Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Tomatenwurf

Unter dieser Rubrik lassen wir gelegentlich Dampf ab und zeigen auf, wo sich Sexismen und Homophobie sowie Gewalt gegen Frauen als Worte, Bilder oder Filme im Alltag breit machen. Zumeist sind sie in Werbungen, Interviews, Sendungen aller Art, Homepages und Printmedien zu finden.

Und Personen sowie Medieninhalte, die nur über Stereotypen-Wiederkäuen, Frauenkörper und –Witze sowie durch die Darstellung von (Hetero)Sex nach Aufmerksamkeit heischen, werden von uns mit einem Tomatenwurf „belohnt“.

Wenn auch du Beispiele kennst, die dich aufgeregt haben und aufregen und die du ankreiden möchtest, dann schick uns deine/n persönliche/n TomatenwurfpreisträgerIn an corraleras@vsstoe.at

 

Der aktuelle Tomatenwurf gilt...

...den Jugendwahlkampf der Wiener Parteien

In Zeiten allgemeinen Kulturpessimismuses und Jugendverunglimpfung fällt den politischen Parteien eine besondere Rolle zu, junge Menschen für politische Themen zu interessieren. Dieser naive und etwas altbackene Gedanke, den sicherlich alle Parteien unterschreiben würden, wird nicht nur nicht ausgeführt, sondern im Wiener Wahlkampf von fast allen Parteien pervertiert. Fast alle eint, in jungen Menschen nur dumme, des kritischen Denkens unfähige, hormongesteuerte Hüllen zu sehen, die mit sehr einfachen Reizen und Botschaften zu locken sind.

Statt politischen Themen gibt es vor allem Sexismen in allen Schattierungen. Die üblichen Verdächtigen finden sich natürlich bei den konservativen bis rechtsrechts(usw.)rechten Jugendgrüppchen. Dass sich der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) für so ziemlich gar nichts zu blöd ist, ist nicht neu. Deswegen gibt es auch Kondome mit der Aufschrift „Hart aber herzlich - um Längen voraus“. Bei diesem wahlwerberischen Schwanzvergleich macht natürlich auch Kurz mit, Sebastian Kurz - Obmann der Jungen ÖVP (JVP). Statt mit den biederen und angestaubten JVP-Positionen wird Wahlkampf mit „Geilomobilen“, (halb)nackten Frauen und Schleimidisco-Türsteher-Ästhetik gefochten. Unter der hochintellektuellen Losung „Schwarz macht geil“ zieht die Poloshirträger_innenfraktion in die Schlacht für mehr Geilheit. In Anbetracht der ÖVP-verschuldeten Bildungsmisere an Schulen und Universitäten natürlich eine Ansage mit oberster Priorität.  Abgesehen davon hat die trendy, urbane, geile JVP Wien dieses Werbekonzept von der eher rustikalen Jungen Union Wittmund aus Ostfriesland gestohlen, die damit schon vor zwei Jahren geworben hat.

Wien darf nicht Wittmund werden.

In diesem Klima der Depolitisierung und schlichten Verdummung wäre es eigentlich ein Leichtes mit gut durchdachten Konzepten, Positionen und Argumenten zu punkten. Leider fällt den Jungen Roten auch nichts Besseres ein als ultraharte Gangstertypen, die in einer cooleren Form des Hurra-Patriotismus von Wien singen. Von einem Video aufs andere wurde aber wohl vergessen, dass auch Frauen rappen können, aber wahrscheinlich können sie einfach nicht so gangster sein wie all die coolen Typen. Im Remix des Liedes „Ich bin Wien“ dürfen dann auch Frauen vorkommen (weil es ja kein harter Gangsterrap ist, denn wir dürfen nicht vergessen, dass das einfach nichts für Frauen ist). Mit Geschlechterklischees wird nicht gespart: Eine (anscheinend schon im Schlaf geschminkte) Frau träumt sich durch Wien und trifft nur auf nette Leute. Frauen, die auf Kinder aufpassen und Männer, die arbeiten und joggen - so schön kann die Welt sein. Daneben lädt ichbinwien auch ins Kino. Gezeigt wird wohl einer der wichtigsten und aufwühlendsten Filme unserer Tage : Männertrip. Dieses Meisterwerk der flachen Witze, die vor Klischees, Homophobie und Sexismus nur so strotzen, hat natürlich eine ernste politische Aussage, die irgendwo zwischen „gröööööhl Tiiiiiitteeeen“ und „Rüüüülps Schwanz“ liegt.

