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Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Sexismus

Unter Sexismus versteht man/frau eine Diskriminierung beziehungsweise Unterdrückung von Menschen allein aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit und Geschlechtsidentität. Früher bezog sich dieser Begriff ausschließlich auf die Diskriminierung von Frauen. Heute ist damit die Unterdrückung beider Geschlechter aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit, -rollen und -identitäten gemeint. Das heißt, Sexismus attackiert auch Verhaltensweisen, die in einer bestimmten Kultur für ein bestimmtes Geschlecht als atypisch oder inakzeptabel gelten beziehungsweise nicht der Tradition entsprechen.

 

Sexismus und Geschichte: Heldenhafte Männer und vergessene Frauen

Seit in den Traditionen der wissenschaftlichen Theorien über die Gesellschaft und über die Menschheit selbst nachgedacht wird, gibt es Reflexionen über den Mann und über die Frau. Die Welt wird zweigeteilt durch eine kulturell gemachte Ordnungsstruktur, resultierend aus dem Unterschied der biologisch verschiedenen Geschlechter. Durch die Suche nach Unterschieden zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit und der Betonung der besonderen Fähigkeiten, besteht die Gefahr traditionelles Wissen und Stereotype zu verallgemeinern. Da Frauen in der Wissenschaft erst im 20. Jahrhundert allgemein zugelassen wurden, besitzt der Ursprung aller Theorien und Studien eine männlich dominierte Sichtweise. Geschlecht und Geschlechtlichkeit wurde bereits aus männlicher Perspektive untersucht. Das „Weibliche“ verkörperte Jahrhunderte lang nur eine Nebenrolle, während das Männliche, sei es in der Politik, in der Kultur oder in der Gesellschaft, eine Hauptrolle spielte. Frauen wurden durch die materielle und physische Überlegenheit der Männer zu Personen zweiter Klasse degradiert. Den Frauen blieb nur ein harter Kampf, um sich gegen Diskriminierung und gegen jegliche Formen von Gewalt zu wehren. Eine feministische Idee, eine Idee die Geschichte neu zu schreiben.

Geschichtsschreibungen, auch viele Schriften und Forschungen des 20. Jahrhunderts dienen hauptsächlich der Selbstinszenierung des Mannes. Die Frau und ihre Taten werden totgeschwiegen, da sie in einer Welt, geprägt durch maskuline Werte,  nicht existiert.  Dieses Mittel der Nichterwähnung des sozialen und politischen Schicksals der Hälfte unserer Bevölkerung, ist die wirksamste Form der Herrschaft und der daraus resultierenden Benachteiligungen für diesen unsichtbaren Teil der Menschheit, den Frauen.

 

Das patriarchale System

Ursprünglich stammt der Begriff Patriarchat aus dem Kirchenlatein und wurde vom griechischen Abstraktum „Patriarch“ (Führer des Vaterlandes, Stammesführer) abgeleitet. Heute bedeutet Patriarchat das Vorrecht der Väter, also die traditionelle Gesellschaftsordnung, in der die Männer und Väter die Entscheidungen innerhalb der Gemeinschaft treffen, Macht inne haben und Macht ausüben.

Sexismus und Diskriminierungen auf Grund von Aussehen, Geschlechtszugehörigkeit und Ethnie sind daher kulturell bedingt, durch individuell verinnerlichte Norm- und Wertvorstellungen und durch ein vordefiniertes, patriarchales Gesellschaftssystem. Sexismus verkörpert  ein weitergetragenes Denken, Glauben, Meinen und Handeln als gesellschaftliche Normalität, welche Männer privilegiert und Frauen unterdrückt.

Dieses diskriminierende Gesellschaftssystem, versteckt hinter dem Namen Patriarchat, ist aus  der österreichischen Verfassung sowie unseren Gesetzen verschwunden. Weg von der Oberfläche, aber tief im Inneren unseres sozialen Zusammenlebens, in unserer Arbeitshierarchie sowie in weiten Formen der Institutionalisierung und Rollenvorstellungen schlummert das Patriarchat weiter, geprägt durch eine Geschichte, verstärkt durch Sprache, Symbole, Klischees und Systeme. Wir wollen darstellen, in welchen Formen Sexismus und Gewalt nach wie vor eine Rolle spielen.

