Unigruppen

Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

Sprache ist Wirklichkeit

Was ist Sprache?

Sprache bildet Realität ab und ist eine wichtigste Kommunikations – und Ausdrucksformen überhaupt. Der sprachliche Umgang miteinander beeinflusst uns ständig, bewusst und unterbewusst. Er bestimmt unsere Sozialisation, unsere Kultur und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Außerdem drückt sie, auf ganz entscheidende und beeindruckende Art und Weise die Veränderung und die Entwicklung von Gesellschaft aus. Sprache und Kultur stehen in einer ständigen Wechselbeziehung zueinander. Sprache formt die Kultur, genauso wie die Kultur die sprachlichen Ausdrucksformen bestimmt. Dadurch bedingen sich beide und können gar nicht unabhängig von einander bestehen.

Gelebte Benachteiligung

Unsere Gesellschaft ist immer noch stark von patriarchalen Strukturen geprägt. Frauen sind benachteiligt: im familiären, politischen, kulturellen, sozialen sowie auch beruflichen Leben. Der EU Gleichstellungsbericht 2008 macht dies unmissverständlich klar. Gerade in Österreich verschlechtert sich die Situation von Frauen zusehen, anstatt dem allgemeinen Trend der anderen europäischen Staaten hin zu einer Verbesserung zu folgen. In Österreich verdiente eine Frau 2005 durchschnittlich 32,9% weniger, als ein Mann in der gleichen Position. Was bedeutet, dass eine Frau bis zu einem Drittel mehr Arbeit leisten muss um überhaupt auf den gleichen Lohn wie ein Mann zu kommen. Die Beschäftigungsquoten steigen zwar europaweit (außer in Österreich, da ist die Quote bis 2004 gesunken), allerdings betrifft dies fast ausschließlich prekären Arbeitsverhältnissen, die kaum Aufstiegschancen bieten und schlecht bezahlt sind. In der EU arbeiten durchschnittlich 27% der erwerbstätigen Frauen Teilzeit. Je nachdem ob und wie viele Kinder, die Frauen haben nimmt dieser Prozentsatz drastisch zu. Er steigt bis auf 51% an, bei Frauen die drei oder mehr Kinder haben. Bei Männern allerdings zeigt sich ein ganz anderes Bild. Völlig unabhängig von ihrem Familienstand arbeiten nur 3% - 4% der Männer in Teilzeit-Arbeitsverhältnissen.
Auch was Frauen in Führungspositionen betrifft bietet sich ein trauriges Bild. Nicht einmal 3% der GeschäftsführerInnen und Vorstandsmitglieder in österreichischen Unternehmen sind Frauen. In 94% der Unternehmen gibt es keine einzige Top-Managerin. Nur 7,6% der Aufsichtsratsmandate sind mit Frauen besetzt.

Geschlechtergerechte Sprache, wieso?

Aus diesen und noch viel mehr Gründen wird eines klar: Frauen werden diskriminiert, aber nicht nur im Geheimen sondern auch im öffentlichen Raum. Dagegen muss etwas unternommen werden, diese Ungleichstellung muss endlich wahrgenommen und diskutiert werden. Auf diesem steinigem und wahrscheinlich noch langem Weg, kann die Veränderung von Sprache ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sein.

Geschlechtergerechte Sprache schafft Bewusstsein.

Verschiedenste Studien belegen, dass eine explizite Nennung und Erwähnung von Frauen in der Sprache zu einer verstärkten Wahrnehmung dieser führt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Experiment der Wissenschaftlerinnen Dagmar Stahlberg und Sabine Sczesny von der Universität Mannheim. Sie zeigten auf, dass Frauen durch eine rein männlich dominierte Sprachform stark benachteiligt und völlig ausgeschlossen werden.
In einer Untersuchung befragten Stahlberg und Sczensny 46 männliche und 50 weibliche Studierende nach ihren persönlichen Vorlieben und Meinungen. Die Fragebögen wurden in drei verschiedenen Versionen geschrieben. Einmal in der rein männlichen Form, also z.B. “Wer sind ihre Lieblingsromanhelden?”, einmal in der geschlechtsneutralen Form, zum Beispiel “Wer sind ihre Lieblingsromanfiguren?” und einmal in der Form, in der beide Geschlechter vorkommen, zum Beispiel “Wer sind ihre LieblingsromanheldInnen”. Was diese Studie zeigte war, dass wenn beide Geschlechter erwähnt wurden, wesentlich mehr weibliche Personen genannt wurden, als in der rein männlichen Form. Damit lässt sich das wohl häufigste Argument gegen geschlechtergerechte Sprache klar entkräften.
Frauen werden mit der männlichen Bezeichnung nicht einfach mitgemeint. Diese Behauptung ist schlicht falsch und trügerisch. Doch eines ist klar, alternative Sprachformen tragen zu einem Umdenken bei. Die Wissenschafterinnen sind davon überzeugt, dass durch geschlechtergerechte Formulierungen patriarchale Strukturen abgebaut und ein Bewusstsein für die Rolle der Frau in der Gesellschaft geschaffen werden kann.

Sprache verändert

Trotzdem verwehrt sich die breite Öffentlichkeit immer noch dagegen Frauen in der deutschen Sprache in allen Bereichen sichtbar zu machen. Dabei geht es nicht darum, wie oft behauptet wird, die Sprache zu verkomplizieren oder gar hässlich zu machen, sondern schlicht und einfach die Realität abzubilden. Dabei geht es ganz einfach darum auf Frauen bewusst aufmerksam zu machen, VorreiterInnenrollen zu schaffen und eine falsche Wahrnehmung der Gesellschaft zu bekämpfen. Außerdem können damit festgefahrene Stereotype endlich aufgebrochen werden, denn auch Frauen sind Politikerinnen, Wissenschafterinnen, Unternehmerinnen, Expertinnen und noch vieles mehr!

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