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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Uni geht auch anders!
Neue Ideen braucht die Uni. Und wir Studierende dürfen uns nicht davon abbringen lassen, eigene bildungspolitische Forderungen zu formulieren.
Studiengebühren, das Wiedererstarken der Rechten an der Uni, fort-
schreitende Bildungsökonomisierung – engagierte StudentInnen müssen gegen unzählige bildungs- und gesellschaftsfeindliche Hindernisse kämpfen. Dabei geht oft unter, dass wir nicht nur auf die Widrigkeiten, die von Ministerium und Rektoraten etc. vorgesetzt werden reagieren, sondern Gegenkonzepte entwickeln sollten. Diskussionen, etwa über eine bildungsfreundliche Universitätsreform, sollen auf breiter Basis angestachelt und erneuert werden. Wichtig ist, dass hier an der konkreten Lebenssituation der StudentInnen angesetzt wird. Daraus können politische Forderungen abgeleitet werden.
Stolpersteine
Wie diese konkrete Lebensrealität aussieht, ist genauso bekannt wie der zugrundeliegende konservative Bildungsbegriff der gegenwärtigen Politik – Bildung wird als Wettbewerbsfaktor gesehen, soll dem Staat möglichst wenig kosten. Höhere Qualifikationen wie etwa der Master soll nur einer Elite zugänglich sein. Soziale Selektion ist hier kein bekämpfenswertes Thema, auch wenn es statistisch nur 7,9 Kinder von 1000 Vätern mit Lehrabschluss pro Jahr auf die Uni schaffen, während von 1000 Vätern mit akademischem Abschluss jährlich immerhin 42,9 Kinder erstzugelassen werden. Anstatt die außergewöhnlich niedrige AkademikerInnenquote Österreichs zu erhöhen, werden weitere Zugangsbarrieren eingeführt und die massive Unterfinanzierung fortgesetzt bzw. verstärkt. Das „Unternehmen“ Universität muss sich immer mehr über Drittmittel statt durch den Staat finanzieren. In der Univerwaltung kommt es zu einem Demokratieabbau, das Mitspracherecht der StudentInnen wird massiv eingeschränkt.
Ebenso wenig wird gegen die strukturelle Benachteiligung von Frauen an den Unis getan: Mit zahnlosen Frauenförderungs-Ansätzen lassen sich Männerbünde, die sich untereinander die obersten Positionen in Lehre, Forschung und Uni-Organisation aufteilen (nur 14% der ProfessorInnen sind weiblich, es gibt keine einzige Rektorin), nicht verhindern.
Eigene Ideen
Weil angesichts dieser Zustände Kopf hängen lassen, beten oder die ÖH zu einem reinen Service-Betrieb verkommenzulassen nicht hilft, müssen eigene Konzepte reflektiert und ein linker Bildungsbegriff konkretisiert werden. Dabei sollen aber keine ewig allgemein gültigen und dogmatischen Konstrukte geschaffen werden.
Es ist auch unbedingt erforderlich, über den Bereich der Hochschulbildung hinaus zu blicken, um dem Wert der Bildung für die gesamte Gesellschaft gerecht zu werden. Die Einführung der Gesamtschule würde dazu beitragen, dass die soziale Selektion verringert wird. Ein allgemein zugängliches Grundstipendium würde über eine weitere Hürde, die Finanzierung des Studiums, helfen. Um den Frauenanteil in höheren universitären Positionen zu steigern, müssen Förderungsmaßnahmen wie etwa Quoten bei Nichteinhaltung endlich ernstzunehmende Konsequenzen haben.
Weiters muss der Staat seine Aufgabe der Finanzierung von Bildung wieder ausbauen. Wenn die Wissenschaft und ihre Lehre frei sein soll, darf sie nicht von Drittmittelfinanzierung und damit der Wirtschaft abhängig gemacht werden.
Hochschulpolitische Denkschrift
Wie wichtig Überlegungen über gesellschafts- und bildungspolitische Konzepte der Linken sind, ist an der Geschichte zu sehen. Die StudentInnenrevolten von 1968 bereiteten den Boden für Diskussionen, wie Hochschulpolitik umgestaltet werden könnte. Diese Konzepte hatten auf die großen Hochschulreformen der 70er großen Einfluss.
Vierzig Jahre später nahm sich der VSStÖ den historischen Diskurs als Anstoß, eigene Konzepte über eine bildungsfreundliche Universitätsreform niederzuschreiben. Die daraus entstandene Broschüre zur Hochschulpolitik enthält Überlegungen zu Frauenförderung und feministischer Wissenschaft, zur sozialen Absicherung von StudentInnen, zu Verbesserungen für Studierende mit besonderen Bedürfnissen und mit Migrationshintergrund, zur Hochschulorganisation und wie darin einseitige Machtstrukturen abgebaut werden können.
Der VSStÖ wil sich in der ÖH intensiv dafür einsetzen, dass Diskussionen über einen linken Bildungsbegriff und über bessere Konzepte zur Gestaltung der Uni offen geführt werden und die Ausarbeitung eigener bildungspolitischer Forderungen nicht zu kurz kommt.
Um den Diskurs anzukurbeln, wollen wir eine Broschüre herausgeben, die sich mit den verschiedenen Bildungsbegriffen beschäftigt, diese kritisch hinterfragt und vergleicht sowie als Nachschlagewerk dienen soll.

