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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Uni macht krank
Alle paar Jahre flattert die Studierenden- sozialerhebung ins Haus. Das ist eine Studie, in der alle möglichen Aspekte des Studierendenlebens erfasst werden sollen. Von geographischer über sozialer Herkunft und Studienwahl bis zum durchschnittlichen Einkommen und Belastungen (Die Studierendensozialerhebung ist übrigens auf www.sozialerhebung.at einsehbar). Es fällt auf, dass die psychischen Belastungen steigen. 2009 geben 30% aller Studierender an wissenschaftlichen Universitäten Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten an, 15,6% psychische Probleme und Ängste. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Zahlen am untersten Rand bewegen - wer gibt schon gerne an, solche Schwierigkeiten und Probleme zu haben? Uni macht also krank.
// Woran liegt es?
Es lastet ein immer größerer Druck auf den einzelnen Studierenden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben der persönlichen Biographie sind auch viele Faktoren an den Universitäten dafür verantwortlich. Die Verschulung des Studienplans setzt Studierende unter einen großen Leistungsdruck. Durch Voraussetzungsketten in vielen Bacherlor- Studiengängen sind Studierende quasi gezwungen, beim ersten Prüfungsantritt alle Prüfungen der Studieneingangs-und Orientierungsphase positiv zu bestehen. Ein anderes Beispiel sind die Medizin-Studienpläne, die den Stoff eines ganzen Jahres in eine große Prüfung (die berühmt berüchtigte SIP) packen, die positiv bestanden werden muss, um weiter studieren zu können. Aber auch willkürlich auslaufende Diplomstudiengänge zwingen Leute dazu, sehr schnell sehr viele Prüfungen zu machen, da sie sonst zwangsumgestellt werden. Gleichzeitig bekommen alle permanent vermittelt, dass ihr Studium (egal welches) ohnehin nichts „wert“ sei und sie so schnell wie irgend möglich studieren müssten, um sich am Arbeitsmarkt behaupten zu können. Also am besten mit 20 zwei Studienrichtungen summa cum laude abgeschlossen, zusätzlich vier Fremdsprachen gelernt und fünf Jahre Berufserfahrung. Viele Studis greifen etwa zu Amphetaminen wie Ritalin, um ihre Aufnahme- und Lernfähigkeit, scheinbar, zu steigern.
Dazu kommen noch soziale Ängste, die sich oft zu existentiellen Ängsten ausweiten. Viele Studierende leben an der Armutsgrenze. Studiengebühren sind da eine enorme Belastung. Sie treffen vor allem jene, die auf Grund von Erwerbstätigkeit nicht in Mindeststudienzeit studieren können. Sie müssen dann nicht nur Studiengebühren zahlen, sondern fallen auch aus Familien- und Studienbeihilfe hinaus. Mit einem Schlag geht da viel Geld verloren. Das bedeutet entweder Studienabbruch oder noch mehr arbeiten und noch weniger studieren. Ein Teufelskreis aus dem es, einmal drinnen, kaum ein Ausbrechen gibt. Existenzängste und Depressionen sind die Folge, die eine zusätzliche große Belastung für das Studium darstellen.
All diese Phänomene sind weder zufällig noch überraschend. Sie haben systemische Ursachen. Die Universität ist so organisiert, dass bestimmte Leute es einfach schwer haben sollen. Sozial Schwache werden systematisch exkludiert. Sozial schwach und aus einem sogenannten Drittstaat zu kommen, führt zu noch größeren Exklusionsmechanismen. Um in Österreich studieren zu können, müssen Drittstaatsangehörige unter 24 (also keine EWR-Bürger_innen) ein Vermögen von 4000 Euro nachweisen können, haben aber in Österreich keine Arbeitserlaubnis und meistens nur solange eine Aufenthaltsberechtigung, solange sie studieren. Auch Frauen werden systematisch exkludiert, 54% der Studienanfänger_innen sind weiblich, aber nur 17% der Professor_innen. Diskriminierung auf Grund verschiedenster Faktoren ist auf allen Ebenen Normalität und trägt zu psychischen Belastungen bei.
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