Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Frauenbroschüre

Die Hälfte der Welt!

Im Wintersemester 2008 wurde in der bundesweiten Frauengruppe des VSStÖ die Idee geboren, eine feministische Broschüre zu verfassen. Recht schnell haben wir uns von dem Anspruch verabschiedet, alle Themenbereiche, die uns wichtig sind, in eine einzige Publikation zu bekommen und lieber über das geschrieben, was uns gerade besonders interessiert.

Das Ergebnis ist eine knapp 100 Seiten dicke Broschüre mit interessanten, sehr verschiedenen und ambitionierten Texten, auf die wir unglaublich stolz sind. Sie sollen ein wenig unserer bundesweiten feministischen Arbeit wiederspiegeln, die in den letzten Jahren passiert ist. Großer Dank gilt hier Magdalena Schrott, die für die Bundesorganisation die Koordinierung dieses Projekts übernommen hat, Oona Kroisleitner für das unwiderstehliche Layout und allen mitwirkenden Schreiberinnen und Lektorinnen.

Zu bestellen gibs die Broschüre unter corraleras@vsstoe.at, und das pdf-file gibts hier zum Download!

Viel Spaß beim lesen wünschen euch diesmal nicht nur die Corraleras des VSStÖ-Wien, sondern auch die unglaublich tollen Frauen aus Linz, Innsbruck, Klagenfurt und Graz - also die bundesweite VSStÖ Frauenarbeitsgruppe!

 

Inhaltsverzeichnis:

:: Frauen im VSStÖ von Maria Maltschnig

:: Frauengeschichte und Frauenbewegung

         > Erste Frauenbewegung von Agnes Riha
         > Zweite Frauenbewegung von Sophie Lojka
         > Popfeminismus von Kathrin Kaltenberger

:: Feminismus und Sozialismus von Eva Maltschnig

:: Frauen und Recht von Sarah Ortner

:: Frauenwahlrecht von Nina Heidorn

:: Frauen und Schule von Petra Lindermuth

:: Frauen und Wissenschaft von Sarah Huber

:: Frauen und Sprache von Stefanie Grubich

:: Frauen und Sexualität von Elena Barta

:: Sexismus von Daniela Iraschko

:: Queerer Feminismus? von Carmen Fischer

 

 

Black Feminism

Die klassische Geschichte der Frauenbewegungen zu erzählen, bringt fast automatisch eine sehr eurozentristische Sichtweise mit sich. Eurozentrismus bedeutet generell, dass Europa ins Zentrum des Denkens und Handelns gestellt wird. Dies soll in dieser Broschüre nicht unhinterfragt passieren. Zu lange wurden feministische Positionen rein aus der Sichtweise der weißen Frau aus der Mittelschicht abgeleitet. Dieser kurze Text soll als Denkanstoß, um diese gedanklichen Schranken zu überwinden, dienen.

Der westliche Feminismus hat generell lange Zeit das eigene Selbstverständnis als universell gültig betrachtet und nicht erkannt, dass Frauenunterdrückung je nach Kultur und Klasse etwas anderes bedeutet.

Im Zusammenhang mit dem Black Feminism bedeutet das: Die Weiße Frauenbewegung hat sich mit dem Geschlecht als zentrale Kategorie der Unterdrückung beschäftigt und sich nicht mit Rassismus und seinen Folgen für schwarze Frauen auseinandergesetzt. Erst schwarze Frauen haben schließlich auch eine Differenz zwischen den Frauen untereinander zum Thema gemacht.

Bereits 1979 konfrontierte Audre Lorde, Schriftstellerin und Aktivistin des Black Feminism, auf einer internationalen Konferenz zum 30-jährigen Bestehen des "Anderen Geschlechts" von Simon de Beauvoir die Weiße Frauenbewegung mit dem Rassismus-Vorwurf: "Da sich weiße feministische Theoretikerinnen nicht mit den Differenzen zwischen Frauen befassen, kümmern sie sich auch nicht um die Tatsache, dass die Frauen, die ihre Häuser putzen und ihre Kinder hüten, während sie selbst Konferenzen über feministische Theorie besuchen, größtenteils arme und farbige Frauen sind. Was ist die Theorie hinter rassistischem Feminismus?"[1] Black Feminism beinhaltet eben auch die Kategorien Rassismus, Klasse und sexuelle Orientierung; dies sind mittlerweile auch Parameter in westlichen feministischen Diskursen.

Doch begonnen hat der Kampf gegen Unterdrückung von schwarzen Frauen schon viel früher. Man kann sagen, dass „der Widerstand Schwarzer Frauen gegen geschlechtliche Unterdrückung seit der Ankunft versklavter AfrikanerInnen auf dem Nordamerikanischen Kontinent einen konstanten Faktor darstellte, auch wenn er nicht von Beginn an als feministisch bezeichnet wurde.“[2]


[1] Ludvig, Alice: Kritik des Black Feminism an feministischer Theoriebildung. In: SWS-Rundschau 1/2001 (Wien) S.40.

[2] Springer, Kimberly (2005): Living For The Revolution. Black Feminist Organizations 1968-1980. Durham et al: Duke University Press, S.19.

 

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