendes in der Zeitung der ÖH Uni Wien veröffentlicht werden – damit dem medialen Mainstream eine Alternative entgegengehalten wird.

