Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
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Warum es nicht die sondern der Seilschaft heißen sollte

oder: was Männerbündnisse mit Unis zu tun haben und umgekehrt.

Die Universität – ein Ort der Wissenschaft, der Bildung, der aufklärerischen und kritischen Gedanken und theoretisches Rückgrat unserer Gesellschaft.

Burschenschaften- ein Ort überkommender Geschlechter- und Gesellschaftsverständnisse, mehr oder weniger gewalttätiger Spielplatz ewig Gestriger, bei dem Rassismus, Sexismus und Homophobie zum guten Ton gehören. Beide haben eines gemeinsam: die Männerseilschaften und das daraus resultierende Frauenbild operieren in beiden Institutionen. In Burschenschaften gehören Männerseilschaften zum Ziel der Veranstaltung - in Universitäten sind die gleichen Seilschaften versteckt und Verbindungsstudenten noch nicht mal die Spitze des Eisbergs sondern viel mehr ihre populistischste Ausformung.

 Männerseilschaften funktionieren immer nach einem ähnlichen Prinzip: Männer aus dem eigenen sozialen, kulturellen, politischen Milieu in höhere Positionen zu hieven, ihnen Aufträge zu zuspielen und sie zu fördern. Was daran falsch ist, sich von anderen Menschen z.B. in seiner wissenschaftlichen Karriere helfen zu lassen? Männerseilschaften schließen nicht nur einfach Menschen aus, sie reproduzieren von der Gesellschaft gemachte Unterschiede bei Geschlecht, Ethnizität oder finanziellem Background. Die Stärke einer solchen männlichen Community beginnt bei der Vergabe von Professuren und Förderung und endet bei der Entscheidung, ob Geschlechtergeschichte oder Wirtschaftsgeschichte im Lehrbereich wichtiger sind.

 

Universitäten bilden

Genauso wie uns der Inhalt einer Lehrveranstaltung bildet, bildet uns die Universität als Lebensraum. Zu dieser Art von Bildung gehört auch der uns vermittelte Weg zum Erfolg, das heißt, dass eine Universität als Ganzes sehr wohl entscheiden kann ob Studierende das Gefühl haben mit gemeinsame erarbeiteten Projekten, mit durch eine Ellenbogentaktik ergatterten Noten oder mit persönlichen Kontakten den größtmöglichen Erfolg zu haben. Genau so kann eine Universität entscheiden wie sie mit Männerseilschaften umgeht und wie sie selbst an einer Ungleichbehandlung  der Geschlechter teilnimmt. Eine Universität kann Gleichbehandlungsinstitutionen lächerlich erscheinen lassen oder sie ernst nehmen, Bildungsunterschiede von weiblichen und männlichen Studierenden ausgleichen oder sie verstärken, nachhaltige Frauenförderung betreiben oder Männerseilschaften den Rücken frei halten. Sensibilität für dieses Thema sinkt je höher man die Uni-, Politik-, oder Firmen-Karriereleiter hinaufsteigt, vielleicht auch deshalb weil nicht wenige Chefsessel von Männern besetzt sind, die aus eigener Erfahrung die Vorteile gewisser Mitgliedschaften und Freundschaften kennen.

 

Bilder bilden

Problematisch ist aber nicht nur die Verhärtung sozialer Unterschiede sondern auch das dadurch entstehende und nicht selten aktiv vermittelte Frauenbild. Dass Frauen studieren und Führungspositionen in Politik und Wissenschaft besetzen können, ist mittlerweile bei den konservativsten Wissenseliten angelangt (Altherren in dubiosen Studentenverbindungen einmal ausgenommen). Das hindert diese aber nicht daran, diese Frauen ganz im Sinne einer neoliberalen Einstellung als einzelne besonders ehrgeizige Kämpferinnen darzustellen, die als Ausnahme die Regel bestätigen und als netter Nebeneffekt als Quotenfrau dazu dienen können einer feministischen Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen. Natürlich sollten wir uns über jede Frau freuen, die die gläserne Decke durchbrochen hat, trotzdem darf dadurch nicht der Eindruck entstehen Frauen wären „eh schon gleichberechtigt“ und die Universität ein Ort an dem alles besser, kritischer und offener ist.

 

Frauen bilden

Männerseilschaften gerieten vor allem in der Zeit der zweiten Frauenbewegung unter Beschuss, als die Mechanismen und vor allem der Ausschluss von Frauen öffentlich thematisiert wurden.  Ableitung innerhalb der Frauenbewegung, aber vor allem innerhalb der frauenbewegten Wissenschaften an Universitäten war es, selbst Bündnisse zu bilden. Solche Bündnisse können auf universitärer Ebene gemeinsame Forschungsprojekte und deren Publikation, die Herausgabe von Zeitungen, wissenschaftliche Diskussionsrunden genauso wie Mentoringprojekte, (temporäre) Frauenfreiräume oder politische Organisationen sein. Was Männerseilschaften diesen Frauenbündnissen vorraus haben sind eine lange eingeübte Strategie, gesellschaftliche Anerkennung aber vor allem einen fixen Platz in der wissenschaftlchen Welt, den sich Frauen gegen die herrschende Bildungspolitik der Parteien wie der Universitäten erst erkämpfen müssen. Längerfristig muss mensch sich allerdings fragen, ob die Welt nicht ein bisschen besser wäre, wenn die Universität nicht nur ein kleiner Meilenstein auf der Karriereleiter einiger Weniger wäre, sondern eine Institution, in der emanzipatorisch Wissenschaft  ohne Elitenbildung und Konkurrenzkampf betrieben werden kann.

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