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Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Über mutige Schwestern und Gewalt an Frauen

Der 25.11. wurde auf dem ersten Treffen lateinamerikainscher und karibischer Feministinnen, in Gedenken an die Mirabal Schwestern zum „internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen“ ernannt, 1999 wurde er von der 54. UNO-Generalversammlung offiziell anerkannt. Doch wo beginnt Gewalt gegen Frauen und weshalb wurde ausgerechnet der 25.11.gewählt um diese zu thematisieren?

 

Las Mariposas

Unter dem Namen „Las Mariposas“ wurden die Mirabal Schwestern Patria Mirabal (geb. 1924), Minerva Mirabal (geb. 1926) und Maria Teresa Mirabal (geb. 1936) bekannt. Sie kämpften gegen die Diktatur von Raffael Leonidas Trujillo, der 1930 in der Dominikanischen Republik durch einen Militärputsch an die Macht kam.
Zunächst war Mariposa nur der Deckname von Minerva Mirabal während ihrer politischen Untergrundtätigkeit. Nach der Ermordung der drei Schwestern ging der Name „Las Mariposas“ symbolisch auf alle Schwestern über. Die Schwestern wuchsen unter wohlhabenden, bürgerlichen Verhältnissen im dominikanischen Landesinneren auf.

Obwohl Frauen unter der Herrschaft von Trujillo einen erschwerten Zugang zu Bildung hatten und vor allem Minerva Mirabal aufgrund ihrer politischen Tätigkeit zeitweise vom Studium ausgeschlossen war, schlossen sowohl Minerva (Doktorin der Jurisprudenz) als auch Maria Teresa (akademischen Landvermesserin) Mirabal ihr Studium ab.

 

Die Verfolgung setzt ein...

Zum ersten Mal in Kontakt mit Trujillo kamen sie am 12. Oktober 1949. Dieser lud zu einer Feier in Gedenken an die „Entdeckung“ Amerikas durch Kolumbus („Dia de la Raza“). Zu diesem Zeitpunkt war Minerva Mirabal bereits als „Freigeist“ und politisch aktiv bekannt, wurde jedoch noch nicht verfolgt. Nach dieser Feier, welche die Mirabals frühzeitig unter einem Vorwand verließen, setzte die Verfolgung ein. Vater, Mutter und Tochter Minerva wurden arrestiert, freigelassen, zwei Jahre später wieder verhaftet und erneut freigelassen. Der Vater hielt dem Druck nicht stand und starb wenige Tage nach der Entlassung.

Als Minerva Mirabal 1959 wieder zu ihrer Familie zieht, nachdem sie 4 Jahre lang in Monte Cristi gelebt hat, schließt sie sich der „Bewegung 14. Juni“ an. Diese Bewegung folgte der „Movimiento de Liberacion Dominicana“, welche am 14. Juni einen bewaffneten Aufstand organisierte, der durch das Trujillo-Regime brutal niedergeschlagen wurde. Alle TeilnehmerInnen und zahlreiche Tatverdächtigen wurden ermordet.

 

Das Ende...

Die „Bewegung 14. Juni“ wurde 1960 kurz nach ihrer Formierung, entdeckt und zahlreiche Männer und Frauen festgenommen und gefoltert. Unter ihnen auch Minerva und Maria Teresa Mirabal, ihre Ehemänner, sowie Patria Mirabals Mann. Auf internationalen Druck hin mussten die Mirabal Schwestern freigelassen werden. Viele andere blieben weiterhin in Haft, darunter auch die Männer der Schwestern. Am Heimweg vom Gefängnisbesuch bei ihren Ehemännern in Puerto Plata, gerieten die Mirabals in einen Hinterhalt. Sie wurden am 25.11.1960 ermordet und die Tat später als Autounfall getarnt.

21 Jahre nach dem Tod der Schwestern ernannte das erste Treffen lateinamerikainscher und karibischer Femisitinnen, ihren Todestag zum „Dia Internacional de la No Violencia Contra la Mujer“. Durch die Ernennung eines Tages gegen Gewalt an Frauen, sollte diese zunächst erst einmal thematisiert werden. Doch die gegen Frauen gerichtete Gewalt beginnt nicht erst mit dem aktiven körperlichen Übergriff oder einer Vergewaltigung. Sie umfasst nicht nur körperliche und sexuelle Gewalt.

 

Gewalt...

Grob gesagt, umfasst Gewalt alle Handlungen, die einen anderen Menschen dazu zwingt etwas zu tun, das er/sie nicht tun will, also einer anderen Person den eigenen Willen aufzuzwingen. Dies kann auf unterschiedliche Arten passieren, ist aber meist motiviert durch den Willen Macht zu demonstrieren. Außer der physischen und der psychischen Gewalt (gegen Frauen), ist strukturelle Gewalt ein wesentlicher Teil der Gesellschaft. Diese beginnt bei der Angst nachts alleine nach Hause zu gehen, umfasst aber auch die Frage nach dem Kinderwunsch bei einem Vorstellungsgespräch und findet auch Ausdruck im gesellschaftlichen Druck sich nach gewissen Vorstellungen kleiden zu müssen.

Diese Gewalt stützt das System in dem wir leben dadurch, dass Frauen unterdrückt und in eine Abhängigkeit gezwungen werden. Ein System, das von Männern für Männer gemacht wurde und für sie aufrecht erhalten wird. Ökonomische Gewalt spielt eine zentrale Rolle bei der Abhängigkeit von Frauen. So werden Frauen, auch in Österreich, noch oft auf die Rolle als Hausfrauen und Mütter reduziert. Ihr beruflicher Erfolg wird zur Nebensache und ihre (beruflichen-)Leistungen abgewertet. Dies wird zum Beispiel bei der Einkommensschere zwischen Frauen und Männer deutlich. Frauen verdienen in Österreich im Schnitt um 32,9% weniger als Männer (Stand 2005, Quelle: AK Wien).

 

Psychische und Physische Gewalt...

Die Angst allein nach Hause zu gehen ist eine von der Gesellschaft anerzogene Angst, denn statistisch gesehen ist es zehn mal wahrscheinlicher zu Hause Gewalt zu erleben als auf der Straße Diese Wahrscheinlichkeit Gewalt zu erleben ist noch bloß eine statistische Aussage, real werden bis zu 300.000 Frauen in Österreich misshandelt. Körperliche und psychische Gewalt ist keine Ausnahme sondern passiert ständig, durch alle gesellschaftlichen und politischen Schichten, jeden Tag und genau vor unserer Nase.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter und nur allzu oft sind die Gesichter den Frauen mehr als bekannt und verfolgen sie über Jahre hinweg (in 80% der Fälle dauert Missbrauch zwei Jahre und länger).
Auf diese verschiedenen Formen von Gewalt und ihre Auswirkungen auf Frauen soll der „Tag gegen Gewalt an Frauen“ aufmerksam machen.

 

Quelle:

www.frauensolidaritaet.org

Zum Weiterlesen

http://www.carilat.de/karibik/domrep/mirabal.htm ausführlicher Artikel über die Schwestern Mirabal.
Fatima Alvarez: Las Mirabal en la memoria. In: Boletin Red contra Violencia (Isis Internacional/Santiago) Nr.25. (1999) S.4
Julia Alvarez: Die Zeit der Schmetterlinge; München 1996

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