„Die gesellschaftliche Hierarchie der Geschlechter wurde an einigen Punkten abgebaut, um sie in anderen gesellschaftlichen Dunkelzonen weiter zu verfestigen.“[1]

Heute wird Sexismus weiter gefasst. Es wird bereits als Sexismus betrachtet von anderen zu erwarten, dass traditionelle Geschlechternormen oder Rollenmuster gelebt werden. Mit diesen postfeministischen Diskussionen sind alle Arten von Unterdrückung verwandt, wie auch Homophobie und Anti-Transgender. Sie betrifft  jene Lebensformen, die nicht ins gängige Geschlechterweltbild passen. Sexismus unterliegt somit nur einem Strukturwechsel und ist nicht verschwunden.

Seit wann ist Sexismus ein Thema in der öffentlichen Wahrnehmung?

Erste Begriffsbildung im anglo-amerikanischen Raum

Der Begriff Sexismus entstand in den 60er Jahren und stammt ursprünglich aus dem englischen „sexism“, welcher den Vorgang der Naturalisierung gesellschaftlicher Prozesse bezeichnet. Vergleichbar mit einem Rassismusverständnis, welches eine ähnliche Wirkungsweise beschreibt, wurden mit Sexismus nicht nur individuelle Vorurteile, sondern auch institutionalisierte Diskriminierungen, die Teilung der Arbeit und Ressourcen nach dem biologischen Geschlecht, benannt und diskutiert.  Anfang der 70er Jahre entstanden in den USA  erstmalig wissenschaftliche Auseinandersetzungen über Sexismus. Erst ein halbes Jahrzehnt später wurde jener weltbewegende Begriff in den deutschsprachigen Raum bekannt. In den folgenden Jahren wurde die Debatte um „Sexismus“ und ihren Zusammenspiel mit anderen Formen der Unterdrückung, wie Klasse, Rasse und Bildung lauter und fordernder. Denn nicht die Worte, Ausdrücke und Symbole waren das Verletzende, das es zu beseitigen galt, sondern die dahinter verborgene Macht und Gewalt.

„Sexismus war immer mehr als das, was in der nichtsagenden Geschmeidigkeit politischer Rhetorik 'die Benachteiligung der Frau' heißt oder was Soziologen verharmlosend mit 'traditioneller Rollenverteilung' bezeichnen. Sexismus war immer Ausbeutung, Verstümmelung, Vernichtung, Beherrschung, Verfolgung von Frauen. Sexismus ist gleichzeitig subtil und tödlich und bedeutet die Verneinung des weiblichen Körpers, die Gewalt gegenüber dem Ich der Frau, Achtlosigkeit gegenüber ihrer Existenz, die Enteignung ihrer Gedanken, die Kolonisierung und Nutznießung ihres Körpers, den Entzug der eigenen Sprache bis zur Kontrolle ihres Gewissens, die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit, die Unterschlagung ihres Beitrags zur Geschichte der menschlichen Gattung.“ [2]

 

Welche Formen von Sexismus bzw. Gewalt gegen Frauen / Mädchen gibt es?

 

Formen von Seximus (1): nach Benokraitis/Feagin

- Overt Sexism: (sichtbar) bezieht sich auf eine ungleiche und schädigende Behandlung von Frauen, welche offen gezeigt wird und somit direkt sichtbar ist

- Convert  sexism: (verdeckt) bezieht sich auf eine ungleiche/schädigende Behandlung von Frauen auf eine verdeckte Art und Weise

- Subtle sexism: (unbeachtet) bezieht sich auf eine offen gezeigte Form der Diskriminierung, die jedoch unbeachtet bleibt, weil sie als gewöhnlich und normal gilt

„Moderner Sexismus“ umfasst daher auch verdeckten und subtilen Sexismus, das heißt Sexismus, der sich  in Verhaltensweisen ausdrückt, welche von der jeweiligen Person nicht als sexistisch erkannt werden oder von der Gesellschaft ungeahndet und unbeachtet bleiben.
 

 Formen von Sexismus (2):  nach Glick/Fiske

In der Vergangenheit wurde vor allem im deutschsprachigen Raum der Begriff Sexismus ausschließlich mit Frauenfeindlichkeit gleichgesetzt. Diese Sichtweise repräsentiert zwar einen bedeutsamen, aber eben nicht den vollständigen Aspekt von Sexismus. Glick und Fiske sprechen von einem ambivalenten Sexismus, der nicht als ausschließlich negativ und nicht nur gegen Frauen gerichtet verstanden wird. Stattdessen kommt es auch zu einer Betonung von subjektiv als positiv empfundenen Gefühlen gegenüber Frauen, die Hand in Hand mit einer sexistischen Ablehnung gehen. Ambivalente Einstellungen bestehen aus „Hostilität“ (Feindseligkeit) und „Benevolenz“ (Fürsorglichkeit).