Bei den Grünen findet sich hingegen auf der Homepage nicht einmal der Hinweis von Jugendwahlkampf. Schade. Das HERRschende Niveau zu unterbieten würde ihnen nicht gelingen.

 

22. September 2010

... die "Bundespräsdentenschulung" 

Die österreichischen Staatsbanketts werden gastronomisch dem Catering Unternehmen Gerstner anvertraut. Wenn der Präsident und die Minister_innen zum Essen laden sind die Ansprüche an Küche und Service besonders hoch. Darum lässt Gerstner die Servicekräfte, die von der Personalvermittlung TST bezogen werden, speziell für diese Anlässe schulen, auf der sogenannten „Bundespräsidentenschulung" (sic!). Geboten wird: Unterricht in Sachen Service wie zu Kaisers Zeiten. Dazu gehören für die Servicekraft nicht nur Anzug, weiße Handschuhe und das perfekte Beherrschen der Choreografie die die Handhabung der Teller regelt. Nein, wer einem Präsidenten würdig sein will muss neben Uniform und Können eine absolut unverzichtbare Eigenschaft mitbringen. Man muss ein Mann sein.

Dies ist aus verschiedenen Gründen ein extremes Beispiel für Sexismus!

Für diese Veranstaltungen wird das Beste vom Besten gebucht. Was für die Servicekräfte bedeutet das Beste vom Besten ist der Mann. Die Frauen werden abgewertet weil sie nur aufgrund ihres Geschlechtes für unwürdig erklärt werden eine bestimmte Arbeit zu verrichten. Dabei wird nicht einmal behauptet, dass Frauen diese Arbeit nicht verrichten könnten. Nein es ist einfach edler und erlesener von einem Mann bedient zu werden. Das ergibt sich aus der Überzeugung, dass Frauen weniger wert und im Rang niedriger sind- damit bringt ihre Unterwerfung als Dienerin weniger Prestige für die Bedienten.

Besonders traurig ist dieses Beispiel weil es eines verdeutlicht: Trotz langem Kampf von Johanna Dohnal und allen anderen Menschen in der Frauenrechtsbewegung, trotz aller Gesetzesänderungen und aller Lippenbekenntnisse. Die Idee der Gleichheit ist in den Köpfen der mächtigsten Menschen unseres Landes noch nicht angekommen. Das wird in jeder Ecke deutlich die noch nicht von Emanzen persönlich vom darin klebenden Sexismus gereinigt wurde.Wenn es die Emanzen nicht machen, macht es niemand - Männer bleiben unter sich und werden nicht von selber sagen: „hey, in unsrer Runde fehlt doch eine Frau!"

Fälle wie diese müssen öffentlich gemacht werden, Frauen, die trotz gleicher Kenntnisse und Fähigkeiten auf ihr Geschlecht reduziert werden und denen der Zugang zu diesen Jobs (Anmk.: es handelt sich v.a. um Studierende, die diese Tätigkeit als Job zur Finanzierung ihres Studiums ausüben) verwehrt wird, muss Gehör verschafft werden! Ebensowenig kann es angehen, dass von Frauen, die als Kellnerinnen, Verkäuferinnen in Boutiquen oder Flugbegleiterinnen erwerbstätig sind, in enge, auf ihre Körper reduzierende Kleidung und ungesundes Schuhwerk gezwungen werden sowie fürchten müssen, bei einer Gewichtszunahme auf eine Größe über 38 ihre Stellung zu verlieren.

