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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Kommt der Bachelor?
Eine kurze Zusammenfassung unserer Podiumsdiskussion, veranstaltet am 23.Mai zum Thema "Jus und Bachelor"
Viele Diskussionen löste die Ankündigung der FV aus, dass das Jus-Studium bald auf Bachelor/Master umgestellt wird. In einer Podiumsdiskussion im Rahmen unserer Reihe „Talk about“mit beteiligten Personen wollten wir dieser Frage nachgehen.
Etwa 40 Personen verschlug es trotz schönen Wetters in den Sem10. Zu Gast waren Studienprogrammleiter Univ.-Prof. Dr. Franz-Stefan Meissel sowie Ingrid Wadsack, die Leiterin der Arbeitsgruppe Rechtswissenschaften im Rahmen von Bologna Reloaded, dem Programm des Wissenschaftsministeriums, das sich mit der Umsetzung des Bologna-Prozesses in Österreich beschäftigt.
Auf die brennendste Frage angesprochen betonte Wadsack zunächst, dass einem Umstieg rechtlich nichts entgegenstehen würde; von Fakultäten, Rechtsanwaltskammer oder Notariatskammer aber deutlicher Widerstand komme. Meissel wies eingangs sofort auf die ablehnende Haltung der Fakultät hin. Seiner Meinung nach wird mit dem Bologna-Prozess versucht, mehrere Ziele gleichzeitig zu verfolgen, die aber nicht miteinander kompatibel seien. Für eine hohe Mobilität sei es notwendig, dass im Studienplan eine sehr breite Ausbildung mit Schwerpunkt auf den gesamteuropäischen Grundsätzen erfolge. Das Ziel der employability erfordere eine sehr spezifische Ausbildung, die dann primär als Berufsausbildung zu sehen wäre.
Diskutiert wird 4+1
Immerhin war schnell klar, dass ein System 3 Jahre Bachelor + 2 Jahre Master gar nicht diskutiert wird, denn eine vierjährige Ausbildung stelle das absolute Minimum dar, um Theorie und Praxis angemessen zu verknüpfen, so alle Beteiligten unisono. Momentan geht die Diskussion jedenfalls in die Richtung ein 4+1-System einzuführen. Doch konkret stecken die Pläne hierfür noch in den Kinderschuhen. Wadsack präsentierte die Idee, dass die Wahlfächer aus dem Bachelor-Studium herausgenommen werden und in ein einjähriges Masterstudium integriert werden. In diesem Sinne ist der Master ausschließlich als Spezialisierung gedacht. Sie stieß damit auf Kritik sowohl bei Prof. Meissel als auch bei den Zuhörer_innen, weil gerade die Wahlfächer die Studierenden freiwillig machen würden und außerdem 1/5 mehr an Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssten (was momentan unrealistisch erscheint). Wadsack argumentierte aber auch, mit einer Ausgliederung ließe sich der jetzige Studienplan schneller, zumindest annähernd in Mindeststudienzeit, studieren. Für das Ministerium seien die Studierendenproteste rund um die Audimax-Besetzung 2009 ein Auslöser gewesen, sich verstärkt mit den Curricula zu beschäftigen.Von Seite der Student_innen wurde aber gewarnt, dass ein Masterstudium als Selektionsinstrument verwendet werden könnte.
Suche nach positiven Aspekten
Prof. Meissel betonte, er wünsche sich, dass über viel dringendere Probleme als das einer möglichen Umstellung diskutiert würde. Er äußerte auch die Befürchtung, dass im Zuge einer Studienplanreform bei den Grundlagenfächern wie Rechtsphilosophie und den rechtshistorischen Fächern eingespart werde.
Auch andere mögliche Probleme wurden diskutiert. So lässt die mangelnde internationale Vergleichbarkeit Bologna im Hinblick auf das österreichische Jus-Studium nicht unbedingt geeignet erscheinen. Eingegangen wurde auch auf eine mangelnde Anerkennung des Bachelor-Titels in der Arbeitswelt. Hier müssten erst Anpassungen im Berufsrecht der Anwält_innen und im öffentlichen Dienst vorgenommen werden. Meissel meinte aber, dass sich die Praxis einer steigenden Zahl von Absolvent_innen mit Bachelor-Abschluss auf Dauer nicht entziehen könne.
Wadsack versuchte im Laufe der Diskussion immer wieder, die positiven Aspekte des Bologna-Prozesses herauszustreichen. Sie widersprach der Wahrnehmung der Student_innen, dass die Umstellung in sämtlichen Studien negativ verlaufen ist. Sie betonte auch, dass die Position am Juridicum nicht repräsentativ für alle Fakultäten sei, so plane die Salzburger Jus-Fakultät die Umstellung, unter Umständen auch im Alleingang.
Umstellung noch Spekulation
Die Diskussion drehte sich nicht ausschließlich um den Bologna-Prozess. So wurde über den aktuellen Studienplan diskutiert, ob die Qualität der Wahlfachkörbe in Zeiten finanzieller Knappheit erhalten werden könne. Ein Erasmus-Student aus den Niederlanden wies auf die Situation in seinem Herkunftsstaat hin: dort gäbe es ein 3+1-System, wobei man den Master in jedem Land machen könne. Nach 2 ½ Stunden geht die Diskussion dem Ende zu. Am Schluss wird es nochmal konkreter, aus dem Publikum kommt die Frage wann tatsächlich mit einem Umstieg gerechnet werden kann und wer betroffen sei. Wadsack entgegnet, ein Interesse von Seiten des Ministeriums ist gegeben, aber von einer fixen Umstellung könne keine Rede sein, geschweige denn von einem fixen Zeitpunkt. Und die Unis wüssten insgesamt doch selbst am besten, wie sie mit der Situation umgehen sollen.


