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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Sozialreferat ausbauen!
Laut der Studierenden Sozialerhebung 2006 haben rund die Hälfte aller Studierenden budgetäre Schwierigkeiten, die sie am Studienfortschritt hindern. Diese studentischen Finanzkrisen treten in vielen verschiedenen Formen auf: Viele Studierende müssen arbeiten, um sich Wohnen, Essen und Leben überhaupt leisten zu können. Für Studierende mit Kindern ist diese Situration sogar noch schwieriger. Durch den Bologna-Prozess - und der damit verbundenen Umgestaltung der Universitäten in Richtung eines stark verschulten Systems – wird es immer schwieriger, in der vorgegebenen Mindeststudienzeit zu bleiben. Da der Erhalt von Familien- und Studienbeihilfe jedoch an die Einhaltung der Toleranzsemester gekoppelt ist, wird es Studierenden, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, doppelt schwer gemacht. Die Universität Wien geht auf diese Probleme jedoch nur sehr bedingt ein. In vielen Studienrichtungen werden kaum Abendlehrveranstaltungen angeboten und die Studienpläne die der Bologna-Architektur entsprechen, sehen viele Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht vor.
Grundstipendium
65 Prozent aller Studierenden sind während dem Semester erwerbstätig, um sich ihr Studium leisten zu können und arbeiten im Durchschnitt zwanzig Stunden pro Woche. Eine Berufstätigkeit in diesem Ausmaß ausüben zu müssen und gleichzeitig in Mindeststudienzeit abzuschließen, gestaltet sich als beinahe unmöglich. Im Herbst 2008 wurden die Studiengebühren teilweise abgeschafft. Das heißt, dass Studierende, die die Mindeststudienzeit um nicht mehr als zwei Semester überschritten haben, keine Gebühren mehr zu zahlen brauchen. Allerdings werden Studierende, die diese Anforderungen nicht erfüllen, weiterhin Gebühren zahlen. Wer nun von finanziellen Schwierigkeiten betroffen ist und einige Stunden in der Woche arbeitet, für die oder den sind diese Bedingen nur sehr schwer zu erreichen. Der VSStÖ fordert seit Jahren eine vollständige Abschaffung der Studiengebühren.
Trotz dieser erschreckenden Zahlen gaben laut der Studierenden Sozialerhebung circa 20 Prozent aller Studierenden an, die Förderungsmöglichkeit „Staatliche Studienbeihilfe“ nicht zu kennen. 37 Prozent wissen nicht über „Förder- und Leistungsstipendien“ Bescheid und 86,7 Prozent sind nicht über die Möglichkeit eines „Kinderbetreuungskostenzuschusses“ informiert. Weder die Universitäten noch das Ministerium klären gut genug über die Möglichkeiten auf, die Studierende haben, um Förderungen in Anspruch zu nehmen. Diese Aufgabe übernimmt das Sozialreferat an der Universität Wien - es informiert über Beihilfensysteme und hilft bei den oft komplizierten bürokratischen Wegen. Unserer Meinung nach ist das Beihilfensystem nicht genug ausgebaut und oftmals sind lange Behördenwege notwendig, um finanzielle Unterstützung zu bekommen. Der VSStÖ tritt daher für ein Grundstipendium in der Höhe von 770 Euro monatlich ein, das allen Studierenden zustehen soll. Damit soll das momentane System der Beihilfen ersetzt, vereinfacht sowie vor allem sozial gerecht gestaltet werden.
Sozialreferat auf Tour
Das Sozialreferat berät am Campus der Universität Wien in den Räumlichkeiten der ÖH. Allerdings kennen viele Studierende das Büro der ÖH nicht oder haben eine gewisse Scheu Beratung in Anspruch zu nehmen. Vielen Studierenden ist aber auch der Universitätscampus fremd, da sie dort keine Lehrveranstaltungen besuchen. Besonders an Standorten wie dem Betriebswirtschaftszentrum, dem Institut für Publizistik oder dem Institut für Mathematik ist die ÖH und damit auch das Sozialreferat wenig präsent. Da aber Studierende an allen Standorten unter ähnlichen Problemen leiden, ist es notwendig, dass das Sozialreferat auch an diese Institute kommt und vor Ort individuelle Beratung anbietet. Nur wenn das Sozialreferat ein- bis zweiwöchentlich an dezentrale Standorte fährt, können möglichst viele Studierende über ihre Rechte und Möglichkeiten informiert werden.
Forum
Um den vielen Studierenden, die zwischen Arbeit, Hörsaal und Bibliothek nicht die Zeit finden sich vor Ort im Sozialreferat beraten zu lassen, ebenfalls die Möglichkeit zu bieten, sich zu informieren und das Informationsangebot in Anspruch zu nehmen, soll auf einer Homepage ein eigenes Forum erstellt werden. Studierende können sich untereinander austauschen und sich gegenseitig Tipps geben. Oft gestellte Fragen sollen in diesem Forum behandelt werden. Die MitarbeiterInnen des Sozialreferats werden in diesem Forum aktiv sein um die Richtigkeit der Antworten zu gewährleisten und um auch selbst Fragen zu beantworten.
Im Rahmen des Ausbaus der Homepage soll auch eine Beratung über Skype angeboten werden, um Fragen zu klären, die durch das Forum nicht beantwortet werden können. Diese Beratung über Skype soll zu den normalen Sozialreferats-Öffnungszeiten stattfinden und eine Erweiterung der telefonischen Beratung darstellen.
Erweiterte Öffnungszeiten
Da die Mehrheit aller StudentInnen neben dem Studium berufstätig ist, fällt es vielen sehr schwer das Sozialreferat der ÖH Uni Wien zu besuchen und sich persönlich beraten zu lassen. Ihnen soll es ermöglicht werden auch am Abend Informationsgespräche in Anspruch zu nehmen. Daher soll das Sozialreferat an einem Abend pro Woche (z.B. Montag von 19:00 bis 21:00 Uhr) zusätzlich geöffnet haben.
Arbeitsrechtliche Beratung
Um Studium und Beruf unter einen Hut zu bekommen gehen viele Studierende so genannte „atypische Beschäftigungsverhältnisse“ ein. Diese versprechen zwar mehr Flexibilität, haben aber auch Schattenseiten. Denn gekennzeichnet sind sie vor allem durch geringe Stabilität, niedrige Einkommen und fehlenden arbeitsrechtlichen Schutz. Das bedeutet etwa kein Anspruch auf Mindestlohn und Kranken- oder Pensionsversicherung. Oft kommt es zu großen Arbeitszeit- und Einkommensschwankungen.
Studierenden werden oft Verträge angeboten, die viele Nachteile für sie enthalten. Durch mangelnde Information werden solche Verträge, ohne arbeits- und sozialrechtliche Absicherungen, dann einfach unterschrieben. Oft sind diese Schlechterstellungen jedoch unrechtmäßig und können jederzeit – meistens sogar im Nachhinein – korrigiert werden. Deshalb ist es wichtig, Studierende besser über ihre rechtlichen Möglichkeiten aufzuklären und in der Diskussion mit dem oder der ArbeitgeberIn Beistand zu leisen. Deshalb will der VSStÖ an der ÖH Uni Wien spezielle Beratung rund um arbeitsrechtliche Angelegenheiten anbieten. Es soll die Möglichkeit geben, den Arbeitsvertrag von einer Juristin oder einem Juristen prüfen zu lassen, um arbeitsrechtlichen Fallen rechtzeitig
zu entgehen.

