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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Zurück nach vorn. Feministische Kapitalismuskritik

Eine Auseinandersetzung mit der marxistisch-feministischen Soziologin Frigga Haug.
Was tun, wenn der neue Feminismus neoliberal ist? Mit einem Vortrag unter diesem Titel tourte die deutsche Soziologin Frigga Haug kürzlich durch Wien.
Damit nimmt sie sich einer aktuellen Debatte an: das Verhältnis von Feminismus und Neoliberalismus ist ihrer Ansicht nach enger als es sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Zentrale Ideen der Zweiten Frauenbewegung sieht sie in das neoliberale Gesellschaftskonzept integriert – quasi dem Konzept der passiven Revolution folgend. So zum Beispiel beim Problemfeld Arbeit: In einem neoliberalen Modell so wie es heute vorherrscht, sind Männer und Frauen gleichermaßen flexibel auf dem freien Arbeitsmarkt. Das äußert sich in prekärer Beschäftigung, von der Haug vor allem Frauen betroffen sieht.
Beim Kämpfen ständig Stand- und Spielbein wechseln
In einem Interview, das sie 2004 der taz (die tageszeitung) gegeben hat, bezieht die Soziologin Stellung dazu, was es bedeutet, wenn Forderungen der linken Frauenbewegung von konservativen Parteien aufgenommen werden – so wie es in der Geschichte immer wieder passiert ist:
„Als die Frauenbewegung vor dreißig Jahren die Anerkennung der Hausarbeit forderte, wurde dies auch von der CDU aufgenommen, weil sie die Anziehungskraft von Familie und Haushalt für die Frauen stärken wollte. Das heißt doch nicht, dass der Kampf um die Anerkennung der Hausarbeit der Frauen falsch war. Das zeigt nur, dass man beim Kämpfen beständig Stand- und Spielbein wechseln muss.”
Und das bezieht Haug in dem Fall nicht nur auf die Auseinandersetzung mit Hausarbeit sondern auch auf die Gewichtung und Richtung der Debatte rund um das Kopftuchverbot in Deutschland. Sie sah Provokation durch einen offenen Brief als Mittel der Diskursaneignung und Steuerung.
Frigga Haug sieht den Feminismus noch lange nicht in der “Mitte” der Gesellschaft angekommen, sondern findet es nach wie vor notwendig weiterhin Unterdrückung aller Art zu bekämpfen.
Infos:
Frigga Haug, 1937 in Deutschland geboren, ist als marxistisch-feministische Soziologin und Philosophin Begründerin der Methode der Kollektiven Erinnerungsarbeit – einer Methode zum feministischen Umgang mit Erinnerung und Sprache. Sie war bis 2001 Professorin für Soziologie in Hamburg und ist Mitherausgeberin der Zeitschrift „Das Argument“.