Sexismus als multidimensionales Konstrukt ist daher ein Spezialfall von Vorurteilen, da er typischerweise von ausgeprägten Ambivalenzen gekennzeichnet ist,  in einer Welt wo eine Teilung der Geschlechter als oberstes Ordnungsprinzip gilt. Dies führt unausweichlich zu verschiedenen Machverhältnissen zwischen Frauen (dyadische Macht – Fortpflanzung, sexuelle Befriedigung) und Männern (strukturelle Macht – Patriarchat).

hostiler Sexismus: feindselige und vorurteilbehafte Einstellung aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit (wie z.B. der Gruppe der Frauen)

benevolenter Sexismus: subjektiv positiv empfundenen Einstellung gegenüber Frauen, gelebt in hilfsbereitem sowie in Nähe suchendem Verhalten, welche gleichzeitig mit einem traditionellen Rollenverständnis einher gehen.

Beide Sichtweisen des Sexismus sind so charakterisiert, dass Stereotype und typischen Rollenmuster als Ausgangspunkt dienen, sprich dass den Frauen nur ein eingeschränktes (häusliches) Aufgabenfeld zustünde und diese das „schwächere Geschlecht“ seien.

 

 

Formen von Gewalt an Frauen und Mädchen

 

 

  • Gewalt gegen Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender beginnt mit der Angst beim nach Hause gehen in der Nacht; mit den Pfiffen auf der Straße.
  • Gewalt ist die Frage nach dem Kinderwunsch beim Vorstellungsgespräch.
  • Gewalt ist der Zwang sich nach gewissen Vorstellungen kleiden zu müssen.
  • Gewalt ist die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern.
  • Gewalt ist die Frau nicht zu Wort kommen zu lassen.

Bei Gewalt gegen Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender handelt es sich also um einen Angriff auf ihre persönliche Integrität und die Missachtung ihrer Grenzen. Gewalt findet in einem System statt, das Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender strukturell benachteiligt und ihnen die Macht über sich selbst entzieht. Gewalt hält das System, welches von Männern für Männer geschaffen wurde aufrecht. Gewalt selbst hat System, durch psychische, physische, sexuelle, ökonomische und strukturelle Gewalt.

 

Sexuelle/sexualisierte (körperliche und psychische) Gewalt

„Jede erfolgte unfreiwillige sexuelle Berührung, jede erzwungene Sexualität, jeder gewalttätige Übergriff, jede sexuelle Ausbeutung, jede Vergewaltigung hat viele Auswirkungen, immer aber die eine: Der Täter ist unmittelbar siegreich geworden, das Opfer unmittelbar situativ erlegen.“[3]

Im Alltag vieler Menschen spielt sexualisierte oder sexuelle Gewalt nach wie vor eine große Rolle. Sexualisierte Gewalt, sprich sowohl Vergewaltigung als auch sexuelle Belästigung, ist Ausdruck für Machtausübung, Kontrolle und bewusster Unterdrückung. Jeder und vor allem jede lebt jeden Tag mit der Gefahr Opfer solcher Gewalt zu werden. Sexuelle Gewalt beginnt, wo Frauen auf ihren Körper reduziert, sexualisiert und gedemütigt werden. Durch sexuelle Ausbeutung, Anmache, Zudringlichkeiten, Vergewaltigung und ungewollte Berührungen missachten Männer immer wieder die (körperlichen) Grenzen von Frauen und ihr Recht auf (sexuelle) Selbstbestimmung. Sexualisierte Gewalt ist ein Ausdrucksmittel der bestehenden Herrschafts- und Machtverhältnisse und unterstützt das gesellschaftliche Machtgefälle zwischen Männern und Frauen. Dazu zählen beispielsweise:

  • Abschätzige Bemerkungen und Kommentare mit sexuellen Hintergedanken
  • Diskriminierende Bemerkungen über Personen, Charakterzüge und Körper
  • Entwürdigende Gesten und Verhaltensweisen auf Grund von Geschlechtsidentitäten
  • Darstellung von pornographischen und sexistischen Inhalten in Werbung und Medien
  • Sexuelle Belästigung durch ungewollte Nähe bzw. Berührungen
  • Erzwingen sexueller Handlungen, Nötigungen und Vergewaltigung

Nach wie vor ist es eine moderne Ausrede, dass Männlichkeit auf Macht, aggressiven Verhalten und geringer Triebkontrolle beruht. Und das angeblich nicht zuletzt weil der Urinstinkt,  „schwache“ Frauen vor potentiellen Tätern zu schützen, tief in einer männlichen Seele verankert ist. Sexuelle oder sexualisierte Gewalt ist aber nicht durch unsere Triebe bestimmt, sondern vor allem ein Wille Macht auszuüben, zu zeigen und zu erlangen -  in einer Gesellschaft, die durch Arbeitsteilung und ungleicher Ressourcenverteilung selbst unterschiedlich Macht ausübt.

