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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Stärker als alleine: Frauennetzwerke!
Frauengruppen, -netzwerke und –vereine sind keine Seltenheit mehr. Welche es in Österreich gibt, wie es zur Gründung dieser Frauen-Zusammenschlüsse kommt und welche Erfolge sie verzeichnen können, versucht dieser Artikel zu beschreiben.
Auf der Suche nach einem Überblick über Frauennetzwerke in Österreich stößt frau schnell auf die Online-Plattform frauenfakten.at, auf der sich „alle in Österreich tätigen Frauennetzwerke, Gruppen und Vereine“ selbst vorstellen können. Die Organisationen sind bunt gemischt, vom „Verein Forstfrauen“ bis hin zu feministATTAC findet frau hier ein sehr breites Spektrum.
Einfluss und Erfolg?
Sonja Ruß, selbst Gründerin eines Grafikerinnenstammtisches und Initiatorin der frauenfakten sieht in der Arbeit der österreichischen Frauennetzwerke Erfolge, aber viele davon seien nicht sehr präsent oder der Öffentlichkeit kommuniziert – dafür scheint das Thema zu unwichtig. Gerade Netzwerke im Wirtschaftsbereich haben allerdings durch Lobbying und Interessensvertretung teilweise gewerkschaftliche Funktionen übernommen und Jobnetzwerke in einer respektablen Größe aufgebaut. Auf der anderen Seite stehen die vermeintlich kleinen Erfolge dieser Netzwerke und Gruppen – (Be)stärkung von Frauen in ihrer Tätigkeit. „Irgendwann fangen die Frauen dann an zu begreifen, dass ihre Arbeit etwas wert ist“, so Ruß.
„Zickenkrieg“
Ein Beispiel für ein Netzwerk im Medienbereich ist der überparteiliche Verein „Frauennetzwerk Medien“. Ziele des Vereins sind u.a. die gegenseitige Unterstützung von Frauen in Medienberufen, freie Journalistinnen aus der Isolation zu lösen und mehr Medien-Frauen in Führungspositionen zu bringen. Aktivitäten sind neben Themenabenden mit geladenen Gästen auch der Aufbau einer Expertinnen-Datenbank und ein Mentoring-Projekt.
Das „Frauennetzwerk Medien“ verleiht jährlich den Journalistinnenpreis „Spitze Feder“ für besondere Leistungen von Jung-Journalistinnen. Außerdem wird das rosa „Handtaschl“ verliehen – eine „Auszeichnung“ für frauenfeindliche Darstellungen in den Medien. Zielscheiben sind sowohl journalistische Beiträge als auch medial festgehaltene Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens. Glückliche AnwärterInnen waren unter anderem Jörg Haider („Boxenluder“), Benita Ferrero-Waldner („linke Emanzen“), Werner Mück (der Körper einer anerkannten ORF-Redakteurin sei „eine Beleidigung für die Zuseher“), Wolfgang Ambros (seine Frau sei eine „Menopausen-Geschüttelte“ und ihre Freundinnen „Frustbuchteln“) und Gunnar Prokop („Die Frauen gehören in die Küche“). 2007 geht das „Handtaschl“ nicht an eine Person, sondern an die besondere Ignoranz in der Sprache der Medienwelt – bezogen auf den „weiblichen Zickenkrieg“ im Gegensatz zum „männlichen Machtkampf“. Das Wort „Zickenkrieg“ (natürlich bezogen auf Frauen) kam allein in den wesentlichen Printmedien des Landes über 120 Mal vor.
Mädchengarten
Stärkung von Frauen beginnt nicht erst im Berufsleben, einige Projekte haben sich auch der Förderung und Stärkung von Mädchen gewidmet. Eines davon ist der
„Mädchengarten“ im hinteren Gartenteil des Veranstaltungsorts „Szene Wien“. Das Projekt beschreibt sich selbst als einen „Ort, der nur für Mädchen gestaltbar und nutzbar ist“ – ein Mädchenfreiraum also. Gegründet wurde der Mädchengarten 1997 auf Wunsch der „Szene Wien“ um einen Ort für Jugendliche, insbesondere Mädchen zu schaffen. Schließlich wurde der Garten von Mädchen geplant und gestaltet. Seit Sommer 2000 ist er für Mädchen und Mädchengruppen aus ganz Wien zugänglich und nutzbar.
Gemeinsam stärker
Die Gründungsintentionen von Frauennetzwerken ähneln sich oft. Es geht um das Bestehen in Männerdomänen und das Fußfassen in selbigen, das Durchsetzen eigener Interessen, gegenseitige Stärkung und Unterstützung. So ist auch die Frauengruppe im VSStÖ-Wien ein Produkt historischer Tatsachen: Zum Beispiel beschreibt Eva Kreisky, heute Professorin für Politikwissenschaft, die Situation von Frauen während der 68er in politischen Organisationen folgendermaßen: „Die Männer waren eben die ‚besseren’ Theoretiker, sie konnten sich besser von ihrer Gefühlslage distanzieren, sie ‚quasselten’ in einem fort bei Schulungen und Veranstaltungen, während die Frauen schwiegen.“ (zit. n. Nitsch 2004).
Diese Mechanismen halten sich lange, und auch heute sieht es die Corraleras-Gruppe als ihre Aufgabe, Frauen in politischen Zusammenhängen zu stärken – schließlich sind wir auch hier gemeinsam stärker als alleine.
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