Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Tagung „Feministische Wissenschaft“

Frauen machen mehr als die Hälfte aller StudienanfängerInnen aus, trotzdem endet für sie die wissenschaftliche Karriere zum Teil schon vor der Diplomarbeit. Während bei den schlecht bezahlten LektorInnen noch einige Frauen zu finden sind, verdünnt sich der Frauenanteil je höher der Posten und das Gehalt sind. Universitäre Frauenförderung heißt für uns Vernetzung: Bündnisse können gemeinsame Forschungsprojekte und deren Publikationen, die Herausgabe von Zeitungen, wissenschaftliche Diskussionsrunden genauso wie Mentoringprojekte, (temporäre) Frauenfreiräume oder politische
Organisationen sein. Aber auch die Förderung feministischer Arbeiten, sowie die Implementierung von feministischen Lehrveranstaltungen in Studienplänen.

Für die Universität Wien besteht Frauenförderung momentan vor allem aus zahnlosen Konzepten und den dazugehörigen Lippenbekenntnissen. Wir wollen Nägel mit Köpfen machen, wir wollen Studentinnen, Lehrende, Wissenschaftlerinnen, Forscherinnen, Frauen vernetzen, fördern und weiter bringen.

Vernetzung! Aber wie?

Feministische Vernetzung ist aber leichter gesagt als getan. Der strukturelle Aufbau von Universität und Gesellschaft machen solche Bündnisse alles andere als einfach: Männerseilschaften haben lang eingeübte Strategien, besetzen geldgebende Posten, genießen gesellschaftliche Anerkennung, aber vor allem einen fixen Platz in der wissenschaftlichen Welt. Diesen müssen sich Frauen gegenüber der herrschenden Bildungspolitik der Regierung, sowie der Universitäten erst erkämpfen.

Um die Vernetzung feministischer Wissenschaftlerinnen voranzutreiben, ist es sinnvoll an bereits bestehende Strukturen anzuknüpfen, sie miteinander zu verbinden und Themengebiete interdisziplinär zu durchleuchten. Eine mehrtägige Tagung zu aktuellen feministischen Debatten, wissenschaftlichen Methoden und der grundlegenden, wenn auch komplexen Frage „Was ist eigentlich feministische Wissenschaft?“ soll sowohl den wissenschaftlichen Diskurs ankurbeln, als auch den dringend benötigten Freiraum zur Vernetzung zwischen Disziplinen, Lehrenden und Studentinnen, Denkschulen und Organisationen bieten.

Diese Tagung soll gemeinsam mit bereits bestehenden frauenvernetzenden universitären Organisationen, sowie Studentinnen geplant und organisiert werden, um bereits im Vorfeld Allianzen zu bilden und über einen längeren Zeitraum eine Plattform zu schaffen. Dadurch soll es auch Studentinnen ermöglicht werden, sich aktiv in den Prozess einzubringen, die ansonsten von der wissenschaftlichen Elite ausgeschlossen sind. Neben dem Faktor Geschlecht, spielen die Ausbildung der Eltern, ethnische Zugehörigkeit, Sexualität und Behinderungen eine wesentliche Rolle beim Ausschluss von Studierenden und der Zementierung einer weißen heterosexuellen Bildungselite. Mit der Vernetzung von Frauen und der Schaffung einer Plattform wollen wir dem aktiv entgegen wirken.

Uni bildet!

Genauso wie uns der Inhalt einer Lehrveranstaltung bildet, bildet uns die Universität als Lebensraum. Zu dieser Art von Bildung gehört auch der uns vermittelte Weg zum Erfolg. Das heißt, dass die Universität als Ganzes sehr wohl entscheiden kann, ob Studierende das Gefühl haben mit gemeinsam erarbeiteten Projekten, durch Ellenbogentaktiken ergatterten Noten, oder auf Grund von persönlichen Kontakten den größtmöglichen Erfolg zu haben. Auf diese Weise kann eine Universität entscheiden, wie sie mit Männerseilschaften umgeht und wie sehr sie selbst an einer Ungleichbehandlung  der Geschlechter teilnimmt. Eine Universität kann Gleichbehandlungsinstitutionen lächerlich erscheinen lassen, oder sie ernst nehmen, Bildungsunterschiede von weiblichen und männlichen Studierenden ausgleichen, oder sie verstärken, nachhaltige Frauenförderung betreiben, oder Männerseilschaften den Rücken frei halten.

Wir kämpfen für eine Universität, die Ungleichbehandlungen ausgleicht, die Gesellschaft kritisch hinterfragt und Bildung als emanzipatives Element begreift.

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