Sexismen darf in keinem Job in keinem Ort zu keiner Zeit Raum gegeben werden!

am 12.September 2010

der Sendung „Austrias Next Topmodel“ und ihren ProduzentInnen.

Abgesehen davon, dass hier erwachsene Frauen als „Mädchen“ bezeichnet und so als unmündige Gestalten behandelt werden, reduzieren Moderation, ProduzentInnen und ebenso ZuseherInnen die Frauen auf ihre Körperlichkeit und Konsumierbarkeit. Dass Aussehen steht im Vordergrund, schließlich soll man die Frauen ja verkaufen können, damit sie später von Plakatwänden nackt bis spärlich bekleidet für Parfüms, Unterwäsche oder Hautcremes werben. Dass dabei mit dem Maßband gedroht wird, psychischer Druck auf die Frauen ausgeübt wird und Körpernormen gelten, die eigentlich Kopfschütteln hervorrufen müssten, interessiert meist nur wenige.

Vor allem die ständigen Forderungen vor der Kamera á la: „Sei sexy, mach mich an!“ stoßen auf – hier wird mehr als deutlich, wie Frauen zu Objekten, genauer: zu Sexobjekten degradiert werden, die vor allem dem „männlichen Blick“ schmeicheln sollen. Und als sich bei all dem heterosexistischen Mist gar eine Kandidatin als lesbisch outet, ist die Aufregung besonders groß. Kann sie dann überhaupt für Männer, die ja in der Werbeindustrie in erster Linie als Zielgruppe bzw. in der Modeindustrie als wichtigste „Schöpfer“ (sic!) erachtet werden, attraktiv sein?…

Es ist ersichtlich: es bräuchte eigentlich eine ganze Kiste roter Tomaten, um dieser homophoben und sexistischen Sendung gerecht zu werden!

7. Dezember 2009

häuslicher Gewalt zum Nachspielen

“Du hast nicht darüber zu bestimmen, mit wem ich tanze und mit wem nicht”, sagt die junge hübsche Frau auf dem Bildschirm. Eine Ansage, für die es Prügel setzt.

Das Ziel dieses Onlinespiels – das eigentlich als Aufklärungskampagne des dänischen Verbands “Kinder und Jugendliche in gewaltgeprägten Familien” gedacht war – besteht darin, die junge Frau am Bildschirm mittels Maus oder Webcam krankenhausreif zu prügeln. Der abwertende Titel lässt auch keine Fragen offen: „Hit the Bitch“.

Es ist wohl mehr als fraglich, ob ernsthaft auf das Problem Gewalt an Frauen und Kindern hingewiesen werden kann, wenn durch ein Spiel gleichzeitig Spaß daran vermittelt wird auf eine Frau einzuschlagen, weil sie nein gesagt hat.

3. Dezember 2009

 

 

….Martin Graf

 

Eigentlich gehört der FPÖ-Abgeordnete, Burschenschafter der vom DÖW als rechtsextrem eingestuften Olympia und dritte Nationalratspräsident (!) aus sehr vielen  Gründen seines Amtes enthoben und vehement zum Rücktritt aufgefordert. Aktuell gilt ihm aber der Tomatenwurf aufgrund seines Standpunkts zu geschlechtergerechter Sprache. Beim Hochschuldialog, zu dem der Wissenschaftsminister eingeladen hatte wurde mehrmals auf geschlechtergerechte Sprache hingewiesen – die meisten der TeilnehmerInnen haben sich darauf eingelassen. Nicht so Martin Graf. Er meinte, er möchte nicht geschlechtergerecht formulieren, weil das ja den Männern gegenüber sexistisch wäre. What the fuck?! Da merkt mensch wieder, dass manche Leute keine Ahnung haben, was Sexismus eigentlich bedeutet und dass jene durch Lächerlichmachung eine patriarchale Realität verharmlosen. Weil es so nicht bleiben kann: Sprache schafft Bewusstsein und geschlechtergerechte Sprache macht Frauen sichtbar.

27. November 2009

 

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