 

Angst vor eigenem Zuhause

Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache für Verletzungen bei Frauen. Ihr eigenes Zuhause – die Familie - ist der gefährlichste Ort für eine Frau. Nicht vor Angriffen von Fremden in dunklen Straßen müssen Frauen erfahrungsgemäß am meisten Angst haben, sondern vor der alltäglichen Brutalität von Freunden, Verwandten und Geliebten. Eine von fünf Frauen ist laut Schätzungen in Österreich von Gewalt durch einen männlichen Verwandten, Freund oder Bekannten betroffen. Die erfolgreiche Geschäftsfrau ebenso wie jene aus der ArbeiterInnensiedlung, die Dame aus alt eingesessener Familie genauso wie die erst seit Kurzem in Österreich lebende Migrantin.

Und dennoch: Immer noch werden vor Gewalttaten im privaten Bereich die Augen verschlossen. Immer noch werden Hilferufe von Frauen ignoriert oder nicht erkannt. Immer wieder wird das Gesetz nicht umfassend umgesetzt. Real werden bis zu 300.000 Frauen in Österreich jährlich misshandelt.

In Deutschland wird jede 7. Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer einer Vergewaltigung oder sexuellen Nötigung. In Frankreich gehen Schätzungen von jährlich ca. vier Millionen vergewaltigten und geschlagenen Frauen aus. In Schweden wird ungefähr alle 20 Minuten eine Frau geschlagen, jeden 10. Tag stirbt eine Frau durch einen Mann, der ihr nahe stand. Nach einer kanadischen Schätzung werden ein Viertel bis ein Drittel aller Mädchen und Frauen unserer Welt Opfer von Männergewalt. Auf Europa übertragen, würde dies 42-56 Millionen bereits Betroffene bedeuten.

 

Ökonomische / Strukturelle Gewalt

Finanzielle Abhängigkeit und Ungleichbehandlung in der Arbeit

Ursache ist unser Machtungleichgewicht. Wir leben in einer Gesellschaft, die von gleichen Rechten, Pflichten, Besitz, Einkommen und  Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern weit entfernt ist. 90% des in Geld gemessenen Einkommens und 99% des Vermögens werden weltweit von Männern, die nicht ganz die Hälfte der Weltbevölkerung darstellen, kontrolliert. Zwei Drittel der bezahlten Arbeit in Österreich wird von Männern und zwei Drittel der unbezahlten Arbeit von Frauen geleistet. Im Bereich der bezahlten Arbeit verdienen Männer im Durchschnitt auch heute noch um ein Drittel mehr als Frauen. Dass heißt, Frauen beziehen ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von ca. 16.000 Euro im Jahr, was etwa 60% des Männereinkommens entspricht. Arbeitszeitbereinigt, da Frauen logischerweise durch familiäre Pflichten wie die Kindererziehung, Haushalt und Pflegetätigkeiten zusätzlich unbezahlt beschäftigt sind, lag das mittlere Fraueneinkommen 2007 bei 82% des Männereinkommens.

Das Machtungleichgewicht zwischen Frauen und Männern gilt als Hauptursache für Gewalt an Frauen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Ganz im Gegenteil: Sozialabbau, Erwerbslosigkeit und Flexibilitätsanforderungen schaffen zusätzliche ökonomische Abhängigkeiten, statt sie zu bekämpfen.

Die doppelte Vergesellschaftung:

Aufgrund einer im historischen Verlauf entwickelten grundlegenden geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung sind für die Aufgaben der familiären Pflichten (Erziehung, Pflege, Haushalt) primär Frauen zuständig. Die Sorge für die physischen und psychischen Bedürfnisse der Familienmitglieder verlangt von Frauen immer wieder ein Zurückstellen der eigenen Wünsche und bezahlten Erwerbstätigkeiten. Daraus resultiert eine finanzielle Abhängigkeit, ein Mangel an beruflichen Karrieremöglichkeiten sowie eine Angewiesenheit auf soziale Anerkennung, die nur sehr schwer zu erreichen ist.

Frauen werden doppelt benachteiligt, nicht nur durch die Trennung des Geschlechts sondern auch durch die ambivalente Trennung von Öffentlichkeit (Berufswelt, Politik) und Privatraum (Hausarbeit). Beide Formen der Arbeit sind jeweils voneinander abhängig und erfahren eine unterschiedliche Wertschätzung. Die soziale Bedeutung von Hausarbeit bleibt im öffentlichen Raum mehrfach unbeachtet, da sie nicht marktvermittelt und ihr ökonomischer Wert nicht wahrgenommen wird. Hausarbeit wird als eine nicht entlohnte, sprich nicht professionelle Versorgung der Familienangehörigen in den häuslichen vier Wänden verstanden. Aber dennoch wird es als normale Pflicht verstanden, soziale Praxen, Hausarbeit und bezahlte berufliche Tätigkeiten miteinander zu kombinieren. Der Status der „bread-winners“ wird jedoch den Männern zugewiesen. Frauen haben durch ihre Doppelbelastung und  traditionell bedingte Sichtweisen der Geschlechterrollen weit schlechtere Berufs-, Aufstiegs- und Verdienstchancen am Arbeitsmarkt.

„Es ist nicht „Chancengleichheit“, wenn den Frauen Veränderung und Anpassung abverlangt wird – sondern es ist wiederum Diskriminierung der im weiblichen Lebenszusammenhang angelegten Qualitäten, wenn auch jetzt in subtiler und scheinbar progressiver Form“[4]

Obwohl Integration in der Arbeitswelt und eine rechtliche gleichberechtigende gesetzliche Basis bereits geschaffen sind, impliziert jene Chancengleichheit einen äußerst problematischen Charakter. Gleichberechtigung braucht keine Veränderung und Anpassung der Frauen, sondern vielmehr eine sichtbare Umgestaltung der Berufswelt. Es braucht eine Berufswelt, die Hausarbeit als Erwerbsmöglichkeit nicht ins Abseits stellt, sondern eine die jene wichtigen Aufgabenfelder bewusst miteinschließt. Nur so kann wahre Chancengleichheit gewährleistet werden.

 

Quellenangaben:

Ralser, Michaela (1998): Sexuelle Gewalt ist eine Herrschaftsform. Nennen wir sie patriarchal. Manuskript eines Vortrages anlässlich der Veranstaltungsreihe 1998  „(K)ein sicherer Ort“. Innsbruck: Institut für Erziehungswissenschaften

Janssen-Jurreit, Marie-Louise (1978): Sexismus. Über die Abtreibung der Frauenfrage. 3. überarbeitete Aufl. München/Wien: Carl Hanser Verlag

Herrad Schenk (1979): Geschlechterrollenwandel und Sexismus. Zur Sozialpsychologie geschlechtsspezifischen Verhaltens. Weinheim/Basel: Beltz Verlag

Benokraitis, Nijole V. (1994): Modern sexism. blatant, subtle, and concert discrimination. New Jersey/Prentice Hall 

Joe R. Feagin/Nijole Benokraitis (1995): Modern sexism. New Jersey/Prentice Hall

Glick, Peter/Fiske, Susan T. (1995): The Ambivalent Sexism Inventory. Differentiating hostile and benevolent sexism. Journal of Personality and Social Psychology (3)

Irena, Ebert (2007): Geschlechtereinstellung und Geschlechterstereotype. In: Spezielle Fragestellungen der allgemeinen Psychologie – Studienunterlagen an der Friedrich-Schiller Universität Jena: Jena

Becker-Schmidt, Regina (1987): Die doppelte Vergesellschaftung – die doppelte Unterdrückung: Besonderheiten der Frauenforschung in den Sozialwissenschaften. In: Unterkirchen, Lilo/Wagner, Ina (Hrsg): Die andere Hälfte der Gesellschaft. Österreichische Soziologentag 1985: Wien

Beck-Gemsheim, Elisabeth/Ostner, Ilona (1978): Frauen verändern – Berufswelt nicht? In: Soziale Welt, Heft 3, S.262ff)

 


[1] Janssen-Jurreit, Marie-Louise (1978): Sexismus. Über die Abtreibung der Frauenfrage.

3. überarbeitete Aufl. München/Wien: Carl Hanser Verlag; S.25

[2] Janssen-Jurreit, Marie-Louise (1978): Sexismus. Über die Abtreibung der Frauenfrage.

3. überarbeitete Aufl. München/Wien: Carl Hanser Verlag; S.702

[3] Ralser, Michaela (1998): s.o. S.13

[4] Beck-Gemsheim, Elisabeth/Ostner, Ilona (1978): s.o. S.281f

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